Sinnlichkeit statt Sinn

Nominierungen_Sachbuch

Und so steht man nach mehreren Tausend Seiten Lektüre ein wenig müde vor den fünf Büchern und fragt sich, welches Buch denn den Leipziger Buchpreis 2016 verdient hätte. Man weiß eher, welches nicht. Unter den verbliebenen könnte man das eine oder andere Buch mit gutem Gewissen prämieren. Sie weisen uns in einem Jahr 2016, das nur drei Monate brauchte, um zum wildesten und chaotischsten Jahr des letzten Vierteljahrhunderts zu werden, aber keine Wege, die Unsicherheiten und Unordnungen der Welt wegweisend einzuordnen.

Die aktuelle Auswahl zeugt von intellektueller Weltflucht in Vergangenheit und Ästhetik. Sinnlichkeit statt Sinn. Man wünscht sich der Jury des Jahres 2017 schon heute ein besseres Händchen für die Auswahl, denn es ist nicht zu erwarten, dass sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, Europa und der Welt künftig derart verändern, als dass sie sich selbst erklären.

Ein Buchpreis für Essayistik und Sachbuch sollte an ein Buch gehen, dass den Lesern die Welt näherbringt und verständlicher macht. Ob durch politische, historische oder ästhetische Konzepte, spielt dabei keine Rolle, ob durch den Blick zurück oder den nach vorn ebenso wenig. Wenn aber dieser Preis an ein Buch geht, das dazu beiträgt, den Wirklichkeiten der Welt zu entfliehen, dann ist das in einer Zeit, in der das Wegschauen und Ignorieren zum politischen und gesellschaftlichen Überlebensprinzip erhoben wird, alles andere als ein gutes Zeichen.