Alle Artikel in: Philosophie

Die Arten des Augenschließens

Die Leistungsgesellschaft wirft dein Einzelnen auf sich selbst zurück und zwingt ihn, sich ständig selbst auszubeuten. Dieser zerstörerische Narzissmus hat verheerende Konsequenzen. Vertrauen schwindet, das Interesse am Anderen geht verloren und das Individuum versinkt mehr und mehr in der Leere der Erschöpfung. Der Philosoph Byung-Chul Han lässt uns die Gesellschaft, der wir uns ausliefern, verstehen.

Kann denn Liebe Sünde sein?

Zwei kleine, aber kluge Bücher befassen sich mit den intensivsten aller Gefühle. Während Deutschlands bekanntester Nachkriegssoziologe Niklas Luhmann recht sachlich über die Liebe als »Motivation zur Selektion« schreibt, präsentiert der Philosoph Simon Blackburn eine überaus lesenswerte Ideen- und Mythengeschichte der Wollust.

Kleine Bücher mit großen Inhalten

Das Hamburger Institut für Sozialforschung hat renommierte Soziologen danach gefragt, wie angesichts der uns umgebenden postmodernen Verhältnisse mit den Klassikern der Soziologie umzugehen ist und inwiefern deren Theorien und Ansichten überhaupt noch Relevanz besäßen. Im Rahmen einer Vorlesungsreihe unter dem Titel »InstitutsMontage« wurden einzelne Gesichtspunkte von insgesamt zehn Klassikern der Soziologie diskutiert. Acht der Vorträge liegen in einer handlichen Kassette vor.

Vatileaks oder: Die Kriege im Vatikan

Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat mit seinem Buch »Sua Santità« die Vatileaks-Affäre ausgelöst. Kurz nach dem Erscheinen des Buches in Italien im Frühjahr 2012 wurde der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele festgenommen. Er soll dem Journalisten zahlreiche geheime Dokumente aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI. zugespielt haben und wird sich nun wohl vor Gericht verantworten müssen. Nun erscheint die deutsche Ausgabe von Nuzzis Enthüllungsbuch, das neben Abbildungen der Dokumente auch pikante Details zum Verhältnis des deutschen Papstes zu seiner Kirche in der Heimat enthält. »Seine Heiligkeit« ist für alle Beteiligten eine peinliche Angelegenheit.

Rousseau, der Tausendsassa

»Nichts ist mir so unähnlich wie ich selbst, so dass es sinnlos wäre, mich anders als durch meine Mannigfaltigkeit definieren zu wollen.« Diese Passage hatte der Philosoph und radikale Aufklärer Jean-Jacques Rousseau zwar nicht auf sich selbst gemünzt, sie passt aber wie kaum eine andere auf den politischen, gesellschaftlichen und moralischen Vordenker aus Genf. Wer war Jean-Jacques Rousseau? Vater des Gesellschaftsvertrags, Gründer der Naturphilosophie, Autor des Bildungsromans Emile oder über die Erziehung sowie der erst posthum veröffentlichen Bekenntnisse, Enzyklopädist, Morallehrer, streitbarer Aufklärer. Der Rousseau-Experte Josef Vogl bezeichnete den Vordenker der Moderne im Spiegel-Interview als »intellektuellen Projektemacher« und verglich ihn mit einem Brühwürfel, der, löst man ihn auf, das ganze 18. Jahrhundert in die Suppe bringt. Dieser denkschreibende Brühwürfel wird in diesem Jahr von seiner Heimatstadt Genf gefeiert wie ein Star. Rousseau pour tous, also Rousseau für alle lautet das Motto eines umfangreichen Jahresprogramms mit Musik, Theater, Empfängen, Kolloquien u.v.m. Dabei waren es die calvinistischen Oberen der Stadt, die den spät Zurückgekehrten erneut vertrieben, weil Rousseau in Emile die Offenbarungsreligionen scharf angriff und sich stattdessen für …