Larissa Bender übersetzt seit Jahrzehnten Literatur aus dem arabischen Raum, gerade ist sie für ihre Übertragung von Mustafa Khalifas »Das Schneckenhaus« mit dem renommierten Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet worden. In diesen Tagen erscheint die Übersetzung von mehr als zwei Dutzend Überlebensberichten aus Gaza, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Leonie Nückell übersetzt hat. Ein Gespräch über die psychische Belastung dieser Arbeit, strukturellen Rassismus im System und die Faszination der arabischen Literatur.
Larissa Bender, Sie übersetzen zeitgenössische Literatur aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien oder dem Sudan, in denen oft auch die Grausamkeiten geschildert wurden, denen Menschen in diesen Regionen ausgeliefert sind. Haben Sie so etwas wie Samar Yazbeks gesammelte Berichte von Überlebenden aus Gaza schon einmal übersetzen müssen?
Nein, die Schilderungen der Menschen aus Gaza, die versehrt, verstümmelt und psychisch traumatisiert von Katar aufgenommen wurden, wo Samar Yazbek sie interviewt hat, sind weitaus grausamer als alles, was ich bisher übersetzt habe. Das liegt vermutlich daran, dass die Texte nicht literarisch überhöht sind, sondern direkt beschreiben, was die Menschen erlebt haben. Als ich 2011 die erste Dokumentation von Samar Yazbek über die syrische Revolution und die monströs-brutale Reaktion des syrischen Regimes übersetzt habe, hatte ich durchaus auch Szenen von äußerster Grausamkeit. Wenn man übersetzen muss, wie vor den Augen der Berichterstatterin die Hirnmasse eines erschossenen Demonstranten auf die Straße quillt, muss man damit erstmal klarkommen. Natürlich steckt man das nicht einfach weg, ich habe damals gemerkt, dass ich plötzlich für ein paar Tage regelrecht arbeitsunfähig war. Aber ich hatte ja einen Abgabetermin und musste weitermachen.

Bei diesen Texten aus Gaza aber hat mich die beschriebene Unmenschlichkeit wirklich fassungslos und zeitweise depressiv gemacht. Aber nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch, weil das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung in Deutschland praktisch keine Beachtung erfahren hat. Der Hass auf Araber beziehungsweise Palästinenser scheint mir so groß zu sein, dass vielen Menschen jegliche Empathie für die palästinensische Zivilbevölkerung abhandengekommen ist. Das wurde von vielen Medien leider auch mitgetragen, es gibt genügend Untersuchungen darüber, wie wenig die deutschen Medien darüber berichtet haben.
Sie hatten bereits die Romane von Samar Yazbek übersetzt. Haben Sie dennoch gezögert, als Sie die Anfrage bekommen haben, das zu übersetzen?
Ja, auf jeden Fall. Denn zum einen habe ich mich gefragt, wer diese Zeugenaussagen lesen wird. Ich arbeite als Arabischübersetzerin ja sowieso für ein sehr kleines Lesepublikum, aber wenn ich befürchten muss, dass diese Texte nicht nur aus literarischen Vorbehalten, sondern auch aus politischen Gründen ignoriert werden, ist das noch frustrierender. Dann habe ich überlegt, dass vielleicht doch irgendwann die Zeit kommen wird, in der die Aussagen der Interviewten von Belang sein könnten. Es sind schließlich ihre ganz persönlichen Wahrheiten, und in der Gesamtheit der Texte vermitteln sie ein recht gutes Bild von dem, was in Gaza geschehen ist.
Warum ich aber auch gezögert habe, war die Befürchtung, als Übersetzerin für die Texte verantwortlich gemacht und angefeindet zu werden. Als wir mit der Übersetzung anfingen, war der Diskurs hier in Deutschland absolut einseitig gegen die Palästinenser gerichtet. Und der Überbringer der Botschaft wird ja häufig für die Botschaft verantwortlich gemacht.

Sie beschäftigen sich intensiv mit der Region, den oft leidgeprüften Erfahrungen und hier meist marginalisierten Positionen der arabischsprechenden Bevölkerung. Was hat Sie von diesen Berichten dennoch besonders getroffen oder ist besonders in Erinnerung geblieben?
