Alle Artikel mit dem Schlagwort: Aristoteles

Verräterische Haltung

Gehen wir aufrecht, weil wir Menschen sind oder sind wir Menschen, weil wir aufrecht gehen? Der Philosoph Kurt Bayertz präsentiert den aufrechten Gang als philosophischen Topos, das die Reflektion über den Menschen und seine Position in der Welt von der Antike bis in die Neuzeit prägt. »Und während die anderen Wesen gebeugt zu Boden blicken, gab er dem Menschen ein hoch erhobenes Antlitz, ließ ihn den Himmel betrachten und sein Gesicht stolz zu den Sternen erheben. So nahm ein eben noch roher, ausdrucksloser Erdenkloß, verwandelt, die bis dahin unbekannten Züge des Menschen an.« Mit diesen Worten beschrieb der römische Dichter Ovid in seinen Metamorphosen den Wesenszug des Menschen, dessen Aufgabe es in der Welt war, nach oben blickend den Kosmos als Werk eines himmlischen Schöpfers zu betrachten. Ovids These, dass der Mensch nicht nur geschaffen sei, weil die Welt ohne ein denkendes Wesen, sondern auch, weil sie ohne ein den Himmel betrachtendes Wesen nicht vollständig gewesen sei, ist nur eines von zahlreichen Erklärungsmustern für den aufrechten Gang des Menschen, der sich durch die Geschichte des …

Demokratie einklagen

Die Debatte um den Legitimationsverlust der klassischen repräsentativen Demokratie befand sich im Dornröschenschlaf. Die Finanzkrise hat sie aufgrund des eklatanten Mangels demokratischer Verständigungsprozesse im rasanten Tempo der Märkte neu entfacht. Besteht die Demokratie nur noch aus der formalen Hülle ihrer Institutionen, die durch eine elitäre Kultur von Experten ersetzt wurde? Oder liegt in der Krise die Chance auf die Re-Politisierung der Gesellschaft?