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Das Gefühl einer Utopie

In Israel wird Ende Oktober ein neues Parlament gewählt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die rechtsextreme Regierung unter Benjamin Netanyahu im Amt bleibt. Der in Berlin lebende Israeli Tomer Dotan-Dreyfus schildert in »Keinheimisch« seine eigenen Beklemmungen gegenüber dem Staat Israel, aber auch seiner Wahlheimat Deutschland. Seine schmerzhafte Selbstbefragung ist eine linke jüdische Intervention, die schonungslos mit jeder selbstgerechten Bequemlichkeit abrechnet. Und mit Joana Osman Raum für positive Perspektiven lässt.

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Miriam Carbe, Marion Kraft und Tupoka Ogette schreiben aus Schwarzer Perspektive deutsche Geschichte | © Thomas Hummitzsch

Eine körperliche Erfahrung

Die deutsche Geschichte scheint auserzählt, dabei gibt es immer noch Perspektiven, die in der etablierten Geschichtsschreibung kaum Platz finden. Mit Marion Kraft, Miriam Carbe und Tupoka Ogette verschaffen sich nun drei Schwarz gelesene Autorinnen aus drei Generationen Gehör, die ausgehend von ihrer (Familien-)Biografie der deutschen Wirklichkeit im 20. Jahrhundert nachgehen. Ihre Texte erzählen vom Alltagsrassismus und seiner folgenschweren Wirkung für Körper und Seele.

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Der indische Poet Jeet Thayil bei seiner cross-artistischen Performance | © ILB 2026, PWS e.V., Foto Phil Dera

Crossartige Eröffnung

Am Donnerstagabend wurde im Haus der Berliner Festspiele das 26. Internationale Literaturfestival eröffnet. Curator in Residence Jeet Thayil faszinierte mit einer Performance über die Bedeutung der Kunst in Krisenzeiten. Über 100 Autor:innen sind in den nächsten zehn Tagen in Berlin zu sehen, unter anderem eine Literaturnobelpreisträgerin und ein Booker-Preisträger.

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Auszug aus Heft 1 von Titus Ackermanns »Was vom Leben übrig bleibt« | Foto: Moga Mobo

Geschichte in Fundstücken

Dass Comics mehr können als Abenteuergeschichten zu erzählen, ist eine Binse. Zu reichhaltig ist die Fülle an Themen, die die neunte Kunst verhandelt. Dass deutsche Comics auch jüngere deutsche Zeitgeschichte nahe bringen können, diesen Beweis treten zwei Werke an, die bei aller Unterschiedlichkeit eines Gemeinsam haben: Sie machen Geschichte über die kleinen Dinge erfahrbar.

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Der Straelener Übersetzerpreis 2026 geht an Christian Hansen für seine Übertragung von César Airas Roman »Der Hase« | © Thomas Hummitzsch

Souverän, verspielt, meisterhaft

Christian Hansen ist einer der besten Übersetzer Deutschlands. Roberto Bolaño, Alan Pauls, Julio Cortázar und César Aira hat er ins Deutsche gebracht. Nun wird seine jüngste Aira-Übertragung mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet und damit endlich auch ein Werk, das seit Jahren preisverdächtig unter dem Radar der großen Übersetzerpreise flog. Der Straelener Förderpreis geht an Wiebke Stoldt, die verblüffend souverän einen portugiesischen Klassiker ins Deutsche gebracht hat.

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© Thomas Hummitzsch

Die Poesie des Überlebens

Timea Tankós brillante Übersetzung von András Viskys Roman »Die Aussiedlung« wurde in diesem Jahr gleich mehrfach ausgezeichnet. Nachdem Sie beim Preis der Leipziger Buchmesse noch leer ausging, wurde sie Anfang Juli gemeinsam mit András Visky mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet. Kurz danach wurde ihr zudem der Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis zugesprochen.

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Deutscher Buchpreis: Longlist ist weiblich und divers

Shida Bazyar, Karosh Taha, Yade Yasemin Önder, Tomer Gardi und Giuliano Musio – das sind nur fünf von zwanzig Namen, die es unter die 20 für den Deutschen Buchpreis nominierten Autor:innen geschafft haben. Die Hälfte der nominierten Autor:innen hat einen migrantischen Hintergrund. Während die Gesellschaft nach rechts driftet, wird in der Literatur Vielfalt sichtbar.

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