Filmisches Manifest gegen die Diskriminierung

Nazif Mujic spielt sich in »An Episode in the Life of an Iron Picker selbst« | © Danis Tanović

Das Roma-Drama »An Episode in the Life of an Iron Picker« des bosnischen Oscar-Preisträgers Boris Tanovic wurde bei der 63. Berlinale mit zwei Silbernen Bären ausgezeichnet. Tanovic erhielt den Großen Preis der Jury, sein Hauptdarsteller Nazif Mujic wurde als bester Darsteller geehrt.

Den Lebensunterhalt seiner vierköpfigen Familie verdient Nazif mit dem Handel von Schrott, indem er Autos mit Hammer und Axt zerlegt und diese dann in Einzelteilen an Schrotthändler verkauft. Zu jeder Jahreszeit ein Knochenjob, wie Boris Tanovic in eindrucksvollen Bildern zeigt. Nazifs Frau Senada erwartet das dritte Kind, doch unter dem Joch der Armut verliert sie es im fünften Monat. Es ist der Anfang der ergreifenden Geschichte der Roma-Familie von Nazif und Senada, die Boris Tanovic in An Episode in the Life of an Iron Picker erzählt. Sie handelt von den bitterarmen und harten Verhältnissen, in denen sie leben, und von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.

Als Nazif und Senada im lokalen Krankenhaus ankommen, stellt man dort nur noch fest, dass eine Totgeburt eingeleitet werden muss. Man schickt sie in die städtische Klinik, aber allein dorthin zu kommen, ist schon eine Herausforderung für die junge Familie. Weil Senada keine Krankenversicherung besitzt, lehnt man die dringend benötigte Behandlung dort jedoch ab. Nazif soll 500 Euro zahlen, sonst werde man Senada nicht helfen, sagt ihm der zuständige Arzt. Dieses Geld hat die Familie aber nicht. Weder mit dem Einsammeln von Schrott noch dem Zerlegen des familieneigenen Wagens ist der Betrag annähernd aufzubringen. Während sich seine Frau in Schmerzen windet, lässt Nazif dennoch nichts unversucht, um seiner Frau zu helfen. Als nicht einmal eine Hilfsorganisation für Roma-Frauen Rat weiß (was allerdings ziemlich unglaubwürdig erscheint), hilft nur noch der »Betrug« mit einer fremden Versicherungskarte in einer anderen Klinik.

An Episode in the Life of an Iron Picker ist eine eindringliche Erzählung von Diskriminierung und gesellschaftlicher Ignoranz. Fassungslos sieht man dabei zu, wie Nazif und Senada – beides Laienschauspieler, die ihre eigene Geschichte erzählen – immer wieder gegen die unüberwindbaren Mauern der Roma-Diskriminierung laufen. Ihre Ausweglosigkeit ergibt sich aus der Identität, die ihnen zugeschrieben wird. Hauptdarsteller Nazif Mujic appellierte auf der Pressekonferenz zum Film an die Gleichheit der Menschen. Man dürfe nicht auf die Nationalität, den religiösen Hintergrund und die Hautfarbe schauen, wenn es darum geht, jemandem in Not zu helfen. »Wenn jemand in ein Krankenhaus kommt und verletzt ist, also blutet, dann sind wir doch alle gleich, dann muss einem Menschen doch geholfen werden«. Eine starke Aussage eines starken Darstellers in einem politisch bemerkenswerten Film, der für sich steht. Vergleicht man ihn allerdings mit dem im vergangenen Jahr ausgezeichneten ungarischen Roma-Drama Nur der Wind von Bence Fliegauf, dann kann er mit diesem nicht ganz mithalten.