Autor: Thomas Hummitzsch

© Thomas Hummitzsch

Die Wut im Untergrund

Frankreichs Gesellschaft scheint vereint wie nie. Die Solidarität unter dem Motto »Je suis Charlie! Je suis policier! Je suis musulman! Jes suis juif!« überdeckt die Angst vieler Franzosen vor dem Fremden. Während Michel Houellebecq in seinem Roman »Unterwerfung« mit dieser Angst spielt, gelingt Yannick Haenel mit »Die bleichen Füchse« ein treffendes Sittengemälde und revolutionärer Gegenentwurf.

Ein zeichnender Reporter

Joe Sacco reist seit Jahren in die Krisenherde der Welt, um als Comicjournalist vom Schicksal der Menschen zu berichten. Mit »Der Erste Weltkrieg. Die Schlacht an der Somme« hat er ein historisches Panorama vorgelegt, das die Materialschlacht sichtbar macht und zeigt, wie sich das Individuum in der Masse auflöst.

Die Karikatur lebt oder: Die Feder, das Schwert und der Tod

Nachdem bereits am Tag des schrecklichen Attentats auf die Redaktion des französischen Satiremagazins »Charlie Hebdo« zahlreiche grafische Reaktionen im Netz zu finden waren, haben auch am tag danach viele Kollegen und Freunde der ermordeten Karikaturisten und Zeichner die Ereignisse verarbeitet. Bilder des Widerstands, der Wut und der Trauer von Riad Sattouf, Lewis Trondheim, Joann Sfar, James, Penélope Bagieu, Benjamin Lacombe, Ptiluc, Stephen Collins, Marjane Satrapi, Alison Bechdel, Fábio Moon, Manuele Fior, Reinhard Kleist, Flix und Jens Harder sowie dem Zeichnerduo Ruppert & Mulot.

»Wir müssen unbedingt weiterlachen«

Bei dem schrecklichen Attentat auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift »Charlie Hebdo« sind zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter die Spitze der politischen Satire in Frankreich. Ein Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit, auf den viele Autoren und Karikaturisten mit Erschrecken, Trauer und Trotz reagiert haben. 

»Ich habe heute all meine Freunde verloren«

Der Journalist Philippe Val hat das Satiremagazin »Charlie Hebdo« von 1992 bis 2009 geführt. Dem Radiosender France Inter gab er nach dem Angriff auf die Redaktion des Magazins, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen, ein bewegendes Interview. Darin erinnerte er an seine Freunde und ehemaligen Kollegen und rief die Menschen dazu auf, weiterzulachen und gemeinsam die Angst zu überwinden. Wir haben das Interview dokumentiert.

Der verzweifelte Vorstandsvorsitzende in Roy Anderssons »Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach« am Telefon | © Neue Visionen Filmverleih

Die befremdliche Anmut des Existenziellen

Der schwedische Regisseur Roy Andersson schickt in »Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach« sein Protagonisten mit Lachsack und Vampirzähnen in die Schlacht namens Leben. Seine skurrile Komödie erinnert an Meister des Dogma-Kinos wie Lars von Trier und Thomas Vinterberg, aber auch an die Könige der unerträglichen Leichtigkeit des Seins Wes Andersson und den frühen Emir Kusturica.

Ausstellung Joann Sfar | Foto: Thomas Hummitzsch

Dialoge zwischen Realität und Imagination

Der Franzose Joann Sfar ist einer der erfolgreichsten Comicautoren Europas. Sein Kinofilm »Gainsbourg« gewann drei Césars, die Trophäe des französischen Filmpreises. Im Januar 2014 konnte ich mich mit ihm in Dresden über sein umfangreiches Werk, dessen Verankerung in der jüdischen (Kultur)Geschichte und die Balance zwischen Realität und Imagination, Abgeklärtheit und Magie unterhalten.

Erotik im Comic ­– Ein Versuch, das Ungreifbare zu greifen

Der Gegenstand des Erotischen in der Neunten Kunst unterliegt in hohem Maße der Subjektivität des Autors. Erotik liegt schließlich im Auge der Betrachtenden und ist dem nagenden Zahn der Zeit sowie den kulturgesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterworfen. Die hier vorgestellten Comics sind im offenen Deutungsraum von Erotik, Sex und Porno zu verorten und könnten Ausgangspunkt einer Debatte sein, die überfällig ist. Auf die teils explizite Illustration des Beitrags sei an dieser Stelle ausdrücklich hingewiesen.

Geschichte in Bildern und Bildergeschichten

Mal bedienen sich Comicautoren historischer Themen, dann wieder Historiker der comicalen Erzählung. Die Herangehensweise ist immer wieder höchst verschieden, wie einige aktuelle Alben zeigen. Sie erzählen von der friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Berlin und Leipzig, von den persönlichen Irrwegen einer Fremdsprachensekretärin im Berlin der 1930er Jahre und den Lebenswegen illustrer historischer Randfiguren.

Abgründiges Vergnügen im Keller

Der Österreicher Ulrich Seidl zeigt in seinem Film »Im Keller«, welchen Leidenschaften Menschen abseits des Tageslichts nachgehen. Mit der Kamera ist er hinabgestiegen in die Wäsche-, Party- und SM-Keller der Republik Österreich und hat ihren Kern entschlüsselt.

Comics im Preisregen

In den USA wurden im Herbst die wichtigsten US-amerikanischen Comicpreise vergeben. Aus hiesiger Sicht erfreulich war nicht nur, dass viele der ausgezeichneten und nominierten Bände auch in deutscher Übersetzung vorliegen, sondern dass in allen drei Wettbewerben auch deutschsprachige Kunstschaffende vertreten waren.

Public Enemy in Hamburg/Germany 2000 | MikaV via wikimedia commons

»War das jetzt Scheiße? Oder war das quasi wahnsinnig, groß und frei?«

1989 schrieb David Foster Wallace ein Buch über die »Antimusik« der damaligen Stunde: Rap. Dieses erscheint nun mit dem vielsagenden Untertitel »Warum Rap, den Sie hassen, nicht Ihren Vorstellungen entspricht, sondern scheißinteressant ist und wenn anstößig, dann bei dem, was heute so abgeht, von nützlicher Anstößigkeit«. Ein Text, der Antwort gibt, ob sich die Lektüre eines 25 Jahre alten Buches lohnt, und eine Zitatensammlung, wie David Foster Wallace 1989 die ihn umgebende Subkultur wahrnahm.