24 Wochen | 24 Weeks | © Friede Clausz

Wenn das Herz zerreißt

Der einzige deutsche Beitrag bei der 66. Berlinale polarisiert, weil er die Abtreibungsdebatte dem gesellschaftlichen Diskurs entzieht und sie dorthin führt, wo sie hingehört: auf die individuelle Ebene. Anne Zohra Berracheds Familiendrama »24 Wochen« wird aller Voraussicht nach der meistdiskutierte Film des Festivals werden.

Barakah yoqabil Barakah | Barakah Meets Barakah | © El-Housh Productions

Shakespeare in Dschidda

Systemkritik geht auch anders, wie die saudi-arabische Romance-Satire »Barakah Meets Barakah« beweist. Der Film ist eine der kleinen Perlen, die man auf der diesjährigen Berlinale entdecken kann.

Fuocoammare | Fire at Sea

Europas träges Auge

Es ist nicht so, als wäre die Flüchtlingssituation bislang nicht auf der Berlinale wahrnehmbar gewesen. George Clooneey traf sich sogar eigens mit Angela Merkel zum Refugee-Talk. Mit Gianfranco Rosis erschütternd-anrührendem Dokumentarfilm »Fuocoammare« ist das Thema nun unmittelbar ins Zentrum dieses noch jungen Festivals gerückt. Außerdem mussten sich am zweiten Wettbewerbstag die Französin Isabel Huppert als Lehrerin neu…

Inhebbek Hedi | Hedi | Frederic Noirhomme © NOMADIS IMAGES-LES FILMS DU FLEUVE–TANIT FILMS

Die Sache mit dem Glück

Die Berlinale sucht in diesem Jahr energisch nach dem Recht auf Glück, das in der Familie gehört vermeintlich selbstverständlich dazu. Wie die Filme am ersten wirklichen Wettbewerbstag gezeigt haben, ist das mit dem Recht auf Glück und Liebe in der Familie aber doch etwas komplizierter.

Ja-Olga-Hepnarova-1

Letzte Ausfahrt Rache

Wie viel Verantwortung hat eine Gesellschaft für das Glück und Unglück des Einzelnen? Diese Frage steht nicht nur im Zentrum der diesjährigen Berlinale, sondern auch des Auftaktfilms der Sektion Panorama »Já, Olga Hepnarová« (I, Olga Hepnarova) von Petr Kazda und Tomas Weinreb.

Alone in Berlin | Jeder stirbt für sich allein | Marcel Hartmann © X Filme Creative Pool

Literarisches bei der 66. Berlinale

Wir haben uns durch die Sektionen gewühlt und spannende Literaturadaptionen sowie Autorenporträts entdeckt. Von Emily Dickinson über Hans Fallada bis hin zu Philip Roth – Bücherwürmer finden auch in diesem Jahr ihre Lieblingsstoffe, adaptiert für die große Leinwand.

Still of Josh Brolin, Benicio Del Toro and Emily Blunt in Sicario (2015) | Photo by Richard Foreman, Jr. - © 2015 - Lionsgate

Im Land der Wölfe

Emily Blunt steht in Denis Villeneuves »Sicario« Schmiere, während sich Josh Brolin und Benicio Del Toro die Gesetzlosigkeit des panamerikanischen Drogenkrieges zu Eigen machen. Erzählerisch ist Villeneuves actiongeladener Drogenthriller unspektakulär, bildsprachlich hingegen großes Kino.

X-Verleih (Warner)

Generation der verlorenen Seelen

Henri Steinmetz wagt in »Uns geht es gut« viel und scheitert zum Teil grandios. Darin führt der vielversprechendste deutsche Nachwuchsschauspieler Franz Rogowski als Mephisto eine Gang verwöhnter Gören an, die in einer künstlichen Gegenwart alles zur hedonistischen Spielerei macht.

Ein Kino in der nordsyrischen Stadt Aleppo  im Oktober 2010

Berlinale legt Schwerpunkt auf das Kino im Nahen Osten

Das politischste aller Filmfestivals macht sich auch in diesem Jahr auf die Suche nach der Realität im internationalen Filmgeschäft. Die Berlinale erkundet das »Recht auf Glück«, beobachtet die weltweiten Flüchtlingsströme und schaut auf das Kino im Nahen Osten. In zwei Mammutvorführungen wird das Sitzfleisch des Publikums besonders auf die Probe gestellt.

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Totgeglaubte leben länger

Leonardo Di Caprio kämpft sich in Alejandro González Iñárritus »The Revenant – Der Rückkehrer« als schwerverletzter »lonesome cowboy« durch die Rocky Mountains. Der bislang härteste Film des amerikanischen Schauspielers ist zugleich der schwächste des mexikanischen Regisseurs.

Jacques Audiard | © Weltkino

Die Last des Kriegers

Sie fliehen vor dem einen Krieg und finden sich in einem wieder. Jacques Audiard erzählt in seinem ausgezeichneten Sozialdrama »Dämonen und Wunder« vom Kampf um Anstand und Würde.

© Lucasfilm

Museumsführung mit Han Solo

Mit »Lost« und »Felicity« hat J.J. Abrams zwei der erfolgreichsten Serienhits der vergangenen Jahre geschrieben. Nun hat er George Lucas Sternenkriegssaga fortgeschrieben. »Star Wars. Das Erwachen der Macht« ist ein solider Han-Solo-Retro-Film, der dank einer gigantischen Werbemaschine sein Geld bereits eingespielt hat. Cineastisch ist er eher eine Enttäuschung, bei den Nominierungen für die Golden Globes 2016…

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»I had sex today… Holy shit!«

Das Regiedebüt der US-Amerikanerin Marielle Heller »The Diary of a Teenage Girl« ist ein faszinierend lockerer und zugleich verstörender Coming-of-Age-Film, der vom sexuellen Erwachen eines jungen Mädchens im San Francisco der siebziger Jahre erzählt. Die britische Schauspielerin Bel Powley glänzt in der Rolle der rebellisch-reflektierten Tagebuchautorin Minnie Goetze.

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Das perfide System der Kirche

Gibt es für die katholische Kirche einen richtigen Umgang mit den Missbräuchen Minderjähriger? Ist jede Schuld sühnbar? Diese Fragen stellt der chilenische Regisseur Pablo Larraín in seinem mit einem Silbernen Bären ausgezeichneten Thriller »El Club«. 

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So nah ist die Welt

Das 15. Internationalen Literaturfestival Berlin zeigt sich traditionell politisch und rückt die Situation der Flüchtlinge in den Mittelpunkt. Die Künstler Jakob Preuss, Jenny Erpenbeck und Ashur Etwebi diskutierten über die europäische Einwanderungspolitik und rückten die Schicksale der Schutzsuchenden in den Mittelpunkt.

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Schule des Lebens für den Araber von morgen

Riad Sattouf, langjähriger Zeichner von »Charlie Hebdo«, gewann wenige Wochen nach dem Attentat auf die Redaktion des französischen Satiremagazins den wichtigsten europäischen Comicpreis. Der erste Teil der Erinnerungen an seine Kindheit im Nahen Osten »L’Arabe du futur« (dt. »Der Araber von morgen«) erhielt den großen Preis von Angoulême. Vor wenigen Wochen ist der zweite Teil…

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Blut zwischen den Zähnen

Produziert von den Machern von »Oldboy« und »Snowpiercer« prangt auf der Hülle des südkoreanischen Hardboiled-Films »The Target«. Der Vergleich mit diesen Meisterwerken hinkt gewaltig, denn der Politthriller ist nicht mehr als ein einfallsloses Remake eines ordentlichen französischen Actionfilms.