Jahr: 2026

Amy Adams in »At the Sea« von Kornél Mundruczó | © 2026 ATS Production LLC

Berlinale 2026: Warten auf einen Höhepunkt

Zur Halbzeit der 76. Berliner Filmfestspiele dominiert im Kinosaal das übergreifende Thema Familie. Vor den Kinos tobt eine politische Debatte. Die bislang gezeigten deutschsprachigen Beiträge haben einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, eine echte Konkurrenz wollte in dem bislang allenfalls soliden und an Höhepunkten armen Wettbewerb noch nicht entstehen.

© Thomas Hummitzsch

Die Zumutung der Fülle

Der deutsche Anglist Manfred Pfister ermöglicht mit seinem Prachtband »Englische Renaissance« etwas selten gewordenes: einen Raum zum Selberdenken. Auf 480 verspielt gesetzten Seiten führt er eindrucksvoll und facettenreich vor Augen, wie die britische Nationwerdung, die Reiseliteratur, der Religionsstreit und der Kolonialismus, wie Wissenschaft, Kriege, Buchdruck und (Bühnen)Kunst, wie der Blick auf die Frau, auf Arbeitswelten, Gesundheit und Klassenlagen die englische Renaissance geprägt haben.

Sandra Hüller in »Rose« von Markus Schleinzer | © 2026_Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm Film, Gerald Kerkletz

Berlinale 2026: Rose

Das Ende des dreißigjährigen Krieges bildet den Hintergrund von Markus Schleinzers historisches Gender-Drama »Rose«. Sandra Hüller spielt darin eine Frau, die sich nach dem Krieg als Mann ausgibt und in einem deutschen Dorf niederlässt. Eine queere historische Geschichte erzählt auch Kai Stänickes Debütfilm »Der Heimatlose«.

Tansu Biçer, Özgü Namal in »Gelbe Briefe« von İlker Çatak | © Ella Knorz_ifProductions_Alamode Film

Berlinale 2026: Gelbe Briefe

Mit »Das Lehrerzimmer« hat es der deutsch-türkische Filmemacher Ilker Çatak bis zu den Oscars geschafft. Auf der diesjährigen Berlinale stellt er seinen neuen Film »Gelbe Briefe« vor, der schon im März in die Kinos kommt. Er handelt von einem Künstlerpaar in einer Gesellschaft, in der die Räume immer kleiner werden.

Anwar Hashimi, Shahrbanoo Sadat in »No Good Men« von Shahrbanoo Sadat | © Virginie Surdej

Berlinale 2026: No Good Men

Mit dem politischen Drama »No Good Men« der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat startete am Donnerstagabend die 76. Berlinale. Im Mittelpunkt steht eine Kamerafrau, die in der patriarchalen Gesellschaft ihren Weg geht. Insgesamt konkurrieren 22 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären.

Foto: Thomas Hummitzsch

Implementierte Erneuerung

Zu einem gelingenden gesellschaftlichen Leben gehört die Frage, inwieweit sich Gesellschaften sich gegen ein Übergreifen dieser ökonomischen Kälte schützen können. Der deutsche Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe zerstörte 2019 in seinem Opus Magnum »Das kalte Herz« die Mythen des heilbringenden Kapitalismus. Michael Knoll legt eine Re-Lektüre dieser eindrucksvollen Geschichte des Kapitalismus dringend ans Herz.

© Thomas Hummitzsch

Gesänge aus dem Lichtjahrgrab

Haltlos schwebt das Raumschiff »Aniara« durch das All, als die Erzählung des gleichnamigen Versepos‘ von Harry Martinson einsetzt. Dieses 1974 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Werk, »das den Tautropfen einfängt und das Weltall spiegelt«, war viele Jahre vergriffen. Nun ist dieser verschollene Klassiker in der wortgewandten Übersetzung von Lena Mareen Bruns im Guggolz-Verlag neu erschienen.

© Thomas Hummitzsch

»Grausamer, als alles, was ich bisher übersetzt habe«

Larissa Bender übersetzt seit Jahrzehnten Literatur aus dem arabischen Raum, gerade ist sie für ihre Übertragung von Mustafa Khalifas »Das Schneckenhaus« mit dem renommierten Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet worden. In diesen Tagen erscheint die Übersetzung von mehr als zwei Dutzend Überlebensberichten aus Gaza, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Leonie Nückell übersetzt hat. Ein Gespräch über die psychische Belastung dieser Arbeit, strukturellen Rassismus im System und die Faszination der arabischen Literatur.