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Ein Paukenschlag für die Königsdisziplin

Mit Jan Wagners »Regentonnenvariationen« gewinnt erstmals ein Lyrikband den Preis der Leipziger Buchmesse. Den Sachbuchpreis erhielt der Österreicher Historiker Philipp Ther für seine gesellschaftspolitischen Erkundungen in »Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent«. Der Preis für die beste Übersetzung ging an Mirjam Pressler für ihre Übertragung von Amos Oz’ neuem Roman »Judas«.

„Şahlûr-33“ von Dûrzan cîrano - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Der Traum vom Fliegen

Norbert Scheuer schlägt mit »Die Sprache der Vögel« ein weiteres Kapitel in seiner Geschichte der Arimonds auf. Er setzt in seinem in Afghanistan angesiedelten Roman der Sinnlosigkeit des Krieges die Schönheit der Natur entgegen und erzählt von der Sehnsucht, den Dingen entfliehen zu können.

Titel

Der Kafka der Neunten Kunst

Das surreale Werk des französischen Comiczeichners und Grafikers Marc-Antoine Mathieu macht in seiner vermeintlichen Monotonie aus Schwarz und Weiß die verborgenen Zwischenwelten des Daseins sichtbar.

Anton Corbijn: A Most Wanted Man

Die Paranoia im System

In Anton Corbijns Thriller »A Most Wanted Man« brilliert Philip Seymour Hofmann ein letztes Mal. Als ausdauernder Rationalist verkörpert er den Fremdkörper in einem System, dem die Vernunft abhanden gekommen ist.

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Fragwürdiger Armutsvoyeurismus: Das Bild des »Zigeuners«

»Wer Macht über Bilder hat, hat gleichzeitig Deutungsmacht über Menschen«, schreibt Frank Reuter in seiner hochaktuellen Studie »Der Bann des Fremden. Die fotografische Konstruktion des „Zigeuners“«. Er fordert dazu auf, die eigenen Sehgewohnheiten kritisch zu hinterfragen und statt der simplifizierenden Bildikone die Verschiedenheit innerhalb der Minderheit zu entdecken.

Titelbild

Die Agenten der Geldreligion

Der Berliner Germanist Joseph Vogl zeigt in seiner formidablen Funktionsanalyse der Finanzpolitik, wie Zentralbanken als unabhängige Regierungsenklaven entworfen wurden und unter den Vorzeichen demokratischer Modernisierungsprozesse zu konstitutionellen Aus(nahme)fällen geworden sind. Deren systemimmanentes Ziel bestand immer darin, die existierende Finanzpolitik aus Selbstzweck zu perpetuieren. Inzwischen stehen auch sie machtlos vor dem selbstgeschaffenen Götzen Markt.

Freiheitsstatue 2009 | Foto: wikimedia commons

Der amerikanische (Alb)Traum

Die anglo-amerikanische Literaturkritik feiert ihn als »neuen Franzen«. Matthew Thomas verkauft sein Erstlingswerk »Wir sind nicht wir« für einen Millionenbetrag und wird über Nacht zum literarischen Shootingstar. Für Thomas scheint sich nun der amerikanische Traum zu erfüllen – ein Privileg, das er den Figuren in seinem Roman verweigert.

»Fräulein« von Ellen von Unwerth

Die Liebe zum Spektakel

Weiblich, sinnlich, selbstbewusst. Die »Fräulein«-Fotografien von Ellen von Unwerth erinnern an die Ästhetik der Bilder Helmut Newtons. Anders als dieser nimmt Unwerth den starken Persönlichkeiten aber die verordnete Strenge und gibt ihnen eine sinnliche Verspieltheit zurück.

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Trikolore unterm Halbmond

Der französische Romancier Michel Houellebecq legt mit »Unterwerfung« eine Zukunftsvision Frankreichs unter muslimischer Regentschaft vor und begibt sich damit in den nebulösen Deutungsraum zwischen rechtspopulistischer Demagogie und literarischer Satire.

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Der Meister der Postmoderne

Die verrücktesten Bücher, die ich jemals gelesen habe, stammen aus der Feder von Mark Z. Danielewski. Der amerikanische Autor mit polnischen Wurzeln erzählt nicht nur mit Worten, sondern mit deren Inszenierung. Ob »Das Haus«, »Only Revolutions« oder »Das Fünfzig-Jahr-Schwert« – jedes Buch ist ein Ereignis.

Jafar Panahi »Taxi«

Eine Rose und einen Goldenen Bären für die Filmleute

Dem iranischen Regisseur Jafar Panahi ist für seinen Film »Taxi« der Goldene Bär für den Besten Film verliehen worden. Die Jury zeichnet damit ein unter widrigen Umständen gedrehtes Porträt einer Gesellschaft im ständigen Ausnahmezustand aus. Panahi gewann bereits 2006 mit seinem Film »Offside« den Großen Preis der Jury. Auch bei den Silbernen Bären zeigte sich,…

Jiang Weng: Yi-bu-zhi-yao | © Beijing Buyilehu Film & Culture Co., Limited

Rasante Räuberpistolen

Drei chinesische Regisseur Jiang Wen stellt mit »Gone with the Bullets« einen glitzernde Gangsteroperette vor, der Japaner Sabu schließt mit seinem überirdischen Roadmovie »Chasuke’s Journey« den Wettbewerb ab.

Laura Bispuri: Vergine giurata II | Flonja Kodheli, Alba Rohrwacher

Auf der Suche nach dem Ich

Auf der Zielgeraden wurde die Berlinale im Wettbewerb noch einmal nachdenklich. Nach der bildgewaltigen Eisenstein-Hommage von Peter Greenaway, der traumtänzerischen Hollywood-Elegie von Terrence Malick und den kraftvollen Jugenderzählungen von Sebastian Schipper oder Andreas Dresen waren an den letzten Tagen mit Beiträgen aus Osteuropa und Südostasien Filme zu sehen, die Identitätsfragen und -konflikte aufgreifen.

Mark Christopher: 54: The Director’s Cut | © Courtesy of Miramax

Im Namen der Liebe

Sex war am Mittwoch auf der Berlinale ein großes Thema. Ob in Peter Greenaways spielerischer Hommage »Eisenstein in Guanajuato«, in der restaurierten Fassung von Mark Christophers »54: The Director’s Cut« oder in Sam Taylor-Woods Verfilmung des vermeintlichen SM-Bestsellers »Fifty Shades of Grey«.

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Statt Puntigam die weite Welt

Wolf Haas hat nach fünfjähriger Pause mit »Brennerova« endlich wieder einen neuen Brenner-Roman vorgelegt. In diesem Kriminalmärchen zur Globalisierung verschlägt es den kauzigen Privatermittler bis nach Russland und die Mongolei. Ein Kult erhält eine wohlverdiente und gelungene Fortsetzung.

Peter Greenaway: Eisenstein-in-Guanajuato

Sergej Eisenstein liebt und stirbt in Mexiko

In dem hervorragend arrangierten und wunderbar spielerischen Wettbewerbsbeitrag »Eisenstein in Guanajuato« werden vor dem Hintergrund eines Mexiko-Aufenthalts des russischen Regisseurs in den dreißiger Jahren Fragen nach Tod und Leben diskutiert. Ein herausfordernder Genuss für alle Sinne.