Es war diese Direktheit, dieses Unvermittelte, mit der die Interviewten die Brutalität geschildert haben, die sie entweder am eigenen Leib erfahren haben oder die vor ihren Augen passierte. Es ging wirklich über das hinaus, was ich von syrischen Texten kenne. Wer die Aussagen liest, wird verstehen, was ich meine.
»Der Hass auf Araber beziehungsweise Palästinenser scheint mir so groß zu sein, dass vielen Menschen jegliche Empathie für die palästinensische Zivilbevölkerung abhandengekommen ist.«
Larissa Bender
Kann man sich derart viel Grauen beim Übersetzen physisch und psychisch irgendwie vom Leib halten?
Nein, das kann man nicht von sich fernhalten, dann wäre man eine Maschine. Ich muss mich ja bis zu einem gewissen Grad in die Interviewten hineinversetzen, muss mir vorstellen, wie es ist und was es bedeutet, wenn man noch nicht einmal in einem Krankenhaus sicher ist, wenn man vor den Trümmern seines Hauses und seiner gesamten Existenz steht, wenn man die ganze Familie verloren hat. Hinzu kommt, dass die Interviewten so Schreckliches erlebt haben und so traumatisiert sind, dass sie nicht chronologisch erzählen. Wir mussten also immer wieder versuchen zu verstehen, was gemeint ist, oder bei der Autorin nachfragen, um nachzuvollziehen, ob jemandem nur ein oder beide Beine amputiert wurden, oder ob zum Beispiel eine Familie bei der ersten oder bei der zweiten Bombardierung auch die dritte Tochter verloren hat. Die Arbeit am Text war sehr intensiv, und deshalb war ich wirklich froh, als ich die allerletzte Fahne gelesen habe und versuchen konnte, ein wenig Abstand zu gewinnen.
Ich bin in diesen Berichten immer wieder auf etwas Erschütterndes gestoßen, was ich so bislang nur in Atem Abu Saifs »Schau nicht nach links. Tagebuch eines Völkermords« gelesen habe. Ich meine die Hybridisierung des Krieges, das Scannen und Töten von Menschen aus der Distanz per Quadkopter, die auch das enorme Kräfteungleichgewicht verdeutlicht. Es gibt sogar ein eigenes Wort für diese Waffen. Wie ging es Ihnen damit? Und wie erklären Sie es sich, dass darüber hierzulande kaum gesprochen wird?
Ich beschäftige mich ja seit bald fünfzig Jahren mit der Region, seit dem Studium, deshalb habe ich natürlich ein recht genaues Bild von der Situation. Neu war für mich allerdings ein technisches Detail, nämlich der Irisscann durch Drohnen, durch den die israelischen Behörden die palästinensische Bevölkerung genau identifizieren können. Dass über solche Dinge hier nicht gesprochen wird, hat mit der Realitätsverweigerung in Deutschland zu tun. Man möchte das einfach nicht wissen. Die Gründe dafür sind bekannt. Zum Glück haben wir im deutschsprachigen Raum die Arte-Nachrichten, in denen wenigstens ansatzweise über die Situation in Gaza informiert wird.
Sie haben die 27 gesammelten Augenzeugenberichte gemeinsam mit Ihrer recht jungen Kollegin Leonie Nückell übersetzt. Wie war diese Zusammenarbeit und inwiefern hatten Sie das Bedürfnis, die junge Kollegin vor diesen Eindrücken zu schützen?
Wir haben die Texte untereinander aufgeteilt und, weil das Buch natürlich möglichst bald erscheinen sollte, die Übersetzungen direkt an unsere Lektorin geschickt. Ich habe die Texte der Kollegin in der Arbeitsphase also gar nicht gelesen, zum einen aus Zeitmangel, aber auch, weil ich psychisch mit meinen eigenen Texten schon genug hatte. In einem Rutsch habe ich das ganze Buch erst als kollationierte Fassung und als Fahne gelesen. In dieser Phase haben wir zusammen und mit der Lektorin noch recht viele Fragen geklärt.
