Krieg spielen mit Kriegsspielen
»Das Dritte Reich« ist die Keimzelle eines ebenso unheimlichen wie grandiosen Werkes. Roberto Bolaños Debütroman liegt endlich in deutscher Übersetzung vor.
»Das Dritte Reich« ist die Keimzelle eines ebenso unheimlichen wie grandiosen Werkes. Roberto Bolaños Debütroman liegt endlich in deutscher Übersetzung vor.
Kaum ein Schriftsteller von seinem Gewicht ist so schnell in Vergessenheit geraten, wie Thomas Brasch. Zahlreiche Bücher und ein Kinofilm ermöglichen es, sich auf ganz unterschiedliche Weise dem 2001 verstorbenen Dichter anzunähern.
Eva Hesse hat sich über ein halbes Jahrhundert mit Ezra Pound und seinem Werk auseinandergesetzt und legt nun erstmals eine deutsche Gesamtausgabe seiner »Cantos« vor, die der schwingenden Musikalität der Poundschen Verse gerecht wird.
Roberto Bolaño misst in seinem »Lumpenroman«, dessen Verfilmung »Il Futuro« gerade in den deutschen Kinos läuft, die Ränder und Ausläufer der grauenhaften Hölle aus, die der Chilene in seinen Texten immer wieder ergründet. Ein Blick in sein Werk macht dies deutlich.
Von der Rabenmutter aus dem schützenden Nest gestoßen erzählt Peter Wawerzinek in seinem mit dem Bachmannpreis gekrönten Roman »Rabenliebe« von einem Leben, das mit dem Winter nur eine Jahreszeit kennt.
Mahmud Doulatabadis Roman »Der Colonel« ist sprachgewaltiges Dokument über den Niedergang einer Gesellschaft und das Ende einer Familie, das unter die Haut geht. Der bereits vor 25 Jahren geschriebene, aber erst jetzt erschienene Text galt als Beleg der iranischen Missstände. Vor allem ist Doulatabadis Werk große Literatur.
Die Schriftstellerin Taiye Selasi eröffnete im Haus der Berliner Festspiele mit einer beeindruckenden Rede zur Frage, ob Literatur nationale oder kontinentale Kategorisierungen braucht, das 13. Internationale Literaturfestival in Berlin.
Der amerikanische Romancier T.C. Boyle verarbeitet in seinen Romanen »Wenn das Schlachten vorbei ist« und »San Miguel« die Sehnsucht des Menschen, sich die Welt Untertan zu machen. Dabei erzählt er die Geschichte des epochalen Wandels der Bedrohung des Menschen durch die Natur zur Bedrohung der Natur durch den Menschen.
Ist ein Leben nach dem Lager – wenn Humanität und Kultiviertheit unter den Eindrücken des Inhumanen ihre Relevanz verlieren – möglich, ohne ständigen Zweifel an der menschlichen Zivilisation? Dies ist die große Frage, die Warlam Schalamows »Erzählungen aus Kolyma« zugrunde liegt.
Eine unheimliche und seltene Krankheit steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Clemens J. Setz, dem schreibenden enfant terrible aus Österreich. »Indigo« ist eine schillernde Spurensuche nach dem Menschlichen im Menschen, ein berührendes Dokument des Scheiterns, eine sarkastische Abrechnung mit der (Pseudo)Wissenschaft und ein sprachartistischer Seiltanz auf höchstem Niveau.
Welche Existenz folgt dem Menschen und wie muss man sich Sein nach der menschlichen Zivilisation vorstellen. Mit seinem neuen Roman »Die Abschaffung der Arten« schreckt der ehemalige FAZ-Feuilletonist und SPEX-Chef Dietmar Dath seine Leser mit düsterer Zukunftsmusik. Dieser viel zu wenig gelesene Roman gehört zu den Grandiositäten der deutschen Literatur.
Wolfgang Herrndorf war einer der aufregendsten Literaten der jüngsten Zeit. Im Sommer nahm er sich nach langer Krankheit das Lebens. Mit seinem letzten Buch, dem Thriller »Sand«, spielte er mit Verfolgungswahn und Gedächtnisverlust und gewann den Preis der Leipziger Buchmesse. Der Deutsche Buchpreis blieb ihm verwehrt.
Daniel Kehlmanns neuer Roman »F« ist das Literaturereignis des Herbstes. Auf dem Buchumschlag ist nicht mehr zu sehen als ein konturloses, flimmerndes F auf schwarzem Grund. Ein Versuch, das Ungreifbare am Schopf zu packen.
Der Österreicher Nicolas Mahler beweist einmal mehr seine kongeniale Zeichenkunst und legt mit »Alice in Sussex« eine urkomische Version der Carroll’schen Zauberwelten vor, in der ein Frankenstein’sches Monster spazieren geht.
Ein stiller Ort in der Einsamkeit der mexikanischen Steppe. Der Wind treibt den Sand durch die in der Mittagshitze glühenden Straßen. An diesem Ort wohnt das Grauen: »Pedro Páramo«. In dem lateinamerikanischen Klassiker verschwimmen die Grenzen zwischen Leben und Tod, Diesseits und Jenseits, Erzählung und Subtext. Grandios und unheimlich.