Der in Israel geborene und in London lebende Fotograf Nadav Kander spürt in seinen Bildern der Verletzlichkeit des Menschen nach. In seiner aktuellen Arbeit »Bodies. 6 Women. 1 Man« macht er den dünnen Firnis, der das Individuum von den äußeren Bedrohungen schützt, sichtbar.
Neueste Artikel
»Munch ist der perfekte Comic-Charakter«
Der expressionistische Maler Edvard Munch fasziniert bis heute die Massen. Der Norweger Steffen Kverneland hat rechtzeitig zum 150. Geburtstag des norwegischen Malers eine spektakuläre und bildgewaltige Comic-Biografie vorgelegt, die mit dem Mythos des unverstandenen Künstlers aufräumt. In Norwegen erhielt Kverneland dafür den wichtigsten Literaturpreis.
Spaziergänge durch Migropolis
Der 37-jährige Kunsthistoriker Teju Cole hat das gewagt, wovon ihm jeder Literaturagent im Vorhinein abgeraten hätte: Er hat die Komplexität New Yorks und das Lebensgefühl eines Zugewanderten in einem Panoramabild eingefangen.
WeiterlesenDas »Aleph« im Bolañoversum
Mit »Die Nöte des wahren Polizisten« ist ein weiteres Werk posthum aus dem Archivo Bolaño ans Tageslicht befördert worden. Viele unterstellen dem Roman einen allzu fragmentarischen Charakter und sprechen vom Ausbeuten eines Gesamtwerks. Womöglich aber bildet der Roman die Essenz eines Grenzen sprengenden Gesamtwerks.
Trügerische Erinnerungen
Julian Barnes erzählt in seinem mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman »Vom Ende einer Geschichte« auf faszinierende Weise, was es heißt, von der eigenen Lebensgeschichte eingeholt zu werden.
»Das Leben ist ein Hund, und die Angst ist gefährlich«
Die Wiener Schriftstellerin Anna Weidenholzer lässt in ihrem poetischen Roman »Der Winter tut den Fischen gut« ein Leben rückwärts laufen und entblößt dabei das entwürdigende System der modernen Arbeitswelt.
Das Fanal des 20. Jahrhunderts
Herfried Münklers voluminöses Werk »Der große Krieg. Die Welt 1914 – 1918« ist kein Geschichtsbuch, sondern eine Arbeit der politischen Analyse. Zwar erzählt der Berliner Politikwissenschaftler darin viele Geschichten und vermittelt überaus eingängig historische Fakten, jedoch nicht um ihrer selbst Willen, sondern um organisatorische und strukturelle Fragen der Machtpolitik zu verstehen, deren Relevanz bis in die Gegenwart reicht.
Klassenkampf mit Rückkopplung
Im vergangenen Jahr gewann Lisa Kränzler überraschend den 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Mit ihrem Auszug »Willste abhauen« aus ihrem Roman »Nachhinein« über zwei ungleiche Mädchen überzeugte sie die Jury.
»Das größte menschliche Laster ist die Feigheit«
Alexander Nitzberg ist es zu verdanken, dass mit »Meister und Margarita« Michail Bulgakows wichtigster Roman, der zugleich ein Meisterwerk der russischen Avantgarde ist, wiederentdeckt werden kann.
Mit Polza Mancini unter Spannung
Manu Larcenets Comic »Blast. Masse« wurde im Dezember von der Comic-Tagesspiegeljury zum besten Comic des Jahres 2012 gekürt. Mit »Blast. Die Apokalypse des Heiligen Jacky« ist im Mai der zweite Teil der Geschichte des mutmaßlichen Mörders Polza Mancini erschienen. Der vorletzte dritte Teil »Blast. Augen zu und durch« kommt im Dezember in die deutschen Buchläden.