Was den Schutz der Kollegin betrifft: Ja, nachdem ich zwei oder drei Berichte übersetzt hatte, habe ich mich tatsächlich gefragt, ob es ein Fehler war, die Kollegin zu fragen, ob sie das Buch mit mir zusammen übersetzt. Ich habe mich gefragt, ob sie das psychisch wirklich verkraften kann, und ihr angeboten, von dem Projekt zurückzutreten. Aber sie hatte sich schon in die Texte eingearbeitet und war bereit, das Projekt auch zu Ende zu führen. Aber natürlich hat sie die Übersetzung genauso mitgenommen wie mich.

Sie sind gerade für Ihre Übersetzung von Mustafa Khalifas Roman »Das Schneckenhaus« aus dem Arabischen mit dem Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet worden, der mit zwei Millionen US-Dollar einer der höchst-dotierten Literaturpreise ist. Das Preisgeld wird auf mehrere Preisträger verteilt wird. Wird das Preisgeld am Ende paritätisch verteilt oder gibt es eine feste Summe, die jede:r Preisträger:in bekommt?
Ja, es gibt feste Summen für den jeweils ersten, zweiten und dritten Preis in den unterschiedlichen Kategorien. Aber es werden in einer Kategorie nicht zwangsläufig alle drei Preise verliehen. Bei der Übersetzung aus dem Deutschen ins Arabisch wurden beispielsweise zwei zweite Preise und ein dritter Preis verliehen. In der umgekehrten Richtung war es diesmal nur der erste Preis.
Sie waren eine von zwei ausgezeichneten Frauen, wenn ich das auf dem Foto der Preisträger:innen richtig gesehen habe. Was bedeutet Ihnen dieser Preis und inwiefern entschädigt er für Ihr jahrelanges Engagement in einer viel zu wenig beachteten Sprache?
Der Preis bedeutet mir deshalb sehr viel, weil auch der Roman »Das Schneckenhaus«, mit dem ich mich beworben habe, für mich besondere Bedeutung hat. Es ist ein Roman, der in dem berüchtigten ehemaligen Gefängnis von Tadmor spielt, wo die Insassen unfassbarem Leid und grausamster Folter ausgesetzt waren. Und ich kenne sehr viele Syrer und Syrerinnen, die in syrischen Gefängnissen saßen, auch in Tadmor. Außerdem ist es eines der wenigen Bücher, die ich übersetzen wollte und für die ich tatsächlich einen Verlag gefunden habe. Meist entdecken die Verlage ihre Titel ja lieber selbst, ganz im Gegenteil zu dem Narrativ, dass wir Übersetzer*innen auch als Scouts dienen. Bei Arabisch ist das eher selten der Fall. Beim »Schneckenhaus« handelt es sich darüber hinaus um sogenannte Gefängnisliteratur, die sowieso nicht sonderlich gern in Deutschland verlegt und gelesen wird, obwohl wir ja mit der Lagerliteratur ein ähnliches Genre haben. Umso glücklicher war ich, als der Weidle-Verlag sich für das Buch interessiert und es verlegt hat. Ohne Stefan und Barbara Weidle wäre der Roman wahrscheinlich nicht auf Deutsch erschienen.
Wie kommen Sie denn meist an Ihre Aufträge?
Wie bereits erwähnt, ist es schwierig, arabische Literatur an die Verlage zu vermitteln. Bei den meisten Verlagen gibt es immer noch zu viele Vorbehalte gegenüber arabischer Literatur. Das hat verschiedene Gründe: Die Lektor:innen können die Bücher meist nicht lesen und sind komplett auf die Einschätzung der Übersetzer:innen angewiesen. Das ist vielen zu riskant. Und die Bücher stellen die Leserschaft auch vor ganz neue Herausforderungen, denen sich viele nicht aussetzen wollen. Man muss die Literatur in ihrem Kontext verstehen und sollte nicht mit einem an westlichen Maßstäben gefeilten Literaturverständnis an diese Bücher herangehen. Eine Zeitlang liefen die Informationen über die Long- und die Shortlist des 2008 ins Leben gerufenen International Prize for Arabic Fiction übrigens noch über die deutschen Ticker. Zu dieser Zeit wurden wir Übersetzer*innen häufig wegen Gutachten angefragt. Als das vorbei war, ging auch das Interesse der Kulturszene für arabische Literatur erneut zurück. Und nach den Ereignissen um den Roman »Eine Nebensache« von Adania Shibli im Jahr 2023 und dem Überfall der Hamas auf Israel ist die Lage noch schwieriger geworden. Da lauern nun überall Fallstricke, die zu vermeiden nicht einfach ist.
