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Die Finsternis zwischen Skylla und Charybdis

Stefano d’Arrigos zeitloses Epos »Horcynus Orca« gehört zu den ganz großen Romanen des 20. Jahrhunderts. Auf fast 1.500 Seiten lässt er uns an den letzten Tagen des desertierten Marinebootsmanns `Ndrja Cambrìa und seiner Odyssee an der vom Krieg zerstörten italienischen Küste und in Sizilien teilhaben. Moshe Kahn hat für diesen Solitär der italienischen Literatur eine Sprache gefunden, die deutsch und zugleich nach fernen Welten klingt. Eine übersetzerische Höchstleistung!

»…mein Verstand …vielleicht wird er nie wieder Verstand sein … ich möchte nur, dass er noch durchhält … gerade so lange, um Ordnung in die letzten Seiten meines Buches zu bringen und es abzuschließen«, schreibt der italienische Schriftsteller Stefano d’Arrigo 1966 an einen Freund. Zuvor sind zehn Jahre Arbeit in sein Lebenswerk geflossen. 1956 schrieb d’Arrigo den ersten Satz für seinen Horcynus Orca. Dann kamen ein Literaturpreis auf der Basis eines Auszugs, der die komplette Aufmerksamkeit der italienischen Intellektuellen auf den entstehenden Roman lenkte, sowie eine etwa 600 Seiten umfassende Erstfassung. Die erste Korrekturfahne dieses Romans wurde dann zum Ausgangspunkt einer Sisyphosarbeit, die in der Welt der Literatur wohl nur in Arno Schmidts Monumentalwerk Zettel’s Traum ein Vorbild findet. D’Arrigo befindet sich noch mitten in diesem Prozess, als er an seinen Freund schreibt. Es werden fast zehn weitere Jahre dahinfließen, bevor der Italiener das endgültige, um mehrere hundert Seiten angewachsene Manuskript ein zweites Mal bei seinem Verlag Mondadori abgeben und bei Schriftstellerkollegen wie Italo Calvino und Pier Paolo Pasolini Begeisterungsstürme auslösen wird.

1961 begann er gemeinsam mit seiner Frau Jutta Bruto, die Druckvorlagen zu überarbeiten. Anfangs machte er nur Notizen am Rand, als diese aber zu langen Einschüben und ganzen Kapiteln anwuchsen, klebte er neue Blätter an die bereits existierenden Seiten. Als auch das nicht mehr ausreichte, spannte er Wäscheleinen durch seine Wohnung und klammerte die zusätzlichen Seiten an die Leinen, bis er umgeben war von einem selbst geschaffenen, singenden und klingenden Literaturlabyrinth.

Mit diesem Wissen stellt man sich den italienischen Autor am Schreibtisch sitzend vor, seine Erzählung einer Heimkehr weiterdenkend und fortschreibend, während der Wind von der Meerenge zwischen Skylla und Charybdis aus dem Roman und durch die weißen Seitenleporellos fährt. Seine Frau tritt in die Szenerie und hilft ihm, die in dem Brief an den Freund beschriebene »Ordnung« zu schaffen. Ohne sie hätte er den Roman wohl nie zu einem Abschluss gebracht, deshalb seine vorangestellte Widmung: »Für Jutta, die es verdienen würde, auf der Titelseite zu stehen, mit ihrem Stefano«. Moshe Kahn hat dieses Stück Weltliteratur ins Deutsche und das Deutsche ein nicht geringes Stück näher zu diesem Ungetüm namens Horcynus Orca getragen.

