Paintball, Hunde und Macheten

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Regisseur-Nachwuchshoffnung Jeremy Saulnier präsentiert mit »Green Room« einen grausamen Arthaus-Horrorschocker, in dem eine grausame Neonazi-Horde Jagd auf eine Punkband macht.

Punks kennen keine Schmerzen. Doch als sich die Punkband »Ain’t Rights« im amerikanischen Nirgendwo auf einem Neonazi-Konzert wiederfindet, haben die fünf Bandmitglieder allen Grund zur Panik. Weil sie das Geld aber brauchen, beschließen sie, ihren Gig zu spielen, Kasse zu machen und danach sofort abzuhauen. Doch nachdem sie den aggressiven Gästen der »White Pride«-Party mutig ihr »Nazi-Punks – Fuck Off!« entgegengebrüllt haben, wird vor ihren Augen eine junge Frau ermordet. Sie geraten ins Visier der von einem skrupellosen Altnazi (Patrick Stewart) angeführten Bande, die alle Zeugen des Mordes beseitigen will.

Ihr Backstageraum – der »Green Room«, der dem Film seinen Titel gibt – erweist sich als Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Zwar entdecken die fünf Punks darunter ein Drogenlabor, doch auch dort ist der Ausgang verriegelt. Sie haben also keine Wahl, müssen durch die einzige Tür, vor der eine Horde gnadenloser Neonazis darauf wartet, sie niederzumetzeln.

Zu Beginn dieses brutalen Arthaus-Schockers fragte ein Nachwuchsjournalist die Bandmitglieder, die Musik welcher Band sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden, wenn sie nur ein Tape mitnehmen dürften. Diese Frage bekommt nun plötzlich eine existenzielle Dimension, denn womöglich hat hier ihr letztes Stündlein geschlagen. Das wird ihnen spätestens dann klar, als der Versuch einer einvernehmlichen Lösung in einer »Hack & Slash«-Aktion endet, die Gitarrist Pat (Anton Yelchin) seine Hand kostet.

MV5BMTUyNjU0NTYxOF5BMl5BanBnXkFtZTgwNzgxMzMyODE@._V1_SX1500_CR0,0,1500,999_AL_Was nun folgt, ist eine unerbittliche Menschenjagd, die Pat mit Paintball vergleicht, die in ihrem weitgehenden Verzicht auf Schusswaffen aber so gar nichts von dieser Variante des gespielten Bandenkrieges hat. Macheten und Kampfhunde sind die Mittel der Wahl der Nazigang, denen die von der abtrünnigen Skin-Braut Amber (Imogen Poots) unterstützen Bandmitglieder nur ihren Mut der Verzweiflung und die Hoffnung, zu überleben, entgegensetzen können.

Der US-amerikanische Nachwuchsregisseur Jeremy Saulnier hat mit Green Room einen blutrünstigen Thriller gedreht, der, wie schon sein düsterer Krimi Blue Ruin, zu einem Liebling der Festivals aufgestiegen ist. Beim Filmfestival in Austin wurde der Film in der Kategorie Horror & Sci-Fi ausgezeichnet, in Montréal erhielt er den Preis als bester Film, beim Internationalen Fantasy-Film-Festival in Neuchâtel wurde er gleich dreimal prämiert, erhielt unter anderem den Publikumspreis. Seinen Horror zieht der Film aus der grenzenlosen Brutalität und der Spannung dieses Katz-und-Maus-Spiels.

Der Film ist trotz der uferlosen Gewalt auch ein ästhetisches Meisterwerk. Saulnier mischt in den Bilderreigen des schier endlosen Gemetzels warme, weichgezeichnete Aufnahmen, mit denen er sich vor der amerikanischen Provinz, aber auch vor dem US-amerikanischen Independent-Cinema verneigt.

Gut eine Stunde dauert der blutrünstige Showdown, bei dem mit jedem Fluchtversuch der Bodycount steigt. »Musik ist Aggression«, heißt es zu Beginn dieses mehrfach ausgezeichneten Arthaus-Schockers. Neu ist das nicht. Aber so krass brutal ist Punk noch nie abgegangen.

MV5BMjU1ODQ5NzA0N15BMl5BanBnXkFtZTgwMDg5MTA5NzE@._V1_SY1000_CR0,0,675,1000_AL_Green Room

FSK: 18 Jahre

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