Alle Artikel in: Comic

Wälzer der Neunten Kunst

Wenn man schon mit einem Comic in den Urlaub fährt, dann muss das auch genug Lesestoff mitbringen. Die Auswahl reicht von Alben, von denen junge und ältere Leser:innen gleichermaßen etwas haben über comicale Freak-Shows bis hin zur identitätspolitischen Selbstreflexion der aktuell besten deutschen Comic-Zeichnerin.

Ein grauer Schleier

Die russische Künstlerin Olga Lawrentjewa hat einen eindrucksvollen Comic über die Verbrechen von Josef Stalin am eigenen Volk, die Belagerung von Leningrad und den langen Schatten des stalinistischen Terrors gezeichnet. »Surwilo« ist die Geschichte einer Überlebenden, ein Psychogramm Russlands und eine Liebeserklärung der Zeichnerin an die eigene Großmutter.

Wegbereiterin des Comic-Feminismus

Die kanadische Comiczeichnerin Julie Doucet ist so etwas wie die freche weibliche Antwort auf Robert Crumb. Auf Europas größtem Comicevent, dem Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême, wurde Doucet jetzt für ihr »radikal feministisches« Werk, »das keinerlei Rücksicht auf Konventionen nimmt«, mit dem wichtigsten Preis der europäischen Comicwelt ausgezeichnet.

Mütterchen Russlands eiskalte Hand

Eigentlich wollte der sardische Comiczeichner Igort gerade mit seinem vierten Japan-Album »Kokoro« für Furore sorgen. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg, den Wladimir Putin in der Ukraine führt, rückt zwei ältere Alben von ihm aber in den Vordergrund.

Absurde Kontroverse um Art Spiegelmans »Maus«

Art Spiegelmans preisgekrönter Holocaust-Comic »Maus« wurde in Tennessee aus dem Lehrplan gestrichen. Die Schulbehörde ist der Meinung, dass 13- und 14-jährigen Schüler:innen die Bilder von Spiegelmans Fabel-hafter Familiengeschichte nicht zuzumuten seien. Diese Entscheidung zeigt, wie engstirnig und verhärtet die politische Auseinandersetzung mit zeithistorischen Themen in den USA ist.

Ein Denker für die Unterdrückten

Nie war die postkoloniale Literatur so präsent wie in diesen Tagen. Ein Comic aus Frankreich erinnert an den Vordenker des Antikolonialismus Frantz Fanon und zeichnet die Denkbewegungen des Psychiaters, Politikers und Schriftstellers anhand seiner Biografie nach.

Krieg ist Frauensache

Mit »Asterix und der Greif« schließen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad an die frühen gallischen Abenteuer an. Während die Verbreitung von Verschwörungstheorien Berücksichtigung findet, findet die Debatte um Geschlechterrollen trotz Matriarchat wenig Niederschlag.