Stefano d'Arrigos Zettelwirtschaft | © Gabinetto G.P. Vieusseux, Firenze
Stefano d’Arrigos Zettelwirtschaft | © Gabinetto G.P. Vieusseux, Firenze

Der Roman erzählt schwappend, rollend, gurgelnd, blubbernd und gluckernd von den letzten Tagen des Oberbootsmanns ´Ndrja Cambrìa, der am 1. Oktober 1943 aus der italienischen Marine desertiert und am 8. Oktober stirbt. Dazwischen liegt eine Reise, die erzählerisch in vielerlei Hinsicht Homers Odyssee, Joyce’ Ulysses und Prousts Suche nach der verlorenen Zeit gleicht. Stilistisch folgt die Erzählung dem Rhythmus der Gezeiten, denen sich Cambrìa ausgesetzt sieht, sie drängt mal seitenlang nach vorn, um sich dann über mindestens ebenso viele Seiten wieder zurückzuziehen in die Höhlen und Vertiefungen, über die sie zuvor hinweggespült ist. In diesem Rhythmus des Kommens und Gehens folgen wir über fast 1.500 Seiten dem traumwandelnden Matrosen bei seinem Versuch, vom italienischen Festland nach Sizilien überzusetzen und in den Kriegstrümmern seine Heimat wiederzufinden. Wenn wir uns auf dieses sprachliche Wunderwerk einlassen! Denn wer nicht bereit ist, sich vollkommen in diese Geschichte zu begeben, der wird über die ersten einhundert Seiten kaum hinauskommen. (Im Gespräch mit Gisela Trahms verweist Kahn auf Hans Henny Jahnn, der mit seinem Riesenwerk Fluss ohne Ufer ähnlich wie Stefano d’Arrigo mit Horcynus Orca immer noch nicht genügend geschätzt werde für seine eigenwillige, überbordende Sprache.)

Es ist eine Reise durch Raum und Zeit, bei der »Vomhörengesagtes« und »Mitdenaugengesehenes« eine nie dagewesene mythische Realität des Grauens schaffen. Im ersten Teil muss sich `Ndrja Cambrìa mit Blick auf die heimatlichen Gefilde zunächst den Verlockungen zahlreicher »tausendundeinnächtiger« Frauen erwehren, die wie Homers Sirenen einen Klage- und Lockgesang anstimmen, um den Matrosen in ihr feuchtes Bett zu locken. Diese Frauen vom Landstrich der Feminoten berichten ihm, dass die Fähren nach Sizilien nicht mehr fahren, weil sie von den Amerikanern versenkt worden sind. So irrt der Matrose durch die Ortschaft der »Frauen, die über den Mann herrschen«, bis er der sirenengleichen Hure Ciccina Circé begegnet, mit der er in einer Barke das »purgatorische Wasser« zwischen Italien und Sizilien überquert.

Dort begegnet er seinem Vater, dem Pellisquadre (Fischer) Caitanello Cambrìa, der seit dem verheerenden Angriff der amerikanischen Truppen auf die italienische Marine in der Nacht zum 1. September seinen Sohn unter den Toten vermutet. Aus Furcht vor dem vermeintlich Untoten verstößt er ihn, so dass der Matrose nun durch das vom Krieg zerstörte Fischerdorf irrt und dabei den harten Alltag der Pellisquadre rekonstruiert. Diese Rekonstruktion klingt wie ein Klagelied aus der Unterwelt, das den ewigwährenden Kampf des Menschen gegen die Feren besingt. Diese mordenden Delfine machen die Meerenge von Messina zu einem Todespfuhl. Über hunderte von Seiten wird dem Lesenden das teuflische Wesen dieser »Tiere mit mandolinenförmigen Hintern« geschildert. Den lokalen Mythen zufolge locken sie dreißig Jahre lang die Fischer auf den Meeresgrund, bevor sie sich zu einem mysteriösen Vulkan aufmachen, um dort durch dessen Feuer ins Jenseits zu springen und an den schwarzen Küsten als weiß strahlender Knochenhaufen zu enden. 30 Jahre lang aber sind diese Wesen die unheilvollen Boten des Todes, die im Moment der explosiven Fischerzüge der Pellisquadre – in den Küstendörfern ernährt man sich nahezu ausschließlich von dem vor Fischtran tropfenden und stinkenden Ferenfleisch – menschenähnliche Eigenschaften gewinnen und den »Feminotinnen« immer ähnlicher werden. Beide haben es auf die Christenmenschen abgesehen, beide sind »hurerischen Charakters«, beide sind todbringende »Wesen der Nacht«.

