Warum Shida Bazyar schon jetzt die Autorin des Jahres ist
Shida Bazyar konkurriert mit ihrem dritten Roman »Die Lücken« um gleich drei renommierte Preise. 2026 ist ihr Jahr, denn auch ihre ersten beiden Romane sorgen für Furore.
Shida Bazyar konkurriert mit ihrem dritten Roman »Die Lücken« um gleich drei renommierte Preise. 2026 ist ihr Jahr, denn auch ihre ersten beiden Romane sorgen für Furore.
Die deutsche Geschichte scheint auserzählt, dabei gibt es immer noch Perspektiven, die in der etablierten Geschichtsschreibung kaum Platz finden. Mit Marion Kraft, Miriam Carbe und Tupoka Ogette verschaffen sich nun drei Schwarz gelesene Autorinnen aus drei Generationen Gehör, die ausgehend von ihrer (Familien-)Biografie der deutschen Wirklichkeit im 20. Jahrhundert nachgehen. Ihre Texte erzählen vom Alltagsrassismus und seiner folgenschweren Wirkung für Körper und Seele.
Christian Hansen ist einer der besten Übersetzer Deutschlands. Roberto Bolaño, Alan Pauls, Julio Cortázar und César Aira hat er ins Deutsche gebracht. Nun wird seine jüngste Aira-Übertragung mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet und damit endlich auch ein Werk, das seit Jahren preisverdächtig unter dem Radar der großen Übersetzerpreise flog. Der Straelener Förderpreis geht an Wiebke Stoldt, die verblüffend souverän einen portugiesischen Klassiker ins Deutsche gebracht hat.
In Zeiten von Netflix & Co. hat der epische Roman an Leserschaft verloren. Die dänischen Autorinnen Solvej Balle und Asta Olivia Nordenhof beweisen mit ihren seriell angelegten Werken, dass weltsprengende Großromane immer noch möglich sind.
Timea Tankós brillante Übersetzung von András Viskys Roman »Die Aussiedlung« wurde in diesem Jahr gleich mehrfach ausgezeichnet. Nachdem Sie beim Preis der Leipziger Buchmesse noch leer ausging, wurde sie Anfang Juli gemeinsam mit András Visky mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet. Kurz danach wurde ihr zudem der Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis zugesprochen.
250 Jahre Amerika bedeutet auch 250 Jahre amerikanische Literatur. In den USA sind in unheimlich viele bedeutungsvolle und bleibende Werke entstanden, in diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, für (fast) jedes Jahrzehnt ein beziehungsweise ab dem 20. Jahrhundert zwei einflussreiche Werke vorzustellen.
Percival Everett hat einen der berühmtesten amerikanischen Romane umgeschrieben. Sein Roman »James« ist ein Geniestreich, in dem er die populäre Geschichte von Huckleberry Finn aus der Perspektive des versklavten Jim erzählt.
Die sechs für den Internationalen Literaturpreis nominierten Romane führen nach Weißrussland, Ungarn, Sri Lanka, in den Iran und Sudan sowie an die europäischen und nordafrikanischen Ränder. Laut Jury erzählen sie alle vom Andauern des Ausnahmezustands.
2024 wurde Jenny Erpenbecks Roman »Kairos« in der Übersetzung von Michael Hofmann mit dem International Booker Prize ausgezeichnet. Mit den Übersetzungen der Romane Lichtspiel von Daniel Kehlmanns und Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar standen in diesem Jahr gleich zwei deutschsprachige Autor:innen auf der sechs Bücher zählenden Shortlist des International Booker Prize. Ausgezeichnet wurde jedoch keine Übersetzung aus dem Deutschen, sondern der Roman »Taiwan Travelogue« von Yáng Shuāng-zǐ in der Übersetzung der amerikanisch-taiwanesischen Autorin Lin King. Die deutsche Übersetzung erscheint voraussichtlich 2027 im Dumont-Verlag.
Nach dem Welterfolg von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist es um den irischen Autor John Boyne ruhiger geworden. Nach der Fortsetzung seines Bestsellers mit »Als die Welt zerbrach« ist nun sein Elemente-Quartett erschienen, eine Romanreihe über Missbrauch, Schuld und Heilung.
Anja Kampmann entfaltet in ihrem sprachgewaltigen und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman «Die Wut ist ein heller Stern» in kurzen Szenen die Geschichte einer Artistin, die im roten Hamburg den Aufstieg der Nazis erlebt. Lyrisch verdichtet und rhythmisch versiert führt Kampmann das Abrutschen einer Gesellschaft in den Faschismus vor Augen.
Dorothee Elmigers Roman »Die Holländerinnen« war der meist diskutierte, meist gelobte, meist nominierte und meist ausgezeichnete Roman des vergangenen Jahres. In einer Woche hält Elmiger ihre Antrittsvorlesung an der Universität Bonn, wo sie in diesem Jahr die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW innehat. Ein guter Grund, noch einmal den Blick in die Echoräume hinter den Zeilen ihres ausgezeichneten Romans zu werfen.
Der dritte Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 2021 Nava Ebrahimi führt Leser:innen in die fiktive Kleinstadt Lasseren im niedersächsischen Emsland. »Und Federn überall« ist ein großer Gegenwartsroman, in dem der Alltag von sechs Figuren aufeinanderprallen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Norbert Gstrein erzählt in seinem für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman von einem Mann, der den Krieg nie gesehen hat und dennoch nicht von ihm loskommt. Die elegante Beiläufigkeit, mit der Gstrein hier durch ein Jahrhundert führt, erinnert an Autoren wie W.G. Sebald, Patrick Modiano oder Joseph Roth.
Ken Kesey ist eine Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Als literarischer Rebell und idealistischer Hippie wandte er sich schreibend gegen die Unterdrückung des Individuums und die Unterwerfung der Natur. Mit dreißigjähriger Verspätung liegt nun endlich sein letzter Roman »Seemannslied« vor, der vulgäre Gesellschaftssatire, packende Endzeiterzählung und mahnende Climate Fiction verbindet. Milena Adam hat ihn spektakulär ins Deutsche gebracht.