Berlinale Bites: Eine ganz normale Parallelwelt
Die Chinesen sind da. Mit Lou Yes »Tui Na« ist der erste von drei Wettbewerbsbeiträgen aus dem Reich der Mitte gestartet. Er bietet Einblicke in den Alltag einer Massagepraxis für Blinde.
Die Chinesen sind da. Mit Lou Yes »Tui Na« ist der erste von drei Wettbewerbsbeiträgen aus dem Reich der Mitte gestartet. Er bietet Einblicke in den Alltag einer Massagepraxis für Blinde.
Was ist über diesen Film schon alles geschrieben und gesagt worden. Vom Vorwurf der schlichten Pornographie bis hin zur grandiosen Verfilmung des allgegenwärtigen Sex-Hypes der Moderne – über Lars von Triers »Nymph( )maniac« streitet sich seit Wochen der Blätterwald. Auf der Berlinale war der erste Teil des Films erstmals in Deutschland zu sehen.
Statt einer wirklichen Geschichte der Angst präsentiert der Argentinier Benjamin Naishtat mit »Historia del Miedo« ein vorhersehbares Stückwerk aus Klischees und Langeweile.
Dietrich Brüggemann hat mit »Kreuzweg« eine bedrückende Religionsfarce vorgelegt, in deren Mittelpunkt die 14-jährige Maria steht, die ihr Leben inmitten einer erzkonservativen Gemeinschaft Gott opfern will. Ein Hauch von Ulrich Seidl schwebte am Sonntag in den Berlinale-Wettbewerb.
Außerhalb des Wettbewerbs tummeln sich die Filme mit Staraufgebot und bildgewaltigen Erzählungen. Der Wettbewerb der Berlinale ist weniger glamourös gestartet als das Rahmenprogramm. Der einzige echte Hingucker war bislang Wes Andersons Belle-Epoque-Märchen »Grand Budapest Hotel«.
Dominik Grafs »Die geliebten Schwestern« ist eine Hommage an Friedrich Schiller und den freien Geist sowie eine Verneigung vor dem Mut dreier Menschen, einen anderen Weg und damit das Scheitern zu wagen.
Edward Berger erzählt in seinem Sozialdrama »Jack« von einer überforderten Mutter und der Odyssee ihrer beiden Söhne durch ein ignorant überzeichnetes Berlin.
Forest Whitaker überzeugt in »La voie de l’ennemie« als Ex-Häftling, der erbittert mit den Dämonen seiner Vergangenheit und um seine Menschenwürde kämpft. Rachid Boucharebs Wettbewerbsbetrag ist eine Anklage gegen den Alltagsrassismus in den USA.
Ein junger britischer Soldat gerät im nordirischen Konflikt zwischen die Fronten und kämpft, auf sich allein gestellt, ums Überleben. Der britische Film »’71« erzählt von einem vergessenen europäischen Bürgerkrieg, dessen Ende noh nicht allzu viele Jahre zurückliegt.
Quentin Tarantino hat angekündigt, nach »Django Unchained« einen weiteren Western drehen zu wollen. Sein Sklaven-Revenge-Epos hat ein Millionenpublikum in die Kinos getrieben. Zwei Oscars und zwei Golden Globes hat Tarantinos erster Italo-Western gewonnen, weil er schonungslos und kongenial von der Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Sklaverei erzählt.
Lars von Triers bereits vor seiner Weltpremiere umstrittener Film »Nymphomaniac« wird bei der Berlinale 2014 außer Konkurrenz in ungekürzter Fassung gezeigt. Inzwischen steht auch schon knapp die Hälfte der Wettbewerbsbeiträge fest.
Dem WDR ist mit der preisgekrönten Produktion von »Ein letzter schöner Tag« ein wahrhaftiger Film darüber gelungen, wie der Alltag aus den vermeintlich sicheren Bahnen geraten kann, wenn ein naher Mensch sich das Leben nimmt. Authentisch und ohne ideologische Scheuklappen begleitet der Film eine Familie in einer Ausnahmesituation.
Mit der Weltpremiere von Wes Andersons »Grand Budapest Hotel« werden am 6. Februar 2014 die 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin im Berlinale Palast eröffnet. Damit ist Anderson bereits zum dritten Mal Gast bei den Berliner Filmfestspielen.
Roberto Bolaño misst in seinem »Lumpenroman«, dessen Verfilmung »Il Futuro« gerade in den deutschen Kinos läuft, die Ränder und Ausläufer der grauenhaften Hölle aus, die der Chilene in seinen Texten immer wieder ergründet. Ein Blick in sein Werk macht dies deutlich.
Die Norwegerin Jannicke Systad Jacobsen erzählt in ihrem brillanten Debütfilm »Turn me on« atmosphärisch und sensibel vom Zauber und der Qual der Identitätssuche junger Menschen.