In d’Arrigos mythen- und anspielungsreichen Geschichte ist allem Weiblichen die Bedrohung eingeschrieben. Statt mit dem männlichen Delfin haben wir es mit der weiblichen Fere zu tun, statt mit einem Wal mit der Orca. Diese leichte Verschiebung der Geschlechterzuordnung durch Neologismen und sprachliche Innovation ist eine der gleichermaßen kühnen wie grandiosen Leistungen in der Übersetzung von Moshe Kahn. So führt er d’Arrigos im sizilianischen Italienisch weiblich verortete Meeresungeheuer so nah an Homers Sirenen heran, wie es der Roman in seiner Erzählung vorgibt. Denn als Cambrìa an den Ufern Siziliens in einen tiefen Schlaf fällt, träumt er davon, wie »die Zirze unter den Tausendundeinnächtigen« Ciccina Circé ins Wasser springt und als Sirene kurz wieder auftaucht. »Und wenn ich die Feminoten erwähne, ist es deshalb, weil ich die Feminoten zusammen mit der Fere für eine Verwandte ersten Grades von der Sirene halte«, erklärt der allwissende und zugleich überwältigte Erzähler.

Während Cambrìa seine letzten Tage im »schlafgeblendeten Verstand eines hellsichtigen Deliriums« zwischen Tagtraum und Nachtwache verbringt, wendet sich die Erzählung der Orca zu, »die lebendige Tödin, leibhaftiges, lebendiges Wesen, über das man keine andere Kenntnis hat als die, dass es ein Wesen ist, ein Wesen, das tötet, das vernichtet, ein todbringendes Wesen, ein Wesen, das als Tödin angesehen wird.« Die Orca, die durch einen Zufall aus dem offenen Meer ins Mittelmeer gelangt ist, ist »die schlimmste Gottbewahre, die je durch das salzige Wasser gezogen ist«. Mit ihr verbinden die Menschen aber nicht nur Angst, sondern auch die Hoffnung, dass sie die »skyllacharybdischen Gewässer« vom »Geflöh der Mistferen« befreien wird.

Man hat hier schon fast zwei Drittel des Romans gelesen, sein erster Satz, der die Erzählung zeitlich verortet, ist hier schon fast vergessen. Er lautet: »Die Sonne ging auf seiner Reise viermal unter, und am Ende des vierten Tags, welcher der vierte Oktober neunzehnhundertdreiundvierzig war, erreichte der Matrose `Ndrja Cambrìa, einfacher Oberbootsmann der ehemaligen königlichen Marine, den Landstrich der Feminoten an den Meeren zwischen Skylla und Charybdis.« Dieser syntaktisch komplexe Auftaktsatz ist einer der wichtigsten im gesamten Epos, denn er markiert nicht nur den Moment, in dem der Horcynus Orca, dieses Ungeheuer aus der Tiefe, erwacht, sondern er macht von Anfang an klar, dass es hier nicht um eine Seemannserzählung geht – wenngleich der Roman voller Anspielungen ist, vom Buch Jona bis hin zu Hermann Melvilles Moby Dick –, sondern um den Krieg und seine Folgen. Das Ungetüm im Zentrum des literarischen Großwerks ist zwar ein Tiergigant, dieser aber nur d’Arrigos Allegorie auf »das berüchtigte, verkommene, schurkische Mannsstück Krieg«.

