Comic

Toxisch, fragil und sonst nix?

Was heißt es heute, männlich zu sein? Und woher speisen sich eigentlich die Bilder von Männlichkeit? Meikel Mathias wirft in seinem Comic »Strong Men« wichtige Fragen auf, bleibt aber auch entscheidende Antworten schuldig.


Wie kommt es, dass auf Plattformen wie Youtube oder Instagram oder Tiktok plötzlich Männlichkeitsideale beworben werden, die man im Wesentlichen überwunden glaubte? Und vor allem so aggressiv? Und warum so platt?

Meikel Mathias macht sich in seinem Comic-Erstling auf die Suche nach der Antwort. In »Strong Men. Die zerstörerische Kraft fragiler Männlichkeit« dröselt er auf, woher unsere Bilder von Männlichkeit stammen und was im Lauf der Zeit daraus geworden ist. Heraus kommt dabei ein vielfältiger Comic, der optisch oft sehr einnehmend, teilweise witzig und in der Sache überzeugend ist.

Mathias Meikel: Strong Men. Die zerstörerische Kraft fragiler Männlichkeit. avant-verlag 2026. 160 Seiten. 26,- Euro. Hier bestellen https://www.avant-verlag.de/comics/stron-men/#cc-m-product-9273287320
Mathias Meikel: Strong Men. Die zerstörerische Kraft fragiler Männlichkeit. avant-verlag 2026. 160 Seiten. 26,- Euro. Hier bestellen.

Es beginnt bei Alexander dem Großen und geht von dort weiter bis in die weite und teilweise unfreiwillig komische Welt der Blender, Habenichtse und Angeber, die schon vor dem Aufkommen des Internets als Vertriebsweg versucht haben, mit dem Mangel an Bildung, Selbstsicherheit und gesellschaftlicher Stellung Anderer Geld zu verdienen.

Und es endet, man ahnt es, bei selbsternannten Männlichkeitsgurus wie den wegen mehreren Sexualdelikten festgenommenen Brüdern Andrew und Tristan Tate und einem sehr seltsamen Produkt dieser Entwicklung: Dem US-Präsidenten Donald Trump. Das alles ist, wie gesagt, sehr detailreich und hervorragend recherchiert, und nach Lektüre des Buchs möchte man schreien vor Verzweiflung ob dieser immer wieder erfolgreichen, platten und letzten Endes ausbeuterischen Rollenbilder. Denn dass alle zu deren Opfern zählen, Männer wie Frauen, das wird ebenso klar. Wie auch, dass das Internet als Vertriebsweg diesen Rollenbildern einen ungeheuren Schub verpasst hat, diese aber schon lange vorher existierten.

Das alles ist ziemlich gut. Man würde das Buch gerne Heranwachsenden zur aufklärenden Lektüre geben und auch über die leicht streberhafte Attitüde des Ganzen (Alexander der Große, echt jetzt?) hinwegsehen, wäre da nicht eins: Der Feststellung, dass fragile, unsichere Männlichkeit letzten Endes nur zerstörerisch ist, folgt kein positives Bild von Männlichkeit.

Aber genau da steckt ein Problem: Denn dass kinnlose, zwergenhafte Gimpel wie die Tate-Brüder so viel Erfolg haben, liegt auch an der riesigen Lücke, in die sie vorstoßen können. Was heute Männlichkeit im positiven Sinn ausmacht, worin sich Männer im positiven Sinn von Frauen unterscheiden – also nicht nur, dass sie bestimme Eigenschaften nicht besitzen – diese Antwort bleibt der Comic schuldig.

Lediglich am Rand streift er, dass Mädchen oft ermuntert, während Jungs für dieselbe Leistung niedergemacht werden, und dass bei ihnen Traurigkeit und Schmerz nicht akzeptiert werden. Er zeigt auch nicht, dass die Rollenbilder gerade in den vergangenen Jahren eine gewisse Polarisierung mitgemacht haben. Und dass es derzeit eher üblich ist, die Unterschiede zwischen Mann und Frau herauszuarbeiten als die Gemeinsamkeiten, was das vom Buch beschriebene Problem nur verschärft.

Mag sein, dass Mathias Meikel gar nicht dazu angetreten ist, sein gutes Recht, aber die Lücke wird auf jeder Seite seines Werkes offensichtlicher.