Wie ist denn die Nachfrage nach arabischer Literatur im deutschsprachigen Raum im Vergleich zum englischsprachigen Ausland? Und wie erklären Sie sich die Unterschiede?
Die Nachfrage nach arabischer Literatur hier in Deutschland ist sehr begrenzt. Es gibt eine eingefleischte Szene von Leser:innen, die sich allgemein für die arabische Welt interessieren, dazu ein paar sehr wenige Literaturkritiker:innen, die sich auskennen und dafür interessieren, aber eine breite Leserschaft ist nicht vorhanden. Aber wie sollen solche Bücher auch ein neues Publikum finden, wenn immer weniger Platz für Buchbesprechungen in den Medien zur Verfügung steht? Und wenn große Buchhandelsketten die Bücher von kleinen, unbekannten Verlagen nicht ins Sortiment aufnehmen? Es sind aber gerade die kleinen Verlage, die sich für arabische Literatur stark machen. In Großbritannien wird mindestens drei- oder viermal so viel übersetzt wie in Deutschland, sogar in Italien erscheinen pro Jahr weit mehr Übersetzungen aus dem Arabischen als bei uns. Es ist wirklich sehr frustrierend, denn wir verlieren dadurch den Zugang zu diesem großen Kulturkreis, der immerhin in unserer direkten Nachbarschaft liegt und aus dem mittlerweile viele Menschen auch bei uns leben.
Wie groß ist der geografische Raum, aus dem Sie uns Literatur erschließen?
Ich übersetze hauptsächlich Auto*innen aus dem Nahen Osten, also aus Syrien, Libanon, Palästina und theoretisch auch aus Jordanien. In diesen Ländern ähneln sich die Dialekte und die Lebensweisen sehr stark. Hinzu kommen Irak und Ägypten, aber da wird es schon etwas schwieriger. Da kann man schon mal in eine Falle tappen, weil man glaubt, ein Wort zu kennen, aber nicht weiß, dass dieses Wort in jenem Land eine andere Bedeutung hat. Noch schwieriger wird es bei Literatur aus den Maghrebstaaten, also aus Marokko, Tunesien, Algerien und auch Libyen. Ich war nur ein paar Mal in Marokko und in Tunesien, aber nie sehr lange, und wenn man den Alltag der Menschen, die politische Situation und die Diskurse nicht gut kennt, wird es schwierig, wenn auch nicht unmöglich.

Im Mai erscheint von Ihnen die Übersetzung von Stella Gaitanos Roman »Eddos Goldenes Lächeln«, der von zwei Frauen im Sudan handelt. Die südsudanesische Autorin lebt seit drei Jahren in Deutschland. Wie eng haben Sie mit ihr zusammengearbeitet und was war das für eine Erfahrung?
Ich muss gestehen, dass ich die Übersetzung ins Englische vorliegen hatte. Aber da das Arabische nicht so detailliert ist wie das Deutsche und sehr breit interpretierbar, hatte ich trotzdem viele Fragen an die Autorin. Eigentlich wollten wir uns treffen, weil sie ja nicht so weit entfernt wohnt, mussten die Fragen dann aus Zeitgründen aber über die Distanz klären. Schwieriger für mich war tatsächlich, mich in die Situation im Sudan einzudenken und einzufühlen. Ich war zwar einmal kurz in Khartoum, aber das genügt natürlich nicht. Ich wusste kaum, wie die Sudanesen wohnen und essen, wie die Häuser und Hütten aussehen, welche Art von Hof sie haben, welchen Bodenbelag und viele solche Details. Zumal gerade diese Fragen auch in dem Buch verhandelt werden, insbesondere in Bezug auf den Unterschied zwischen Süd- und Nordsudan. Der Roman spielt übrigens zur Zeit vor der Teilung. Ich hatte dankenswerterweise ein Recherche-Stipendium vom Deutschen Übersetzerfonds erhalten und konnte viele Bücher aus und über den Sudan lesen und sudanesische Filme sehen.
