Jens Harder schließt mit »GAMMA … visions« sein Opus Magnum einer großen Menschheitserzählung ab. Nachdem er in drei Bänden erzählt hat, wie die Menschheit in die Gegenwart gekommen ist, zeigt er nun, wie sie an ihr Ende gerät. Beim Blick darüber hinaus verschiebt er den Fokus von den Bildern, die wir über uns selbst machen, hin zu den Bildern, die wir uns zu machen fürchten.
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Die Schmerzen der Dichter vom Bahnhof Zoo
Unter der Überschrift »Der Geschmack der Worte« versammelten sich im Berliner Gorki-Theater am Samstag fünf Lyriker:innen zu einem Fest des widerständigen Wortes. Zehra Çirak, Dinçer Güçyeter, Lütfiye Güzel, José F. A. Oliver und Zafer Senocak machten nicht nur lyrisch deutlich, wie schal die Worte angesichts der rassistischen und menschenverachtenden »Eingleisung« von Bundeskanzler Friedrich Merz werden, der Migration jüngst pauschal zum Problem im Stadtbild erklärt hat.
WeiterlesenEin Kontinent aus Schädeln und Knochen
Der peruanische Schriftsteller Gustavo Faverón Patriau setzt in seinem grandiosen Roman »Unten Leben« aus Dutzenden Stimmen ein Mosaik der lateinamerikanischen Geschichte. Dabei macht er auf ebenso erschreckende, wie poetische Weise deutlich, wo das Verstehen der Welt an seine Grenzen stößt.
WeiterlesenIn eigener Sache: Dankesrede zur Verleihung der Übersetzerbarke
Am 15. Oktober 2025 wurde mir auf der Frankfurter Buchmesse die Übersetzerbarke des VdÜ, Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. verliehen. An dieser Stelle dokumentiere ich meine Dankesrede, in der ich über die Motive meines Engagements für die literarische Übersetzung spreche. Und darüber, warum wir mit Übersetzungen einen Wald betreten, aber das Meer finden.
WeiterlesenDeutscher Buchpreis geht an Dorothee Elmiger
Der meistnominierte ist auch der beste deutschsprachige Roman des Jahres. Dorothee Elmiger gewinnt den Deutschen Buchpreis 2025 mit ihrem düsteren Roman »Die Holländerinnen«, den die Jury als »faszinierenden Tripp ins Herz der Finsternis« bezeichnete.
WeiterlesenSie sollten wissen, was sie tun
Erst kürzlich schrieb ich hier über den Missstand der Übersetzungskritik in Deutschland. Dass die Literatur- und Kulturredaktionen selbsternannter Leitmedien kaum ein Blick für die Übersetzenden und ihre Leistung haben, bestätigt ein Blick in die Literaturseiten führender Medien zur Frankfurter Buchmesse.
WeiterlesenSchreiber der Apokalypse
Der ungarische Autor László Krasznahorkai erhält den Literaturnobelpreis 2025. Keiner habe die Welt so beschrieben wie der Ungar, schwärmt sein deutscher Verleger Oliver Vogel. In seinem Werk blickt er immer wieder in die gesellschaftlichen Abgründe, wo Hass und Gewalt toben. Susan Sontag nannte ihn deshalb einmal den »Meister der Apokalypse«.
WeiterlesenKongenial daneben oder: Kritik der Übersetzungskritik
Wenige Adjektive sind so überstrapaziert wie das titelgebende, wenn es darum geht, eine literarische Übersetzung einzuordnen. Ist das noch Lob oder schon Ausdruck einer Unfähigkeit? Wie steht es um die Übersetzungskritik im Land der übersetzten Dichter und Denker? Anlässlich des Hieronymustags habe ich über die Übersetzungskritik nachgedacht und mit einigen Übersetzenden gesprochen.
WeiterlesenDie universale Dummheit der »Kongenialität«
Ulrich Blumenbach hat das bahnbrechende Werk von David Foster Wallace fulminant ins Deutsche gebracht und sich als Sprachartist durch Joshua Cohens Welten geturnt. Die Gedichte von Dorothy Parker überträgt er ebenso rhythmisch wie die Romane von Jonatham Lethem und Raymond Chandler. Aktuell sitzt er an der Übersetzung von James Joyce unübersetzbarem Roman »Finnegans Wake«. Die Übersetzungskritik ist in seinen Augen besser geworden. Er sieht aber auch noch viel Luft nach oben, um zu zeigen, wie Übersetzungen die Grenzen des in der Literatur Sagbaren erweitern.