Moshe Kahn auf der Buchmesse in Leipzig
Moshe Kahn auf der Buchmesse in Leipzig

Und so, wie der Krieg alle Dimensionen des Lebens ergreift, bleibt auch in dieser Erzählung nichts von seinen Söldnern verschont; das Meer hat er »vollgefert« zurückgelassen und die unheilbringenden Feren stehen als Todesmahl in der Mitte eines jeden Tisches. Es bleibt den Menschen schließlich nicht mehr als die Hoffnung auf den majestätischen Mörderwal, den als Horcynus Orca bezeichneten Orcaferon, er möge sie von der Bedrohung durch die Feren befreien. Doch alle Hoffnung ist vergebens, selbst eine Predigt auf diese ungeheuerliche Kreatur des Meeres vermag die Menschen nicht von der verheerenden Realität des Krieges erlösen. Die Männer ziehen todesgewiss in den Kampf gegen die Fere, die Frauen werden zu sirenenhaften Schnitterinnen und säbeln die letzten Fleisch- und Hautfetzen von den Ferenkarkassen, aus denen ihnen das Gewürm des Todes entgegenkriecht. Moshe Kahn lässt hier in seiner Übertragung von d’Arrigos Roman Bilderwelten entstehen, die an die Monster- und Gruselwelten eines Hieronymus Bosch erinnern. Und weil die Hoffnung auf den Horcynus Orca vergebens ist, sich das Ferengetier gegen den Giganten verbündet und niederringt, triumphiert der Krieg weiterhin und verschlägt Cambria nach Messina, wo er als Söldner an einer Regatta teilnehmen und bei einem Scharmützel eine Kugel in den Kopf bekommen wird. Ein Kamerad will seine Leiche in die Heimat bringen, ob er dort ankommt, wissen wir nicht. Der Roman schließt kryptisch: »Das Boot glitt hinauf zu den Meeren von Skylla und Charybdis, unter den zerrissenen Seufzern und Klagen der Jungs, wie in einem Meer von Tränen, das mit jedem Ruderschlag entstand und wieder verging, drinnen, tief drinnen, dort, wo das Meer ist, das Meer.«

Stefano d’Arrigos Horcynus Orca ist eine prachtvolle Galeere, die vor fast vierzig Jahren in die Gewässer der Hochliteratur der Moderne eingefahren, bei der Übersetzung aber an den Klippen der hiesigen Italienistik zerschellt ist. Mit Moshe Kahn hat sich ein kundiger Archäologe und Fährmann gefunden, der die edle Barke aus den Tiefen des Vergessens gehoben und wider alle Bedenken durch jegliche Untiefen hindurch in die Gewässer der deutschen Literatur überführt hat. Seine zwischen 2006 und 2014 entstandene Übertragung dieses epochalen Werks ist die erste überhaupt, bis dato galt d’Arrigos Lebenswerk – wie einst James Joyce’ Finnegans Wake – als unübersetzbar.

Wobei der Begriff Übersetzung für diese Arbeit zugegebenermaßen in die Irre führt. Moshe Kahns deutsche Fassung ist vielmehr eine Nachdichtung und Nachempfindung der bedeutungsschweren Bilder- und Klangwelten, die das sizilianische Italienisch des Originals hervorruft. Dieses Italienisch ist von griechischen Einflüssen geprägt, es führt diese Odyssee der Moderne auch sprachlich nah an Homer heran. Dessen Odysseus irrte von Landstrich zu Landstrich, und auf seiner Reise durchquerte er zahlreiche Sprachräume. Moshe Kahn berichtete auf der Buchmesse in Leipzig, wie d’Arrigo unzählige Sprachen in ein sizilianisch klingendes Kunstidiom überführt hat, um dies hier nachempfinden zu lassen. Bei der Lektüre des Originals ist Kahn auf arabische, byzantinische, französische, lateinische, normannische und sikulische Sprachbrocken gestoßen, die in keinem semantischen oder etymologischen Wörterbuch zu finden sind. Für seine Übersetzung musste Kahn deshalb Lösungen für diese Ausdrucksweise finden.

Dass es vierzig Jahre dauerte, bis das Werk nun in einer deutschen Fassung vorliegt, liegt nicht nur an der Bewältigung dieser Herausforderungen, sondern daran, dass der lange Zeit einzige Verleger, der sich auf diesen Roman und dessen Sprachmächtigkeit einlassen wollte, Egon Ammann war, der 2010 seinen Verlagsbetrieb einstellte. Er bemühte sich, dass Kahn mit seinem Wahnsinnsprojekt beim Verlag S. Fischer Unterschlupf fand.

