Nominierungen_Literatur

Literatur, lass es krachen

Die Welt ist am Ende, es lebe die Literatur. Es ist nicht das schlechteste Zeichen, wenn die nominierten Titel für den Literaturpreis der Leipziger Buchmesse literarisch etwas wagen. Dabei entführen sie nach Norddeutschland, in den wilden Osten oder in die weite Welt, schwanken zwischen Milieustudie, postmoderner Odyssee, Weltminiatur und regionaler Geschichtsschreibung. Neben vier bemerkenswerten Titeln gibt…

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Berliner Literatur(t)räume

Das Literaturjahr 2015 hat gezeigt, dass Berliner Autoren erfolgreicher schreiben, als die Hauptstadtclubs Fußball spielen. Ob das Literaturjahr 2016 mithalten kann, bleibt abzuwarten, aber es gibt einiges, worauf man sich freuen kann. Das Schöne daran: der besonderen Provinzialität von Berlin wird schreibend definitiv ein Ende gemacht wird.

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Die Gemeinschaft ist eine Utopie

Anke Stellings Roman »Bodentiefe Fenster« stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und auf der Hotlist des Preises der unabhängigen Verlage. Ausgezeichnet wurde der Roman schließlich mit dem Melusine-Huss-Preis. Die Wohlstandsgesellin Sandra erzählt darin ebenso ermattet wie sarkastisch von ihrem Alltag in einem offenen Wohnprojekt und davon, wie der Lebensauftrag ihrer Eltern, die Welt…

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Witzel in der Maschine

Vor zwei Wochen wurde Frank Witzels kühner Roman »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969« als bester deutschsprachiger Roman des Jahres ausgezeichnet. Seither läuft die Buchpreis-Maschine auf Hochtouren, man hört von weiteren Auflagen, Hörbuch, Taschenbuch, Auslandslizenzen und schauspielerische Inszenierungen.

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»Grazwurzelrevolution« mit Heißluftballon

Einmal mehr scheint das österreichische Wunderkind Clemens J. Setz einer der Favoriten auf den Deutschen Buchpreis zu sein. Sein neuer Roman ist ein grenzenloses Spiel mit den Ebenen, ein sprachliches Meisterwerk und eine Lehre der Weltanschauung, in der alles mit allem zusammenhängt. »Die Stunde zwischen Frau und Gitarre« ist eine »Grazwurzelrevolution« der Literatur.

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Dem Alles auf der Spur

Es geht neben vielen anderen Dingen um das Risiko rollender Walkadaver, die artgerechte Haltung von Fahrzeugen und die schreckliche Unglaubwürdigkeit der Wahrheit. Heinrich Steinfests »Der Allesforscher« ist ein vergnüglicher Unterhaltungsroman, in dem sich der Erzähler im Chaos der Globalisierung zu behaupten versucht.

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Lutz Seiler gewinnt Deutschen Buchpreis

Mit seinem Aussteiger-Roman »Kruso« hat Lutz Seiler gleich den wichtigsten deutschen Literaturpreis gewonnen. Seine Laudatio wurde dann »ein großer Bahnhof« für diejenigen, die hinter dem Roman stehen, und einen prominent ignorierten Teil der Literatur.

Foto: wikimedia commons

Willkommen im Prekariat

Zwei Romane hat Thomas Melle bislang geschrieben, zwei Mal landete er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Sein in diesem Jahr nominierter Roman »3000 Euro« erzählt von den Sorgen einer alleinerziehenden Mutter und eines obdachlosen Ex-Juristen.

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Das Wettlesen kann beginnen

Die 20 Romane, die auf der Frankfurter Buchmesse als bester deutschsprachiger Roman 2014 ausgezeichnet werden können, sind nominiert. Neben einigen zu erwartenden Nominierungen gibt es auch einige Überraschungen. Andere Romane werden hingegen schmerzlich vermisst.

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»Und der Welt? Wer vergibt der Welt?«

Der Schriftsteller und Weltenbummler Ilija Trojanow hat mit »Wo Orpheus begraben« liegt eine Hommage an sein Herkunftsland Bulgarien geschrieben, in dem er die Mythen, die über das Schwarze Meer und den Balkan ziehen, mit den Geschichten der Bewohner dieser Region verbunden hat. Illustriert sind Trojanows Erzählungen mit quasi-dokumentarischen Fotografien von Christian Muhrbeck.

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Zwischen Grevesmühlen und New York liegt die Südsee

»Die Südsee ist einigermaßen versaut worden, es muss einmal gesagt sein. Schuld haben die Missionare. Nirgendwo auf der Welt, in keinem noch so gottverlassenen Winkel, tragen sich die Damen so hochgeschlossen, so total bedeckt, wie hier, in den einstigen Paradiesen der Bounty und der Seahawk.« Wo, wenn nicht in der Südsee, verstecken sich die Robinsons…

Steppe an der georgischen Grenze zu Armenien

»Muhd. Disorda« oder: Schwache Nerven

Darius Kopp verliert seinen Job, dann seine Frau und hin ist sie, die vermeintliche Sicherheit. Kopp lässt alles stehen und liegen und reist – den Karton mit der Urne seiner Frau unterm Arm – nach Osteuropa. Eine in Stil und Form verrückte Geschichte, für die Terézia Mora den Deutschen Buchpreis erhielt.

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Eine falsche Vorstellung vom Gesetz

Ursula Krechel lässt in »Landgericht« einen ins Exil geflohenen jüdischen Juristen zurückkehren in das Land der Täter. Noch nie wurde der beschämende Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte derart akribisch und sprachgewandt seziert, wie in Krechels völlig zu Recht ausgezeichneten Roman.

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Mangelnde Begabung zur Unbeschwertheit

Für seinen Erstlingsroman »Grenzgang« wurde Stephan Thome vor drei Jahren mit Lorbeeren überschüttet. Der Roman gelangte bis auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Auch sein zweiter Roman »Fliehkräfte« hat es auf die Liste der Top-Anwärter für den Deutschen Buchpreis geschafft. Aber warum?

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Eine typografisch-sprachliche Spielerei zum Verlieben

Wolf Haas liebt es, mit der Sprache zu spielen. In seinen mehrfach preisgekrönten Brenner-Krimis bewies er eindrucksvoll, dass allein das sichere Beherrschen eines Dialekts romanhafte Qualitäten haben kann. In seinem aktuellen Roman »Verteidigung der Missionarsstellung« zeigt der Österreicher, dass er nicht nur mit Sprache zu spielen in der Lage ist, sondern auch mit dem Text als solchem.