Ein Verlegerleben zwischen Paris und New York
Der amerikanische Linksintellektuellenverleger André Schiffrin ist am Sonntag in Paris gestorben. In seiner 2010 erschienenen Autobiografie blickte er auf seine »Politischen Lehrjahre« in Paris und New York zurück und machte spürbar, wie sehr sein Leben und Schaffen mit der Tradition der französischen Literatur verbunden ist.
Das beste Dope der Welt
Im Mittelpunkt von Don Winslows packenden Krimis »Zeit des Zorns« und »Kings of Cool« steht ein verschworenes Triumvirat, das, als es von den mexikanischen Drogenkartellen unter Druck gesetzt wird, eiskalt zurückschlägt.
»Es schläft sich so schön mit Propofol«
Essayistisch reflektiert David Wagner in »Leben« sein Dasein mit einer Leber zerstörenden Autoimmunerkrankung sowie das Drumherum um die lebensrettende Organtransplantation.
Auf den Spuren Buddhas
Buddhismus – eine Religion des Friedens, des Ausgleichs, der Harmonie? Über kaum eine Weltanschauung wird in der Moderne mehr gesprochen und weniger gewusst. Mit Osamu Tezukas Manga-Serie Buddha wird Abhilfe geschaffen – für alt ebenso wie für jung.
Der 1989 verstorbene Japaner war Zeit seines Lebens ein Großmeister der japanischen Comics, ein Walt Disney unter den Mangakas. In der von 1972 bis 1983 in Japan erschienenen und nun erstmals in Deutschland editierten Serie erzählt Tezuka auf insgesamt über 2.000 Seiten die Lebensgeschichte des Buddhismus-Begründers Siddharta Gautama. Er bildet das unangefochtene Zentrum dieser umwerfenden Erzählung in schwarz-weiß (nur einzelne Seiten sind koloriert).
In bessere Verhältnisse hineingeboren hinterfragt Gautama früh das indische Kastensystem und beginnt, selbstbewusst seinen eigenen Weg zu suchen. Fasziniert von den großen Fragen des Lebens folgt er dem Pfad der Philosophie und der Neugier. Gautama ist der erste skeptische Entdecker Indiens. Um ihn herum reihen sich zahlreiche Schicksale und Geschichten, mit denen Tezuka eindrucksvoll von den Lebensverhältnissen im Indien im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit erzählt – vom menschenverachtenden Kastensystem, den brutal geführten Kriegen und den ärmlichen Verhältnissen auf dem Land. So ist diese Geschichte eingebettet in eine kluge Zeit- und Sozialkritik.

Die hierzulande in zehn Bänden erschienene Serie ist alles andere als ein religiöses Werbeprospekt. Tezuka wollte nicht missionieren, sondern seine Leser anregen, über die Welt nachzudenken. Nur konsequent daher, dass dieses famose Epos tief in der humanistischen Weltanschauung wurzelt.
Zugleich bedient er sich der klassischen Mittel der Neunten Kunst. Erstklassige Zeichnungen treffen auf packende Dialoge – für die formidable Übersetzung aus dem Japanischen ist John Schmitt-Weigand verantwortlich. Philosophische Tiefe wechselt mit humoriger Leichtigkeit à la Asterix, was die Lektüre der zehn Bände zu einem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Vergnügen macht.
Der Respekt und die Hochachtung vor dem Leben, die aus diesem mehrfach ausgezeichneten Werk sprechen, suchen in der Bildliteratur ihresgleichen. Die schnell geschnittenen Anime-Bilder machen eine geradezu spielerische Herangehensweise an die komplexe Entstehungsgeschichte des Buddhismus möglich. Buddha ist ein sagenhaftes Meisterwerk der menschlichen Existenz.
Auf der Suche nach der kosmischen Suppe
Nach dem riesigen Erfolg von »In Zeiten des abnehmenden Lichts« erzählt Eugen Ruge in »Cabo de Gata« von seinem ersten Versuch, seine Familiengeschichte zu erzählen. Vor zwanzig Jahren reiste er dafür nach Andalusien und scheiterte. Ein Glück, wie wir heute wissen.















