Jahr: 2026

Miriam Carbe, Marion Kraft und Tupoka Ogette schreiben aus Schwarzer Perspektive deutsche Geschichte | © Thomas Hummitzsch

Eine körperliche Erfahrung

Die deutsche Geschichte scheint auserzählt, dabei gibt es immer noch Perspektiven, die in der etablierten Geschichtsschreibung kaum Platz finden. Mit Marion Kraft, Miriam Carbe und Tupoka Ogette verschaffen sich nun drei Schwarz gelesene Autorinnen aus drei Generationen Gehör, die ausgehend von ihrer (Familien-)Biografie der deutschen Wirklichkeit im 20. Jahrhundert nachgehen. Ihre Texte erzählen vom Alltagsrassismus und seiner folgenschweren Wirkung für Körper und Seele.

Der indische Poet Jeet Thayil bei seiner cross-artistischen Performance | © ILB 2026, PWS e.V., Foto Phil Dera

Crossartige Eröffnung

Am Donnerstagabend wurde im Haus der Berliner Festspiele das 26. Internationale Literaturfestival eröffnet. Curator in Residence Jeet Thayil faszinierte mit einer Performance über die Bedeutung der Kunst in Krisenzeiten. Über 100 Autor:innen sind in den nächsten zehn Tagen in Berlin zu sehen, unter anderem eine Literaturnobelpreisträgerin und ein Booker-Preisträger.

Auszug aus Heft 1 von Titus Ackermanns »Was vom Leben übrig bleibt« | Foto: Moga Mobo

Geschichte in Fundstücken

Dass Comics mehr können als Abenteuergeschichten zu erzählen, ist eine Binse. Zu reichhaltig ist die Fülle an Themen, die die neunte Kunst verhandelt. Dass deutsche Comics auch jüngere deutsche Zeitgeschichte nahe bringen können, diesen Beweis treten zwei Werke an, die bei aller Unterschiedlichkeit eines Gemeinsam haben: Sie machen Geschichte über die kleinen Dinge erfahrbar.

Der Straelener Übersetzerpreis 2026 geht an Christian Hansen für seine Übertragung von César Airas Roman »Der Hase« | © Thomas Hummitzsch

Souverän, verspielt, meisterhaft

Christian Hansen ist einer der besten Übersetzer Deutschlands. Roberto Bolaño, Alan Pauls, Julio Cortázar und César Aira hat er ins Deutsche gebracht. Nun wird seine jüngste Aira-Übertragung mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet und damit endlich auch ein Werk, das seit Jahren preisverdächtig unter dem Radar der großen Übersetzerpreise flog. Der Straelener Förderpreis geht an Wiebke Stoldt, die verblüffend souverän einen portugiesischen Klassiker ins Deutsche gebracht hat.

© Thomas Hummitzsch

Danish Dynamite

In Zeiten von Netflix & Co. hat der epische Roman an Leserschaft verloren. Die dänischen Autorinnen Solvej Balle und Asta Olivia Nordenhof beweisen mit ihren seriell angelegten Werken, dass weltsprengende Großromane immer noch möglich sind.

© Thomas Hummitzsch

Die Poesie des Überlebens

Timea Tankós brillante Übersetzung von András Viskys Roman »Die Aussiedlung« wurde in diesem Jahr gleich mehrfach ausgezeichnet. Nachdem Sie beim Preis der Leipziger Buchmesse noch leer ausging, wurde sie Anfang Juli gemeinsam mit András Visky mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet. Kurz danach wurde ihr zudem der Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis zugesprochen.

Deutscher Buchpreis: Longlist ist weiblich und divers

Shida Bazyar, Karosh Taha, Yade Yasemin Önder, Tomer Gardi und Giuliano Musio – das sind nur fünf von zwanzig Namen, die es unter die 20 für den Deutschen Buchpreis nominierten Autor:innen geschafft haben. Die Hälfte der nominierten Autor:innen hat einen migrantischen Hintergrund. Während die Gesellschaft nach rechts driftet, wird in der Literatur Vielfalt sichtbar.

Geburtsstunde eines Helden mit Schuhgröße 65

Ganz zu Beginn seiner Karriere schrieb und zeichnete der spätere Comic-Superstar Lewis Trondheim mit »Lapinot et les carottes de patagonie« eine Fingerübung von 500 Seiten, mit der er sich im frankophonen Raum als Autor etablierte. Dieses Werk ist lange nicht im deutschsprachigen Raum erschienen. Der Reprodukt-Verlag hat das jetzt geändert.

Ingeborg Bachmann (Sandra Hüller) trägt Schminke – sie macht sich fertig um nachts auf den Straßen Roms zu spazieren. | © Weltkino Filmverleih

Von der Freiheit einer Frau

Am 25. Juni 2026 wäre Ingeborg Bachmann einhundert Jahre alt geworden. Die Filmemacherin Regina Schilling hat dies zum Anlass genommen, sich gemeinsam mit Sandra Hüller der österreichischen Schriftstellerin zu nähern. Zudem sind einige Biografien erschienen, die sich ganz unterschiedlich mit Leben und Werk von Ingeborg Bachmann befassen.

Die für den Deutschen Sachbuchpreis nominierten Titel | Foto: Christof Jakob

Der Trend zum Szenario

Heute Abend wird in Hamburg zum sechsten Mal der Deutsche Sachbuchpreis vergeben. Acht Bücher zu Debatten und Fragen unserer Zeit stehen zur Auswahl. Auffällig ist, dass mehrere der nominierten Titel mit mehr oder weniger fiktiven Szenarios arbeiten.