Ein folgenschwerer Achsenbruch
Der Schweizer Jonas Lüscher erzählt in seinem Debüt »Frühling der Barbaren« souverän vom Zusammenbruch aller Werte inmitten eines nihilistischen Urlaubsparadieses.
Der Schweizer Jonas Lüscher erzählt in seinem Debüt »Frühling der Barbaren« souverän vom Zusammenbruch aller Werte inmitten eines nihilistischen Urlaubsparadieses.
Esther Kinskys Roman »Banatsko« ist eine Hommage an eine aus der Zeit gefallenen Region am Rande Europas. Die Melancholie des Banat wird hier in eine Literatur voller Schönheit und Poesie übersetzt.
Literaturnobelpreisträger John Steinbeck und Magnum-Gründer Robert Capa reisten 1948 gemeinsam in die Sowjetunion, um das Leben der einfachen Russen zu dokumentieren. Ihre grandiose Reportage »Russische Reise« lässt diese Erfahrung nachvollziehen.
Der Portugiese António Lobo Antunes kratzt mit seinen Romanen am historischen Gewissen seiner Nation. Seine polyfonen Verarbeitungen der traumatischen Erfahrung des südeuropäischen Faschismus wartet noch auf die Anerkennung, die ihnen gebührt.
Der Verleger Klaus Wagenbach stellte in Berlin kürzlich seine fünf Lieblingsbücher vor. Ein Abend zwischen Franz Kafka und einer »dicken Merkel«, die als oberste Teutonin ihre Kampfzone in alle Richtungen ausweitet, um am Ende doch nur Monopoly mit allen Beteiligten zu spielen.
Michael Schischkin lässt zwei getrennte Liebende die wichtigen von den unwichtigen Dingen trennen. »Briefsteller« ist ein bewegender und großer Briefroman über die kleinen Momente des Glücks inmitten der größten Katastrophe.
Nathan Englander gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen der Gegenwart. Mit seinen in »Worüber wir reden, wenn wir über Anne Frank reden« versammelten klugen, gewitzten und unter die Haut gehenden Erzählungen reflektiert er grandios das jüdische Leben nach dem Holocaust.
Wenn die Aufgabe von Literatur darin besteht, dem Leser neue Welten zu eröffnen, dann gehört Chad Harbachs Roman »Die Kunst des Feldspiels« in jedes Buchregal.
»Die Südsee ist einigermaßen versaut worden, es muss einmal gesagt sein. Schuld haben die Missionare. Nirgendwo auf der Welt, in keinem noch so gottverlassenen Winkel, tragen sich die Damen so hochgeschlossen, so total bedeckt, wie hier, in den einstigen Paradiesen der Bounty und der Seahawk.« Wo, wenn nicht in der Südsee, verstecken sich die Robinsons unserer Zeit? Dieser Frage geht Ernst Augustin in seinem fantastischen Roman »Robinsons blaues Haus« nach.
Der 37-jährige Kunsthistoriker Teju Cole hat das gewagt, wovon ihm jeder Literaturagent im Vorhinein abgeraten hätte: Er hat die Komplexität New Yorks und das Lebensgefühl eines Zugewanderten in einem Panoramabild eingefangen.
Mit »Die Nöte des wahren Polizisten« ist ein weiteres Werk posthum aus dem Archivo Bolaño ans Tageslicht befördert worden. Viele unterstellen dem Roman einen allzu fragmentarischen Charakter und sprechen vom Ausbeuten eines Gesamtwerks. Womöglich aber bildet der Roman die Essenz eines Grenzen sprengenden Gesamtwerks.
Julian Barnes erzählt in seinem mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman »Vom Ende einer Geschichte« auf faszinierende Weise, was es heißt, von der eigenen Lebensgeschichte eingeholt zu werden.
Die Wiener Schriftstellerin Anna Weidenholzer lässt in ihrem poetischen Roman »Der Winter tut den Fischen gut« ein Leben rückwärts laufen und entblößt dabei das entwürdigende System der modernen Arbeitswelt.
Im vergangenen Jahr gewann Lisa Kränzler überraschend den 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Mit ihrem Auszug »Willste abhauen« aus ihrem Roman »Nachhinein« über zwei ungleiche Mädchen überzeugte sie die Jury.
Alexander Nitzberg ist es zu verdanken, dass mit »Meister und Margarita« Michail Bulgakows wichtigster Roman, der zugleich ein Meisterwerk der russischen Avantgarde ist, wiederentdeckt werden kann.