Alle Artikel in: Literatur

© Thomas Hummitzsch

Blaue Flecken oder: Der Schnee von heute

»Ich frage mich manchmal, ob unser Leben anders wäre, lebten wir in runden Häusern, verschickten wir runde Kisten und läsen runde Bücher«, schreibt die Dichterin und Übersetzerin Volha Hapeyeva in ihrem »Wörterbuch einer Nomadin«. In zwölf seit dem Herbst 2020 entstandenen Essays wirft sie die grundsätzliche Frage nach der Sprache und ihrer Bedeutung für das Sein abseits der festgefahrenen Ordnungen auf.

© The Booker Prizes

Taiwanesischer Roman gewinnt International Booker Prize 2026

2024 wurde Jenny Erpenbecks Roman »Kairos« in der Übersetzung von Michael Hofmann mit dem International Booker Prize ausgezeichnet. Mit den Übersetzungen der Romane Lichtspiel von Daniel Kehlmanns und Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar standen in diesem Jahr gleich zwei deutschsprachige Autor:innen auf der sechs Bücher zählenden Shortlist des International Booker Prize. Ausgezeichnet wurde jedoch keine Übersetzung aus dem Deutschen, sondern der Roman »Taiwan Travelogue« von Yáng Shuāng-zǐ in der Übersetzung der amerikanisch-taiwanesischen Autorin Lin King. Die deutsche Übersetzung erscheint voraussichtlich 2027 im Dumont-Verlag.

© Thomas Hummitzsch

Literarische Diamanten

Short Stories beziehungsweise Kurzgeschichten sind wie Diamanten. Umso seltsamer, dass sie sich auf dem deutschen Buchmarkt nicht durchsetzen. Dabei konzentrieren sie das Grandiose der Literatur auf kleinem Raum, wie dieses Dutzend aktueller Erzählbände und Kurzgeschichtensammlungen beweist.

© Thomas Hummitzsch

Im Labyrinth eines Verbrechens

Nach dem Welterfolg von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist es um den irischen Autor John Boyne ruhiger geworden. Nach der Fortsetzung seines Bestsellers mit »Als die Welt zerbrach« ist nun sein Elemente-Quartett erschienen, eine Romanreihe über Missbrauch, Schuld und Heilung.

© Thomas Hummitzsch

Babylon Hamburg

Anja Kampmann entfaltet in ihrem sprachgewaltigen und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman «Die Wut ist ein heller Stern» in kurzen Szenen die Geschichte einer Artistin, die im roten Hamburg den Aufstieg der Nazis erlebt. Lyrisch verdichtet und rhythmisch versiert führt Kampmann das Abrutschen einer Gesellschaft in den Faschismus vor Augen.

© Thomas Hummitzsch

Heilige Kollisionen

Dorothee Elmigers Roman »Die Holländerinnen« war der meist diskutierte, meist gelobte, meist nominierte und meist ausgezeichnete Roman des vergangenen Jahres. In einer Woche hält Elmiger ihre Antrittsvorlesung an der Universität Bonn, wo sie in diesem Jahr die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW innehat. Ein guter Grund, noch einmal den Blick in die Echoräume hinter den Zeilen ihres ausgezeichneten Romans zu werfen.

© Thomas Hummitzsch

Das Gewicht der Performance

Mit der Neuübersetzung des »Decameron« von Luis Ruby und der Erstübersetzung der »Filocolo«-Legende von Moritz Rauchhaus sind zum 650. Todestag von Giovanni Boccaccio zwei zentrale Werke des italienischen Renaissance-Schriftstellers erschienen. Boccaccios Zeit begegnet einem in beiden Werken, seine verspielte Sprache nur im »Decameron«.

© Thomas Hummitzsch

Innere Verhärtungen

Der dritte Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 2021 Nava Ebrahimi führt Leser:innen in die fiktive Kleinstadt Lasseren im niedersächsischen Emsland. »Und Federn überall« ist ein großer Gegenwartsroman, in dem der Alltag von sechs Figuren aufeinanderprallen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

© Thomas Hummitzsch

Apokalypse am Arsch der Welt

Ken Kesey ist eine Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Als literarischer Rebell und idealistischer Hippie wandte er sich schreibend gegen die Unterdrückung des Individuums und die Unterwerfung der Natur. Mit dreißigjähriger Verspätung liegt nun endlich sein letzter Roman »Seemannslied« vor, der vulgäre Gesellschaftssatire, packende Endzeiterzählung und mahnende Climate Fiction verbindet. Milena Adam hat ihn spektakulär ins Deutsche gebracht.

© Thomas Hummitzsch

Die Gewalt im System

Ein Blick in die Gegenwartsliteratur zeigt, wie Frauen von Erwartungsdruck, Ausbeutungsfantasien und sexualisierter Gewalt an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus getrieben werden. Literatur, die weibliche Lebenswelten präsentiert, ist vielfältig und lesenswert. Wer sie betritt, begibt sich nicht selten in die Gefahrenzone der Töchter dieses Landes.

Einsam am Klavier

1985 nimmt sich eine junge Pianistin in Neubrandenburg das Leben. Wenige Jahre zuvor hat sie noch internationale Preise gewonnen. Helene Bukowski nähert sich dieser Frau als guter Geist in Kreisen an, um dem Geheimnis dieses viel zu kurzen Lebens auf die Spur zu kommen.

© Thomas Hummitzsch

Heiliger und Hund

Der Debütroman des Lyrikers und Rassismusexperten Ozan Zakariya Keskinkiliç ist ein rhythmisches Gebet, gewidmet einer längst vergangenen Liebe. Der Held dieses Romans folgt seinem täglichen Begehren und sucht sich selbst zwischen Datingprofilen und Erinnerungen an seine Kindheit.

© Thomas Hummitzsch

Wahrheit über Bord

Katerina Poladjan legt in ihrem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman »Goldstrand« mal eben ein Jahrhundert auf die Couch, um zu fragen, was ein Leben und was Europa ist. Vom ersten Moment an zieht dieser in filmischen Szenen erzählte Roman in seinen Bann.