Alle Artikel in: Politik

»Der Sommer 1990 war der geilste Sommer meines Lebens«

Drei Jahre lang hat der ehemalige Bürgerrechtlicher und Fotograf Andreas Rost an dem überwältigenden Text-Bild-Band »Das Jahr 1990 freilegen« mitgearbeitet, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist. Bei der Arbeit mit den Originaldokumenten aus der Zeit hat er einiges über seine eigenen Erinnerungen und die vermeintliche Alternativlosigkeit von Geschichte gelernt. Ein Gespräch über die Arbeit an der wichtigsten Publikation zum Wendejubiläum.

Vorwärts in die Vergangenheit

2017 war das Jahr der Krise der Demokratie. Zwischen hoffnungsvollem Pessimismus und vorsichtigen Optimismus schwanken die Analysen und Prognosen von Philipp Blom und Bernd Ulrich. Übereinander gelegt entfalten »Was auf dem Spiel steht« und »Guten Morgen, Abendland« eine beindruckende intellektuelle Wucht. In einem stimmen sie überein: Ein leichtes Unterfangen wird die Neuerfindung der Demokratie nicht.

Neuer Sinn für eine neue Welt – Der Mensch als Gott

Yuval Noah Harari, vor kurzem 42 Jahre alt geworden, gilt als intellektueller Superstar. Auf dem World Economic Forum sprach er dieses Jahr zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emanuel Macron. Die Deutsche rief ihm sogar zu, seine Bücher gelesen zu haben. Sein neuestes Buch »Homo Deus« müsste sie alarmiert haben.

Von Umbrüchen und Umbruchszeiten

Nicht immer gelingt der Jury der Leipziger Buchmesse eine überzeugende Auswahl für den Sachbuchpreis. Mal ist es das eine oder andere Buch, das in der intellektuellen Qualität gegenüber den anderen abfällt. Mal ist es die bunte Auswahl an Allerlei, der Verzicht auf eine Botschaft durch die Auswahl der Bücher. Dabei ist der Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse eine der schönsten und besten Gelegenheiten, eine Schneise der Vernunft durch die Unvernunft der Zeiten zu schlagen. Hier können die Bücher nominiert werden, denen dies gelingt.

Einwurf für den demokratischen Populismus

Es ist nur ein schmales Büchlein, das Heribert Prantl da geschrieben hat. Aber wie viele der von diesem streitbaren und wertegetriebenen Journalisten für die Süddeutsche Zeitung verfassten Texte besticht auch der Essay »Gebrauchsanweisung für Populisten« durch seine gesellschaftspolitische Relevanz und intellektuelle Brillanz. Und gibt Antworten auf die Frage, wie man als Demokrat populistischen Extremisten begegnet und zugleich die Demokratie stärkt?

»Die Welt verträgt mehr Migration«

Der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin gehört zu den renommiertesten Philosophen Deutschlands. In seinem aktuellen Buch »Über Grenzen denken« diskutiert er verschiedene Fragen der Migration unter ethischen Gesichtspunkten. Warum müssen wir über die Steuerung der Migration gerade jetzt nachdenken? Wieso ist eine großzügige Aufnahmepolitik ebenso naiv wie das Schließen der Grenzen? Wie können Ethik und Realpolitik wieder miteinander versöhnt werden. Ein Gespräch mit dem Münchener Professor für Philosophie und politische Theorie.

Amerika muss über sich selbst nachdenken

1979 beginnt der amerikanische Autor James Baldwin ein Buch über eine Reise zu schreiben, »von der ich immer wusste, dass ich sie eines Tages antreten werde«. Über 30 Seiten ist er nie hinausgekommen, Raoul Peck hat sein Manuskript nun verfilmt. Der Dokumentarfilm »I’m not your Negro« ist der beste Beitrag zum Rassismus in den USA auf der diesjährigen Berlinale, schlichtweg ein Meisterwerk des politischen Kinos. 

Die Toleranz, die keine ist

Didier Eribon hat mit »Rückkehr nach Reims« das Buch zur Stunde geschrieben. Er blickt darin auf das Leben seiner entfremdeten Eltern, die sich von den vereinigten Proletariern aller Länder ab- und den Rechtspopulisten zugewendet haben. Wer den gesellschaftlichen Rechtsruck in Europa verstehen will, findet hier wichtige Erklärungsansätze. Denn statt sich in die eigene Blase zurückzuziehen, braucht es eine Auseinandersetzung mit dem Leben der kleinen Leute.