WeiterlesenBeim Sachbuch herrscht wenig Bewusstsein
Franka Reinhart übersetzt aus dem Englischen, vor allem aus dem Genre Sachbuch und der so genannten unterhaltenden Literatur. Michelle Obama oder die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin bringt sie ebenso ins Deutsche wie den irischen Sänger Rea Garvey oder die Historikerin Katja Hoyer. Als eine der Organisator:innen des Übersetzerzentrums in Leipzig erwartet sie, dass die intensive Arbeit von Übersetzenden nicht nur bei hochliterarischen Titeln gewürdigt wird. Gerade im Sachbuch sei Rezensent:innen oft nicht bewusst, welch Aufwand hinter den deutschen Texten steckt.
Weiterlesen»Das ist mir zu schulmeisterlich beurteilend«
Karen Nölle ist eine Grande Dame der Literaturübersetzung. Nobelpreisträgerinnen wie Alice Munro oder Doris Lessing gehören ebenso zu ihrem Portfolio wie Natur-Essayistin Annie Dillard oder Ursula K. Le Guin, die das Genre der Science Fiction in die Hochliteratur geführt hat. Zuletzt hat sie im Team die unübersetzbare Utopie »Immer nach Hause« übertragen, in wenigen Wochen erscheint der Erzählungsband »Der Tag vor der Revolution« in ihrer Übersetzung. Übersetzungskritik, so Nölle, sei oft schulmeisterlich bewertend, sie wünscht sich andere Möglichkeiten, über das Übersetzen zu sprechen.
WeiterlesenEs herrscht überwiegend Unsicherheit
Frank Heibert übersetzt aus dem amerikanischen Englisch die Werke von Don DeLillo, George Saunders und Richard Ford, zu seinen europäischen Autoren gehören Boris Vian, Raymond Queneau oder Curzio Malaparte. Er hat zahlreiche Übersetzerpreise erhalten und schreibt aktuell an einem eigenen Buch über das Literatur-Übersetzen. Ihm fehlen eine grundlegende literaturkritische Theorie des Übersetzens sowie eine fundierte Stilkritik in der Praxis.
WeiterlesenEs geht um die Gestaltung der Sprache
Patricia Klobusiczky übersetzt aus dem Französischen und Englischen. Ihre rhythmische Übertragung von Raphaëlle Reds Debütroman »Akidou« ist kürzlich mit dem Prix Premiere des Institut Français ausgezeichnet worden. Sie verleiht so unterschiedlichen Autor:innen wie Anne Serre, Marie Darrieussecq, William Boyd oder Petina Gappah eine deutsche Stimme. Sie bemängelt die Ignoranz der schöpferischen Arbeit der Übersetzer:innen und wünscht sich eine stärkere Auseinandersetzung mit der Form und Ästhetik eines Textes.
WeiterlesenÜbersetzende sind ansprechbar
Eine Buchmesse wie in diesem Frühjahr wird Thomas Weiler so schnell nicht wieder erleben. Für seine Übersetzung der »Feuerdörfer« erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse. Seine mit dem Celan-Preis ausgezeichnete Übertragung des Romans »Europas Hunde« stand ebenfalls im Fokus, weil der belarusische Autor Alhierd Bacharevic den Preis der Leipziger Buchmesse für Europäische Verständigung erhielt. Bei der literaturkritischen Betrachtung von Übersetzungen vermisst Weiler eine echte Stilkritik und wundert sich, warum so selten die Chance genutzt wird, das Wissen der Übersetzenden zu nutzen.
WeiterlesenEs braucht einen anderen Blick
Verena von Koskull war mit ihrer Übersetzung von Gian Marco Griffis Schelmenroman »Die Eisenbahnen Mexikos« für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 nominiert. Gerade sind die Debütromane »Die Insel und die Zeit« von Claudia Lanteri und »Verehrung« von Alice Urciuolo in ihrer Übertragung erschienen, im Frühjahr erscheint der letzte der fünf Mussolini-Romane von Antonio Scurati. Von einer echten Übersetzungskritik wagt sie kaum zu sprechen, der literaturkritische Blick auf die Texte reiche dafür nicht aus. Begeistern lässt sie sich regelmäßig von der Leidenschaft ihrer Kolleg:innen, die auf geradezu masochistische Weise für ihre Berufung brennen.
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