Ulkige Wissenschaft

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Drei eigensinnige Wissenschaftler aus Österreich rollen als Science Busters die Slam-Szene auf. Der Band »Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln« versammelt einige ihrer spektakulärsten Untersuchungsergebnisse.

Stellen Sie sich vor, Sie würden vor die Wahl gestellt, was wären Sie lieber: ein Seehase, ein Wasserbär oder ein Wurmgrunzer? Wasserbär, meinen Sie, klingt gut? Nun ja, Sie wussten, dass diese auch »Moosferkel« genannten und an Staubmilben erinnernden Kleinstlebewesen mitunter für Jahrhunderte in Tiefschlaf fallen, um dann, auferstanden von den Scheintoten, nichts anderes zu tun, als sich zu vermehren? Als Wasserbär stecken Sie die gemeine Kakerlake was die Widerstandsfähigkeit betrifft, aber auch optisch, in den Sack.

Wie bitte? Sie meinen, Seehase fanden Sie ohnehin attraktiver, wegen Sonne, Strand und, hüstel, den Seehäschen? Vielleicht überlegen Sie sich auch das noch einmal und nehmen besser Abstand davon. Diese fast zwei Meter große Schneckenart dient der Wissenschaft. Im übertragenen Sinn nimmt man diesem »Häschen« die Schädeldecke ab und schaut ihm aufs Gehirn. Besser gesagt: Am kalifornischen Seehasen untersucht man, was während des Lernens in den Neuronen passiert. Denn dieses Tierchen hat nur wenige davon. Der Wissenschaftler Eric Kandel hat herausgefunden, dass diese Schnecke mäßig lernt, wenn man sie sanft streichelt, was ihm den Nobelpreis, dem vorliegenden Buch den Titel und der Schnecke eine verhaltene Bekanntheit eingetragen hat – was, nebenbei bemerkt, auch Ihre Wahl der Seehasenidentität erklärt.

Wie meinen? Sie würden dann doch, trotz anfänglicher Skepsis, zum Wurmgrunzer tendieren? Ob dies eine gute Idee ist, lesen Sie am besten selbst in Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln nach, dem spektakulärsten und komischsten, was die Wissenschaftsbibliothek derzeit zu bieten hat.

Unter dem Motto Science Busters beweisen Martin Puntigam, Heinz Oberhummer und Werner Gruber als Triumvirat der fröhlichen Wissenschaft unter anderem, dass Jesus dank Speisestärke über Wasser gehen kann (nur nicht stehen bleiben), die Beladung der Arche Noah selbst bei optimistischster Schätzung 578 Tage in Anspruch genom­men und der Mensch vor 100.000 Jahren schon einmal fast sein Armageddon erlebt hätte. Prusten, Lachen und Staunen sind bei diesem Feuerwerk angewandter Wissenschaft für jedem Leser garantiert.

Buch_Cover_Ausdruck.inddWerner Gruber, Heinz Oberhummer, Martin Puntigam: Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln. Was wir von Tieren über Physik lernen können

Hanser Fachverlag 2012

296 Seiten. 19,90 Euro

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