Kahns Übertragung des Romans in die deutsche Sprache ist gleichermaßen sensationell wie herausfordernd. So verschiebt er die Vernichtung und das Unheil des Krieges von der »mannswesischen« auf die »weibswesische« Seite. Der Soldat, der Delphin, der Wal und der Tod – allesamt Anspielungen auf den apokalyptischen Grundton, den der Krieg diesem Roman gibt – werden abgelöst von Sirenen-gleichen Wesen, die dem Leser als die Feminotin, die Fere, die Orca und die Tödin begegnen. Im Klang der syntaktisch wagemutigen, den Rhythmus der Gezeiten aufgreifenden Poesie von Horcynus Orca steckt eine Magie, wie sie der Übersetzer seit Tasso und Ariost nicht mehr angetroffen hat, wie er selbst sagte.

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Stefano d’Arrigo: Horcynus Orca. Aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Moshe Kahn. Verlag S. Fischer. 1.472 Seiten. 58,- Euro. Hier bestellen

Um diese stimmig im Deutschen zu rekonstruieren, konnte er auf seine Freundschaft zu Stefano d’Arrigo und dessen Frau Jutta bauen. »Moshe mein Lieber, von Seite zu Seite werden wir „große Freu(n)de“ Du, Jutta und ich, wenn Du den Horcynus fertig übersetzt hast. Dein Stefano«, schrieb der 1992 verstorbene Stefano d’Arrigo Kahn 1985 noch in dessen italienische Ausgabe. Während der Übersetzung fand er Unterstützung beim italienischen d’Arrigo-Experten Stefano Lanuzza und bei Freunden in seiner italienischen Wahlheimat. Handwerklich am meisten geholfen haben ihm aber deutschsprachige Autoren wie Jean Paul, Heinrich Kleist oder Friedrich Hölderlin, auf deren barocke Sprachweisen er oft zurückgriff, um seiner Übersetzung eine gleichermaßen zeitgemäße wie aus der Zeit gefallene, entschleunigte Sprache zu verleihen. Moshe Kahn hat die deutsche Literatursprache mithilfe von unzähligen Neologismen, kühnen syntaktischen Konstruktionen und sprachlichen Kapricen an- und umverwandelt. Es ist sein Verdienst, dass uns dieses viel- und fremdsprachige Ungetüm als einer der großen literarischen Texte unserer Zeit begegnet, der sich deutsch liest, während er zugleich nach fernen Welten klingt.

Wie schon die Referenzwerke von Homer, Dante, Melville, Hölderlin, Paul, Proust, Joyce und Musil fordert auch Stefano d’Arrigos Roman in Kahns inzwischen mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis und dem Jane-Scatcherd-Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung ausgezeichneter Übersetzung eine absolut fokussierte Aufmerksamkeit. Entlohnt wird man als Leser mit einer von dieser Sprachmächtigkeit ausgehenden Anziehungskraft, die konzentrisch in die Tiefen dieser Leidenserzählung hinabführt. Das vermeintlich orientierungslose und doch ständig zielgerichtete Mäandern zwischen Zeit und Raum, Imagination und Wirklichkeit, Verlockung und Tod, Sprache und Gesang macht diesen Romankoloss zu einem der ganz großen Werke der Weltliteratur.

Moshe Kahns von Stefano d’Arrigo ins Ohr geflüsterter Horcynus Orca ist ein famoses Requiem auf den in der Moderne verlorenen Menschen sowie ein unvergleichlicher Ritt auf der Triumfere; für Autor und Übersetzer gleichermaßen. Ulrich Blumenbach, der seinerseits mit David Foster Wallace’ Unendlicher Spaß in vergleichbarer Entschlossenheit ein sprachlich ähnlich anspruchsvolles Werk ins Deutsche übertragen hat, ist voll des Lobes: »Mit der Übersetzung dieses Jahrzehnt-Buchs, mit den Neologismen, Innovationen und Sprachspielen, die er da geschaffen hat, hat Moshe Kahn Einmaliges für die deutsche Literatur geleistet.« So wie auf dem Titel der italienischen Fassung neben Stefano d’Arrigo auch der Name von dessen Ehefrau Jutta Bruto stehen müsste, gehörte Moshe Kahns Signet auf den Buchumschlag seiner sprachlich wagemutigen und stilistisch souveränen deutschen Übersetzung. Denn er ist der Einzige, der in der Lage war, diese dem Deutschen ähnliche überbordende Sprache namens »Horcynisch« zu erfinden.