Alle Artikel in: Gesellschaft

»Dadaab ist eine Stadt wie von einem anderen Stern«

Ben Rawlence arbeitet seit zehn Jahren als Menschenrechtsbeobachter. Für die BBC und den Guardian hat er den Krieg im Kongo beobachtet und anschließend die Situation am Horn von Afrika beobachtet. Für sein Buch »Stadt der Verlorenen« hat er mehrere Monate in Dadaab verbracht und somalische Flüchtlinge in ihrem Alltag im größten Flüchtlingslager der Welt begleitet. Ein Gespräch über die Individualität von Flüchtlingsschicksalen, den Konflikt in Ostafrika und die perfide Politik der Europäischen Union.

Sinnlichkeit statt Sinn

So bunt war die Nominierungsliste für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse schon lange nicht mehr. Von der Pferdestudie über die kulinarische Reise und die biografische Annäherung bis hin zur klimapolitischen Kampfschrift ist alles dabei. Alles in allem scheint bei der Auswahl eher die Flucht aus als die Konfrontation mit der Welt leitgebend gewesen zu sein. Für unseren Autor trotz einiger lohnenswerter Lektüren ein schlechtes Zeichen.

Ein Leben zwischen Schmerz und Lust

Präsenz zeichnet diesen Menschen aus. Physische und intellektuelle Präsenz. Und Klarheit. Masse und Klarheit. Ein Kämpfer für die Menschrechte, weltweit. Drunter tut es ein Mann wie Wolfgang Kaleck nicht. Und Gott sei Dank tut er es für nichts Weniger. Der Versuch eines Porträts dieses Heimatlosen und Gehetzten anlässlich seines gerade erschienenen Buches »Mit Recht gegen die Macht«. Wolfgang Kaleck ist ein deutscher Rechtsanwalt, ein Fachanwalt für Strafrecht mit den Tätigkeitsschwerpunkten europäisches und internationales Strafrecht, Wehr- und Kriegsdienstverweigerungsrecht sowie Menschenrechte. Kaleck ist ein politischer Jurist, ein linker, politischer Jurist, dem man seine politische Sozialisation in den achtziger Jahren Westdeutschlands ansieht und anhört. Einer, der vor Gericht gegen Diktatoren, Kriegsverbrecher und rücksichtslose Unternehmen kämpft. Nicht als eitler Einzelkämpfer, sondern innerhalb eines Netzwerks von Mitstreitern, die sich für eine bessere, solidarischere Welt einsetzen. Er war Bundesvorsitzender des Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. (RAV), er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und schreibt für die Zeit den Blog Recht subversiv – Aus der Werkstatt eines Anwalts und Menschenrechtlers. Er verklagte bereits den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und vertritt aktuell den Whistleblower Edward Snowden. …

Das Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen

Auf die jüngste Flüchtlingstragödie im Mittelmeer hatten die europäischen Innenminister vor allem eine Antwort: die kriminellen Schlepperaktivitäten sollen stärker bekämpft werden. Was das genau heißt, darüber wird heftig gestritten. Um die Schleuser und deren Motive geht es dabei kaum, entsprechend eindimensional bleibt der Blick auf das Phänomen der Schleuserkriminalität.

embedded intelligence oder: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Granularität ist das Maß für die Feinkörnigkeit eines Systems. Man kennt diesen Begriff vor allem aus der Fotografie. Christoph Kucklick geht es in »Die granulare Gesellschaft. Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst« aber nicht um die Körnigkeit eines Bildes, sondern um die Auflösung, um die Zerlegbarkeit des Individuums und der Gesellschaft durch das Digitale. Sein sensationelles Buch ist eine Erzählung des digitalen Sozialen, an der sich die an der Digitalisierung Interessierten abarbeiten müssen. Ein Standardwerk, ein Must-Read für die kommenden Jahre.

Dicke Klötze: Sachbuch-Schwergewichte der Saison

Historische Studien und monumentale Biografien bestimmen das Feld der zwanzig voluminösesten Titel im Bereich Sachbuch. Von der Ernst-Jünger-Gesamtausgabe über die Schriften zur Literatur von Gutenberg-Preisträger Jan Philipp Reemtsma sowie zahlreiche historische Studien bis hin zur in Frankreich gefeierten Barthes-Biografie. Ein Überblick über die faktenreichen Schwergewichte des Herbstes. 

Ed Piskors Kulturgeschichte des Hip Hop als Monatsheft

Seit 2013 erzählt der Amerikaner Ed Piskor in spektakulären Bilder- und Sprechstürmen von der Geburt und dem Wachsen der musikalischen Revolution namens Hip Hop. In Deutschland erscheint in wenigen Wochen der zweite Teil dieser Erfolgsstory, die den US-Verlag nun zur ungewöhnlichen Zusatzpublikation in Monatsheften mit bemerkenswerten Alternativtiteln greifen lässt.