»The nerds are alright«
Es gehört zur Logik unserer Zeit, Negatives mit einem positiven Duktus zu besetzen. Philipp Schönthaler nimmt die »optimierte« Gegenwart unter die Lupe und entlarvt sie als kalte, durchrationalisierte Moderne.
Es gehört zur Logik unserer Zeit, Negatives mit einem positiven Duktus zu besetzen. Philipp Schönthaler nimmt die »optimierte« Gegenwart unter die Lupe und entlarvt sie als kalte, durchrationalisierte Moderne.
Wie viel Verantwortung trägt der Einzelne, wenn alle Menschlichkeit verloren geht? Der Dramatiker Lukas Bärfuss rechnet in seinem Romandebüt »Hundert Tage« mit der Schweizer Entwicklungshilfe ab und hält dem wohlhabenden Westen den Spiegel vor.
Der Schriftsteller und Weltenbummler Ilija Trojanow hat mit »Wo Orpheus begraben« liegt eine Hommage an sein Herkunftsland Bulgarien geschrieben, in dem er die Mythen, die über das Schwarze Meer und den Balkan ziehen, mit den Geschichten der Bewohner dieser Region verbunden hat. Illustriert sind Trojanows Erzählungen mit quasi-dokumentarischen Fotografien von Christian Muhrbeck.
Die Gründe, warum sich Menschen Briefe schreiben, sind vielfältig. Hanna und Sebastian in Thomas Klugkists gleichnamigem Roman schreiben einander, um der Nähe, die sie füreinander empfinden, einen Raum zu geben. Sie wagen ein Doppelleben zwischen exzessiver Leidenschaft und intellektueller Seelennähe, in dem sie sich auf die Suche nach sich Selbst machen.
Kim Leines preisgekrönter Grönland-Roman »Ewigkeitsfjord« vereint Kolonialgeschichte mit Selbstsuche auf hohem Niveau und stellt im Kern die Frage, wie lange das Gewissen das Überschreiten der eigenen ethischen Grenzen ertragen kann.
Saša Stanišić erzählt in seinem Roman »Vor dem Fest« die Geschichten, die sich zwischen dem Wald und den zwei Seen am Rande der fiktiven Ortschaft Fürstenfelde im Laufe der Jahrhunderte zugetragen haben. Diese faszinierende Erzählung ist eine Verneigung vor der Uckermark und seinen Menschen.
In der Neuübersetzung von Diderots »Jacques der Fatalist und sein Herr« zeigt Hinrich Schmidt-Henkel, wie erfrischend modern und mit wie viel Witz Denis Diderots letzter Roman mehr als 200 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch daherkommt.
Saša Stanišić hat mit seinem uckermärkischen Dorfroman »Vor dem Fest« den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. »Der Schatten des Fotografen« des Kulturwissenschaftlers Helmut Lethen ist das beste Sachbuch des Frühjahrs. Robin Detjes Übersetzung von William T. Vollmanns »Europe Central« wurde als »berserkerhafte« Übertragung ausgezeichnet.
Mit dem Text »Vielleicht Esther« hat Katja Petrowskaja im vergangenen Jahr in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Darin hatte die in der Ukraine geborene und seit 1999 in Berlin lebende Autorin die Abgründe des Holocaust am Beispiel ihrer Urgroßmutter zu einem ebenso poetischen wie welthistorischen Kleinod der Literatur gemacht. Der gleichnamige Roman ordnet diese Geschichte in die Familienüberlieferungen ein.
Die Aufregung ist groß um Sibylle Lewitscharoffs Dresdener Skandal-Rede, in der sie in reaktionärem Ton der Moderne eine Absage erteilte. Konsequenzen werden gefordert, der Literaturbetrieb müsse reagieren. In der kommenden Woche hätte er die Möglichkeit.
Mit »Flut und Boden« erzählt der Historiker Per Leo die Geschichte seiner Familie. Anhand des Brüderpaars Friedrich und Martin ergründet Leo den Boden, auf dem das Dritten Reich entstanden ist. Obwohl das Buch den Untertitel »Roman einer Familie« trägt, geht der Text weit darüber hinaus.
In »Das Blutbuchenfest« entwirft Martin Mosebach ein überzeichnetes Beziehungsgeflecht zwischen zutiefst unsympathischen Mitgliedern der Frankfurter besseren Gesellschaft. Ihnen stellt er Ivana zur Seite. Alle Handlungsstränge laufen über die bosnische Putzfrau, in deren Heimat währenddessen der Krieg Einzug hält.
Fabian Hischmanns Selbstfindungsroman »Am Ende schmeißen wir mit Gold« erzählt in leichten Tönen und Knalleffekten vom Abschiednehmen und der Suche einer Zukunft in der Vergangenheit. Mit seinem Debütroman könnte der Berliner auf Anhieb den Literaturpreis der Leipziger Buchmesse erhalten. Beim Publikum liegt der Roman schon ganz vorn.
Ein Fußtritt des Vaters ist das auslösende Moment in Mathias Énards Abenteuerroman »Straße der Diebe«, mit dem der 20-Jährige Lakhdar direkt auf eine Bahn befördert wird, die ihn bis nach Barcelona bringt. Dort wird er vor eine verhängnisvolle Entscheidung gestellt.
Im November 2013 stellte Assaf Gavron in Deutschland seinen neuen Roman »Auf fremdem Land« vor. Darin erzählt er von der illegalen Siedlung Ma’aleh Chermesch im Westjordanland, in der sich die Interessen jüdischer Siedler und arabischen Einwohner, die Sicherheitsinteressen Israels und die Staatlichkeitsansprüche der Palästinenser, weltliche Politik und biblische Heilsversprechen überlagern. Nachfolgend wird der Einführungstext von Maria Hummitzsch zur von ihr moderierten Lesung aus Gavrons neuem Roman publiziert.