Von Hoffnungen und Wirklichkeiten
Der Amerikaner Joshua Ferris ist einer der jungen Wilden der amerikanischen Literatur. In seinem Roman »Mein fremdes Leben« erzählt er von der gefährlichen Sehnsucht nach Anerkennung und Gemeinschaft.
Der Amerikaner Joshua Ferris ist einer der jungen Wilden der amerikanischen Literatur. In seinem Roman »Mein fremdes Leben« erzählt er von der gefährlichen Sehnsucht nach Anerkennung und Gemeinschaft.
Nach seinem vielgelobten Debütroman »Das kalte Jahr« legt Roman Ehrlich mit »Urwaldgäste« ebenso verstörende wie betörende Erzählungen über die Widrigkeiten des Daseins vor. Ein Gespräch über die Arbeitsbedingungen der Moderne, den Menschen als Gestalter und den in die Irre führenden Anspruch eines sinnvollen Daseins.
Die amerikanische Schriftstellerin Lydia Davis gehört zu den besten Erzählern ihrer Generation. Im vergangenen Jahr hat sie den Man Booker International Prize für ihr Lebenswerk erhalten. Mit »Kanns nicht und wills nicht« liegen nun ihre neuen Erzählungen vor.
»Keep them entertained, keep them happy, keep them fed, keep them drunk.« Karen Köhler legt mit ihrer Erzählungssammlung »Wir haben Raketen geangelt« ein fulminantes Debüt vor. Raffiniert, rührend und radikal erzählt die Hamburgerin von der Fragilität der menschlichen Existenz.
Mit seinen Berichten und Reportagen aus der Parallelwelt der Gutbetuchten hat sich Truman Capote ebenso viele Freunde wie Feinde gemacht. Er verstand es wie kein anderer, den Schönen und Reichen lange genug den Honig um den Bart zu schmieren, um an die gewünschten Informationen zu gelangen. Und zugleich nahm er kein Blatt vor den Mund, wenn es anschließend darum ging, diese bestmöglich zu verwerten.
Der brasilianische Schriftsteller Luiz Ruffato hat eine Anthologie mit Erzählungen zusammengestellt, mit denen die Lesenden das WM-Gastgeberland »über eine der größten Leidenschaften seiner Bevölkerung« kennenlernen sollen. Es wird ein anderes Brasilien sein, als das, was uns in den nächsten vier Wochen von den Bildschirmen vermittelt wird. Gerade deshalb sollte dieses Buch jetzt gelesen werden.
In diesem Jahr hat sich das Ende eines radikalkommunistischen Experiments zum 35. Mal gejährt. Am 7. Januar 1979 eroberten vietnamesische Truppen einen Großteil Kambodschas und entrissen das Land den Steinzeitkommunisten um Saloth Sar alias Pol Pot. Heute vor 16 Jahren starb »Bruder Nummer 1«, in dessen Namen zwischen 1975 und 1979 fast zwei Millionen Menschen umgebracht wurden. Einige Neuerscheinungen erinnern an diese dunkle Stunde der Weltgeschichte.
Der Schriftsteller und Weltenbummler Ilija Trojanow hat mit »Wo Orpheus begraben« liegt eine Hommage an sein Herkunftsland Bulgarien geschrieben, in dem er die Mythen, die über das Schwarze Meer und den Balkan ziehen, mit den Geschichten der Bewohner dieser Region verbunden hat. Illustriert sind Trojanows Erzählungen mit quasi-dokumentarischen Fotografien von Christian Muhrbeck.
Der Schweizer Jonas Lüscher erzählt in seinem Debüt »Frühling der Barbaren« souverän vom Zusammenbruch aller Werte inmitten eines nihilistischen Urlaubsparadieses.
Literaturnobelpreisträger John Steinbeck und Magnum-Gründer Robert Capa reisten 1948 gemeinsam in die Sowjetunion, um das Leben der einfachen Russen zu dokumentieren. Ihre grandiose Reportage »Russische Reise« lässt diese Erfahrung nachvollziehen.
Der Verleger Klaus Wagenbach stellte in Berlin kürzlich seine fünf Lieblingsbücher vor. Ein Abend zwischen Franz Kafka und einer »dicken Merkel«, die als oberste Teutonin ihre Kampfzone in alle Richtungen ausweitet, um am Ende doch nur Monopoly mit allen Beteiligten zu spielen.
Nathan Englander gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen der Gegenwart. Mit seinen in »Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden« versammelten klugen, gewitzten und unter die Haut gehenden Erzählungen reflektiert er grandios das jüdische Leben nach dem Holocaust.
Nach dem riesigen Erfolg von »In Zeiten des abnehmenden Lichts« erzählt Eugen Ruge in »Cabo de Gata« von seinem ersten Versuch, seine Familiengeschichte zu erzählen. Vor zwanzig Jahren reiste er dafür nach Andalusien und scheiterte. Ein Glück, wie wir heute wissen.
Roberto Bolaño misst in seinem »Lumpenroman«, dessen Verfilmung »Il Futuro« gerade in den deutschen Kinos läuft, die Ränder und Ausläufer der grauenhaften Hölle aus, die der Chilene in seinen Texten immer wieder ergründet. Ein Blick in sein Werk macht dies deutlich.
Ist ein Leben nach dem Lager – wenn Humanität und Kultiviertheit unter den Eindrücken des Inhumanen ihre Relevanz verlieren – möglich, ohne ständigen Zweifel an der menschlichen Zivilisation? Dies ist die große Frage, die Warlam Schalamows »Erzählungen aus Kolyma« zugrunde liegt.