Doppelporträt

Favoritensterben oder aussichtsreiche Gefangenschaft

Wenn sich die Wirklichkeit nach Prognosen richten würde, hieße der diesjährige Literaturnobelpreisträger nicht Patrick Modiano, sondern Ngũgĩ wa Thiong’o oder Haruki Murakami. Ein Blick auf das Werk der beiden Ausnahmeautoren, die als Favoriten in aller Munde waren, über die jetzt auf der Messe aber kaum noch jemand redet.

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Der Häuptling der Aussteiger

Lutz Seiler erzählt in seinem Inselroman »Kruso« von einer außergewöhnlichen Freundschaft und der Sehnsucht des Menschen nach Freiheit. Die ergreifende Robinsonade ist eine magische Hymne, deren eindringliche Musikalität Gänsehaut verursacht.

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Lutz Seiler gewinnt Deutschen Buchpreis

Mit seinem Aussteiger-Roman »Kruso« hat Lutz Seiler gleich den wichtigsten deutschen Literaturpreis gewonnen. Seine Laudatio wurde dann »ein großer Bahnhof« für diejenigen, die hinter dem Roman stehen, und einen prominent ignorierten Teil der Literatur.

Foto: wikimedia commons

Willkommen im Prekariat

Zwei Romane hat Thomas Melle bislang geschrieben, zwei Mal landete er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Sein in diesem Jahr nominierter Roman »3000 Euro« erzählt von den Sorgen einer alleinerziehenden Mutter und eines obdachlosen Ex-Juristen.

Ian Kirk via wikimedia commons

Die Krähen picken noch immer

Marica Bodrožić entlockt der deutschen Sprache mit ihrer bilderreichen Poesie einen Klangraum von seltener Klarheit. In ihrem aktuellen Essay »Mein weißer Frieden« erkundet sie Wege, um eine Sprache für das vermeintlich Unsagbare und tatsächlich Ungesagte zu finden. »Weil es sagbar ist«, wie schon Carolin Emcke wusste. 

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Ein Leben in Augenblicken

Der Wiener Autor Robert Seethaler entführt die Leser seines neuen Romans in ein abgelegenes Alpental, wo Andreas Egger »Ein ganzes Leben« verbringt. Nach dem großen Erfolg seines Wien-Romans »Der Trafikant« legt Seethaler ein weiteres Wunderwerk der Überlieferung vor.

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Die weibliche Seite von »Tschick«

In Wolfgang Herrndorfs Millionenbestseller begegnen dessen Helden Maik und Andrej (Tschick) dem Müllmädchen Isa. Sie hilft den beiden Jungs, Benzin aus einem Golf zu klauen und fährt ein paar Kilometer mit ihnen mit, bevor sie sie wieder verlässt. In »BILDER deiner großen LIEBE« wird ihre Geschichte erzählt.

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»Stattdessen Isa, Roadmovie zu Fuß«

Wolfgang Herrndorfs unvollendeter Roman »BILDER deiner großen LIEBE« erzählt die Geschichte des »Müllmädchens« Isa Schmidt, die in seinem Jugendroman »Tschick«, wenn man so will, »die dritte Hauptfigur des Buchs« darstellt, wie Kathrin Passig und Marcus Gärtner im Nachwort zu dem nun von ihnen herausgegebenen Isa-Roman schreiben. In seinem Blog »Arbeit und Struktur« hat sich Wolfgang Herrndorf…

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Jahrtausendfigur oder: Das Echo des Franz Kafka

Achtzehn Jahre hat der Literaturwissenschaftler und Wissenschaftslektor Reiner Stach an seiner dreibändigen Kafka-Biografie geschrieben. Er entfaltet darin nicht nur ein Leben, zwischen dessen äußerer und innerer Biografie ein tiefer Graben verläuft, sondern porträtiert darin Kafkas Prag in der Epoche der »Nervosität«. Der unnahbare Franz Kafka wird uns bei Stach plötzlich sehr vertraut.

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Das Leben ausgekotzt

Lisa Kränzler lässt die Leser ihres neuen Romans einmal mehr durch den zähen Sumpf der Adoleszenz waten. »Lichtfang« ist die Geschichte von einer, die auszog, dem Leben das Fürchten zu lehren.

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Abschluss eines Meisterwerks

Manu Larcenet hat mit »Blast. Pourvu que les Bouddhistes se trompent« in Frankreich den vierten und letzten Teil seines Meisterwerks vorgelegt. Er lüftet die Geheimnisse im Fall Polca Mancini und vollendet sein Werk spektakulär.

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Glücklich eine Szene, die solche Künstler hat

Ulli Lust und Reinhard Kleist waren in diesem Jahr mit den englischsprachigen Ausgaben ihrer Comics »Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens« und »Der Boxer« für die drei wichtigsten US-Comicpreise nominiert. Auch wenn sie am Ende leer ausgingen, sind sie die deutschsprachigen Comiczeichner der Stunde.

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Total normale Absurditäten

Die amerikanische Schriftstellerin Lydia Davis gehört zu den besten Erzählern ihrer Generation. Im vergangenen Jahr hat sie den Man Booker International Prize für ihr Lebenswerk erhalten. Mit »Kanns nicht und wills nicht« liegen nun ihre neuen Erzählungen vor.

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Das macht man nicht!

Über die moralischen Anforderungen eines Amtes oder: Warum Katharina Blum mehr Ehre besitzt als unsere verfehlten Spitzenkräfte. Der britische Philosoph Kwame Anthony Appiah erklärt es in seinem klugen Essay »Eine Frage der Ehre oder Wie es zu moralischen Revolutionen kommt«.