Berlinale Bites: No Humans Land

No-Man's-Land

Der chinesische Regisseur Ning Hao erzählt in seinem Eastern »Wu Ren Qu« actionreich von dem Spießrutenlauf eines Anwalts mitten in der nordchinesischen Wüste. Eine Lehrstunde über den Unterschied zwischen Mensch und Tier.

»Das ist eine Geschichte über Tiere«, heißt es zu Beginn des Films Wu Ren Qu (engl. No Man’s Land), dem dritten chinesischen Beitrag im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Während der Erzähler eine Geschichte über die gemeinschaftliche Birnenernte von Affen erzählt, fährt die Kamera über eine öde Wüstenlandschaft. Bis sie einen Falken auf Beutezug einfängt. Der Falke sieht sein Opfer, stürzt auf es herab, die Falle schnappt zu. Der Wilderer wird ertappt, es kommt zum Prozess.

Für den reist der erfolgreiche Anwalt Pan Xiao (Xu Zheng) in die abgelegene nordchinesische Provinz und haut seinen üblen Mandanten (Duo Bujie) wegen Mangel an Beweisen raus. Als Garantie auf sein Honorar überlässt ihm der finstere Gangster sein Auto. Als sich Pan Xiao auf den Rückweg durch die endlose Wüste macht, ist der Komplize des Wilderers längst informiert, ihn aufzuhalten, denn im Auto befindet sich eine wertvolle Fracht.

Ning Hao, der mit seinem Film Mongolian Ping Pong 2005 Gast bei der Berlinale war, hat mit Wu Ren Qu einen klassischen Eastern vorgelegt. Mit von dramatischer Western-Musik unterlegten langsamen Kamerafahrten schafft er Suspense, Anlehnungen an Enrico Morricones Spiel mir das Lied vom Tod sind zu erkennen. Die Wüstenlandschaft Nordchinas, in der die Geschichte verortet ist, eignet sich bestens für das Genre, sie ist das asiatische Pendant zum wilden Westen der USA. Diese karge Landschaft trennt den von sich eingenommenen Rechtsanwalt von der Welt, in der er seine Trümpfe ausspielen kann. Als er den Schlagbaum der Kleinstadt hinter sich lässt, in der der Prozess stattgefunden hat, lässt er auch jede Zivilisation hinter sich.

»Nicht immer passieren guten Menschen auch gute Sachen.« An dieser Weisheit ist etwas dran, wie Pan Xiao im Laufe seines gut zwei Stunden dauernden Spießrutenlaufes feststellen muss. Wenngleich zweifelhaft ist, ob er ein guter Mensch ist. Ihm begegnen auf seinem langen Weg durch die Wüste skrupellose Handlanger, windige Abzocker und knallharte Ganoven, für die eine Grundregel gilt: Jeder ist sich selbst der Nächste.

Erzählerisch fragwürdig ist, dass der mit allen Wassern gewaschene Rechtsanwalt keinerlei Verständnis für die Funktionalitäten der Unterwelt hat – weshalb er von einem Problem ins nächste taumelt. Erst lässt er sich von zwei Benzinschmugglern den Schneid abkaufen, dann überfährt er den Komplizen des Wilderers, um sich kurz darauf von einem Tankwart übers Ohr hauen zu lassen. Schließlich wird er auch die dreiste Prostituierte Jiaojiao (Yu Nan) nicht los. Später wird sie zur letzten Seele, die er in dieser Ödnis zu retten bereit ist.

In dem dritten chinesischen Wettbewerbsbeitrag geht es überaus actionreich zu. Blutige Prügeleien, rasante Verfolgungsjagden und gigantische Explosionen wechseln sich ab, eine überdimensioniert große Knarre spielt noch eine hübsche Nebenrolle. Kurz vor dem Ende dieses Jeder-frisst-Jeden-Streifens wird das Zitat des Westerns überdehnt. Pan Xiao sattelt, ausgestattet mit GPS-Gerät, sein Pferd und bricht auf zu einem letzten Befreiungsschlag.

Hier geht es zu den Vorstellungen auf der 64. Berlinale