»Das Lesen von arabischer Literatur – und das gilt natürlich genauso für Literatur aus anderen Kulturkreisen – zeigt uns einen Weg auf, die vorgebliche Überlegenheit des Westens und den eigenen Eurozentrismus, der so tief in unserer Gesellschaft verankert ist, zu überdenken.«
Larissa Bender
Wenn Sie ein Plädoyer für die zeitgenössische arabische Literatur halten dürften, was genau würden Sie hervorheben wollen? Warum sollten wir uns alle öfter mit der Literatur aus dem arabischsprachigen Raum auseinandersetzen?
Literatur ist für mich der einfachste, kürzeste und direkteste Weg zum sogenannten »Anderen«, also um andere Kulturen kennenzulernen. Besonders in unserer heutigen Zeit ist das meiner Meinung nach wichtiger denn je, weil die Welt zwar immer mehr zusammenwächst, die Ressentiments aber eher zu- als abnehmen. Das betrifft besonders die arabische Welt. Aus dem Arabischen übersetzte Literatur zu lesen, ist zumindest der Versuch, dem anderen zuzuhören, zu versuchen, diese Kultur zu verstehen, sich ihr zu öffnen, Grau- und Zwischentöne kennenzulernen und die eigene Meinung über DIE Araber und DIE Muslime zu hinterfragen. Denn in diesem Bereich ist es ähnlich wie beim Fußball: Alle wissen es immer besser, auch wenn sie nur auf dem Sofa sitzen, und hauen gerne von Schwarz-Weiß-Denken bestimmte Plattitüden in den sozialen Medien heraus. Lesen hilft uns außerdem, Empathie für andere zu empfinden, und das ist etwas, was ich sehr vermisse. Gegenüber Arabern herrscht ein sehr subtiler Rassismus in unserer Gesellschaft, den viele bei sich selbst gar nicht merken oder sich nicht eingestehen. Ich bin sehr sicher, dass das Lesen von arabischer Literatur gegen diese Haltung hilft. Dann würde auch das Leid der Menschen in Gaza, die alles verloren haben, die in den Winterstürmen in ihren Zelten wegschwimmen, die aufgrund von Medikamentenmangel sterben, die keine Zukunft mehr haben und komplett traumatisiert sind, eher wahrgenommen werden.
Literatur aus und über Palästina










Zum Glück hat sich ja innerhalb der deutschen Bevölkerung schon sehr viel verändert in den letzten zwei Jahren, auch wenn die Berichterstattung immer noch sehr einseitig ist. Wenn überhaupt berichtet wird. Derzeit fällt der Name Gaza in den öffentlich-rechtlichen Medien nur im Zusammenhang mit dem Trump-Riviera-Plan. Über die Situation der Bevölkerung in diesem besonders harten Winter hört man hingegen nichts mehr. Ich bin fest davon überzeugt, und das ist auch mein Antrieb beim Übersetzen, dass Menschen, die arabische und palästinensische Literatur gelesen haben, mehr Mitgefühl für die Palästinenser empfinden. Das Lesen von arabischer Literatur – und das gilt natürlich genauso für Literatur aus anderen Kulturkreisen – zeigt uns einen Weg auf, die vorgebliche Überlegenheit des Westens und den eigenen Eurozentrismus, der so tief in unserer Gesellschaft verankert ist, zu überdenken, zumindest können wir für diese Themen sensibilisiert werden. Vielleicht kann der Gaza-Band von Samar Yazbek, den wir übersetzt haben, einen Beitrag dazu leisten. Das wäre jedenfalls mein großer Wunsch.

