Am untersten Ende der Gesellschaft

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Der mit zwei Silbernen Bären ausgezeichnete Film An Episode in the Life of an Iron Picker erzählt die Geschichte von Nazif und Senada, die in einem kleinen Dorf in bitterarmen und harten Verhältnissen leben. Den Lebensunterhalt der vierköpfigen Familie verdient Nazif mit dem Handel von Schrott, indem er Autos mit Hammer und Axt zerlegt und diese dann in Einzelteilen an Schrotthändler verkauft. Ein Knochenjob, wie der bosnische Oscar-Preisträger Danis Tanovic zeigt. 

Senada erwartet das dritte Kind, das im fünften Monat in ihrem Bauch stirbt. Als wäre das nicht Drama genug, beginnt nun die eigentliche Katastrophe. Im lokalen Krankenhaus kann man nur feststellen, dass eine Totgeburt eingeleitet werden muss. Man schickt sie dafür in die städtische Klinik, aber allein dorthin zu kommen, ist schon eine Herausforderung für die junge Familie. Weil Senada keine Krankenversicherung besitzt, lehnt man die dringend benötigte Behandlung dort jedoch ab.

Nazif soll 500 Euro zahlen, sonst werde man Senada nicht helfen, sagt ihm der zuständige Arzt. Dieses Geld hat die Familie aber nicht. Weder mit dem Einsammeln von Schrott noch dem Zerlegen des familieneigenen Wagens ist der Betrag annähernd aufzubringen. Während sich seine Frau in Schmerzen windet, lässt Nazif dennoch nichts unversucht, um seiner Frau zu helfen. Als nicht einmal eine Hilfsorganisation für Roma-Frauen Rat weiß (was dann doch sehr unglaubwürdig erscheint), hilft nur noch der „Betrug” mit einer anderen Versicherungskarte in einer anderen Klinik.

An Episode in the Life of an Iron Picker ist eine eindringliche Erzählung von Diskriminierung und gesellschaftlicher Ignoranz. Fassungslos sieht man dabei zu, wie Nazif und Senada – beides Laienschauspieler, die ihre eigene Geschichte erzählen – immer wieder gegen die unüberwindbaren Mauern der Roma-Diskriminierung laufen. Ihre Ausweglosigkeit ergibt sich aus der Identität, die ihnen zugeschrieben wird. Hauptdarsteller Nazif Mujic appellierte auf der Pressekonferenz zum Film an die Gleichheit der Menschen. Man dürfe nicht auf die Nationalität, den religiösen Hintergrund und die Hautfarbe schauen, wenn es darum geht, jemandem in Not zu helfen. „Wenn jemand in ein Krankenhaus kommt und verletzt ist, also blutet, dann sind wir doch alle gleich, dann muss einem Menschen doch geholfen werden”.

Eine starke Aussage eines starken Darstellers in einem politisch bemerkenswerten Film, der nicht ganz mit dem 2012 mit dem Goldenen Berlinale-Bären ausgezeichneten ungarischen Roma-Drama Nur der Wind mithalten kann. Tanovic erhielt für sein Roma-Drama zurecht den Großen Preis der Jury, sein Hauptdarsteller Nazif Mujic wurde als bester Darsteller geehrt.

3 Gedanken zu “Am untersten Ende der Gesellschaft

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