Die Wundertüte der Literatur

Übersetzertitel

Am wahrscheinlichsten ist eine echte Übersetzungskritik bei Frank Heiberts Übertragung von Richard Fords Roman Frank möglich, denn diese ist aus dem Englischen erfolgt. Der Berliner Übersetzer ist damit bereits zum zweiten Mal mit einem Roman des Amerikaners nominiert, 2008 war er mit dem fast 800 Seiten zählenden Vorgänger Die Lage des Landes nominiert.

Richard Ford: Ford. Aus dem Englischen von Frank Heibert. Hanser Verlag 2015. 224 Seiten. 19,90 Euro.

Richard Ford: Ford. Aus dem Englischen von Frank Heibert. Hanser Verlag 2015. 224 Seiten. 19,90 Euro.

Nun also Frank, und schon am Titel sieht man, dass Heibert nicht den gleichen Fehler gemacht hat, wie man ihn Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld oder ihrem Verlag ankreiden muss, die Jonathan Franzens Roman Purity mit Unschuld übersetzt und damit die Doppelbedeutung des Titels als Namen der Hauptfigur sowie des Themas des Romans aufgehoben haben.

Heibert belässt es bei Frank (was aufgrund der Geläufigkeit des Namens im deutschen Sprachraum zudem einfacher ist), denn Richard Ford hat für den Roman seine berühmteste Figur Frank Bascombe (Der Sportreporter, Unabhängigkeitstag, Die Lage des Landes) wieder hervorgeholt. Er konfrontiert ihn nach dem Hurrikan Sandy mit dem Chaos, das der Sturm hinterlassen hat, und lässt ihn vor dieser Kulisse auf die Verwüstungen in seinem Leben blicken. So wird die Trümmerlandschaft zum Ausgangspunkt eines Rückblicks, in dem sich der Zeit- und Weltenwandel spiegelt.

Heiberts Text zieht den Leser in sich hinein und lässt ihn nicht mehr los. Schon auf der ersten Seite des Romans wird deutlich, dass es der Berliner Sprachjongleur, der aus insgesamt fünf Sprachen übersetzt, nicht bei einem einfachen oder schnörkellosen Ton lassen will. Da zaust die Winterbrise durch das Haar des Helden, während die Dollars an der Zapfsäule »wegklackern«. Wie mitreißend schön allein dieses Verb, dass ein vergessenes Geräusch in Erinnerung ruft und so beiträgt, um diesen Roman nicht so schnell aus der Hand zu legen. Später wird man auf Sätze stoßen, in denen Heibert die Ford’sche Sprachökonomie wunderbar ins Deutsche gehoben hat. Etwa wenn einer von Frank Bascombes Figuren vor seinem vom Hurrikan zerstörten Haus steht und feststellt »Er hat seinen Ruin und seine Ruine lang genug angestarrt.«

Ein Gedanke zu “Die Wundertüte der Literatur

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