Film

Berlinale 2026: Dao

Mike Etienne, D’Johé Kouadio in »Dao« von Alain Gomis | © 2026 – Les Films du Worso – Srab Films – Yennenga Productions – Nafi Films – Telecine Bissau Produções – Canal+ Afrique

Eine Hochzeit und ein Todesfall führen in Alain Gomis »Dao« zu einem Reigen aus Liebe, Leben, Sterben und Trauer zwischen Frankreich und Guinea-Bissau.

Es mutet seltsam an, aber Alain Gomis‘ neuer Film beginnt mit dem Casting des Personals, dem man in seiner dreistündigen Fake-Dokumentation folgt. Zusammengestellt wird das Personal für zwei Familienfeiern, deren Anlässe unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine stellt die Hochzeit der Tochter von Gloria dar, die auf einem pompösen Anwesen in Frankreich mit hunderten Gästen begangen wird. Der andere die Trauerfeier für ihren Vater in ihrem Heimatdorf in Guinea-Bissau, wo der verstorbene Louis (oder Luiz, wie es auf den eigens gedruckten T-Shirts zur Zeremonie heißt) irgendwie das Familienoberhaupt von allen ist. 

Alain Gomis ist kein Neuling im Wettbewerb der Berlinale. Zuletzt präsentierte der französisch-senegalesische Filmemacher sein Drama »Felicité«.

Für die Hochzeit, die, glaubt man den wenigen Informationen, die Gomis zu den Umständen bietet, zwei Jahre vor der Trauerfeier stattfindet, braucht es eine »echte falsche Familie«, wie es beim Casting heißt. Bei weitem nicht alle, aber einige begegnet man auf beiden Familienfeiern. Sie bilden eine Art figurativen roten Faden, die die beiden Teile des Films, zwischen denen der Film hin- und herblendet zusammenhalten.

Dabei nimmt sich »Dao« immer wieder die Freiheit, in Vignetten die echten und fiktiven Geschichten einiger Akteure und ihrer Figuren zu vertiefen. So entsteht ein Mosaik des afrikanischen Lebens in der Diaspora und in der Provinz von Guinea-Bissau. Dabei treten nicht nur die offensichtlichen Unterschiede – in Frankreich die pompöse Hochzeitsfeier, in Guinea-Bissau die animistische Geisterbeschwörung – zutage, sondern auch die Gemeinsamkeiten, wenn Großfamilien existenzielle Momente teilen.

Wie Gomis den lebhaften Ameisenhaufen aus Dutzenden professionellen und Laienschauspielern zu diesem wunderbar harmonisch-disharmonischen Miteinander geführt hat, weiß wohl nur er selbst. Aber es ist überraschend faszinierend, dem Wechsel von Euphorie und Tiefgang, von ausgelassenem Laissez-Faire und würdevoller Besinnlichkeit zu folgen. Von Rausch zu sprechen, wäre zu viel, aber es hat etwas Magnetisches, sich dem Kreislauf des Lebens, dem »Dao« hinzugeben.