Alle Artikel mit dem Schlagwort: Leif Randt

Ein wahrhaftiges Buch!

Für mich ist es äußerst überraschend, dass Eva Menasses neuer Roman nicht auf einer der großen Buchpreislisten des Herbsts auftaucht. Die 1970 in Wien geborene Wahlberlinerin erzählt in »Dunkelblum« meisterhaft von einem NS-Verbrechen und seinen Folgen, ohne zur moralischen Aufarbeitungsliteratur zu verkommen. Weil sie sich nicht auf das Sensationelle des Moments, sondern das andauernd Alltägliche stürzt und so die Lebenslügen einer ganzen Dorfgemeinschaft aufdeckt. Ein Gespräch über Nazigewalt, überlieferte Wahrheiten und die Lasten der Gegenwart.

Wirklich Realismus?

Alles ist hier irgendwie »fast and furious«, aber nichts von wirklicher Dringlichkeit. Jerome, Tanja und ihre coolen Freunde blenden den Katastrophenmodus unserer Zeit vollkommen aus und drehen sich in Clubs, Restaurants oder auf Privatparties weiter um sich selbst. All das beschreibt Randt in einem flüssigen, eingängigen Ton, der Roman entwickelt in all seiner Banalität einen Sog. Und dennoch fragt man sich, was für eine Welt das sein soll, in der Politik und Gesellschaft maximal Randbemerkungen wert sind? Fehlt das nicht für den Realismus, der dem Roman an vielen Stellen attestiert wird?