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Foto: Thomas Hummitzsch

Implementierte Erneuerung

Zu einem gelingenden gesellschaftlichen Leben gehört die Frage, inwieweit sich Gesellschaften sich gegen ein Übergreifen dieser ökonomischen Kälte schützen können. Der deutsche Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe zerstörte 2019 in seinem Opus Magnum »Das kalte Herz« die Mythen des heilbringenden Kapitalismus. Michael Knoll legt eine Re-Lektüre dieser eindrucksvollen Geschichte des Kapitalismus dringend ans Herz.

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© Thomas Hummitzsch

Gesänge aus dem Lichtjahrgrab

Haltlos schwebt das Raumschiff »Aniara« durch das All, als die Erzählung des gleichnamigen Versepos‘ von Harry Martinson einsetzt. Dieses 1974 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Werk, »das den Tautropfen einfängt und das Weltall spiegelt«, war viele Jahre vergriffen. Nun ist dieser verschollene Klassiker in der wortgewandten Übersetzung von Lena Mareen Bruns im Guggolz-Verlag neu erschienen.

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© Thomas Hummitzsch

»Grausamer, als alles, was ich bisher übersetzt habe«

Larissa Bender übersetzt seit Jahrzehnten Literatur aus dem arabischen Raum, gerade ist sie für ihre Übertragung von Mustafa Khalifas »Das Schneckenhaus« mit dem renommierten Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet worden. In diesen Tagen erscheint die Übersetzung von mehr als zwei Dutzend Überlebensberichten aus Gaza, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Leonie Nückell übersetzt hat. Ein Gespräch über die psychische Belastung dieser Arbeit, strukturellen Rassismus im System und die Faszination der arabischen Literatur.

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»Menschen galten Le Guin nie als Krone der Evolution«

Matthias Fersterer ist einer von drei Übersetzer:innen hinter der preisgekrönten Übersetzung von Ursula K. Le Guins Opus Magnum »Immer nach Hause«. Er hat außerdem Essays der amerikanischen Autorin herausgegeben, gerade ist seine Übertragung ihrer Aeneis-Variation »Lavinia« erschienen. Le Guin hat in seinen Augen die Grenzen des Phantastischen erweitert und stets aus einer Perspektive des Mehr-als-Menschlichen geschrieben.

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© Christoph Schickl

Fotograf mit Adrenalin und Anstand

Der spanische Comicautor Manfred Sommer hat in den 1980er Jahren mit Frank Cappa die Figur eines Kriegsfotografen geschaffen, der sich auch nach Jahren inmitten des Grauens seinen menschenfreundlichen Blick bewahrt hat. Die Werke sind in Deutschland weitgehend unbekannt, und das ist eine Schande. Der avant-verlag schafft Abhilfe und bringt eine Gesamtausgabe auf den Markt.

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Spektakuläre Körperlandschaften, tanzende Buchstaben

Maddie Mortimer hat mit »Atlas unserer spektakulären Körper» einen Roman geschrieben, der sich in jeglicher Hinsicht vom Gewöhnlichen abhebt. Die Sprache wird hier selbst zum sich bewegenden Organ. Maria Meinels flirrend kreativer Übersetzung merkt man den Aufwand hinter ihrer Leichtfüßigkeit nicht an. Ein Gespräch über die Lust am Retour-Blitzbomben, das Erobern von Landschaften aus Lettern, über »schniefmiefen, schrämen und schamrotschnell schlingern« in einem spektakulären Roman, in dem eine junge Frau nach einer schrecklichen Diagnose sich und das Leben neu entdeckt.

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Zamonien auf Speed

Walter Moers hat mit »Qwert« einen weiteren Zamonien-Roman abgeliefert. Diesmal schickt er eine mittlerweile 15 Jahre alte Idee auf eine Abenteuerreise durch ein komplett durchgeknalltes Setting aus immer neuen Abenteuern. Im Zentrum steht noch mehr als in den bisherigen Büchern das Erzählen als solches und seine Auswirkung auf die Realität.

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Fabel-hafter Roadtrip

Fünfzehn Jahre hat der dänische Autor und Karikaturist Jakob Martin Strid an seinem »Fantastischen Bus« geschraubt. Nun liegt dieses überdimensionale Wunderwerk des Erzählens vor. Eine Kritik unserer Zeit und eine hoffnungsvolle Hommage an eine tierisch sympathische Schicksalsgemeinschaft.

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Neue Wege für eine neue Welt

Hannes Riffel ist nicht nur Fan der fantastischen und imaginären Literatur, sondern hat ihr im deutschen Sprachraum mehrfach ein Zuhause geboten. 2010 gründete er den Golkonda-Verlag, wechselte 2015 zu TOR, dem SciFi- und Fantasy-Imprint der S. FISCHER Verlag GmbH und gründete 2023 mit Carcosa einen weiteren Verlag für phantastische Weltliteratur, in dem Werke von Alan Moore, Becky Chambers, Samuel R. Delany, Joanna Russ und Ursula K. Le Guin erscheinen.

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»Der Zauber überträgt sich auf die Lesenden«

Ursula K. Le Guin war eine der einflussreichsten Schriftstellerinnen Amerikas. Keine Autorin hat so viele Preise und Auszeichnungen erhalten wie die 2018 im Alter von 88 Jahren gestorbene Autorin. Unter Science Fiction-Fans sind ihre Romane Kult, dabei passt ihr facettenreiches Werk in keine Genre-Schublade. Nun erscheint mit »Am Tag vor der Revolution« ein Band mit 25 Erzählung. Aus diesem Anlass sprach ich mit der Le-Guin-Übersetzerin Karen Nölle über diese außergewöhnliche Autorin und die Aktualität ihres Werks.

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»Ich verteidige schreibend meine Existenz«

Die queere Dichterin und Essayistin Jegana Dschabbarowa ist als Kind aserbaidschanischen Eltern 1992 im russischen Jekaterinburg geboren. In ihrem Debütroman »Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt«, als Buch des Jahres mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet, verarbeitet sie die körperliche Erfahrung von Krankheit, Stigmatisierung und Verfolgung in einer patriarchalen Gesellschaft. Ein Gespräch über Grenzerfahrungen, fehlende Geborgenheit und die Sehnsucht nach Begegnung in einer zerstrittenen Welt.

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»Le Guins Einfluss ist überall«

Dietmar Dath ist der deutsche SciFi-Papst, niemand im hiesigen Sprachraum kennt die internationale Szene der imaginativen Literatur wie er. Ursula K. Le Guin ist für ihn eine der bedeutendsten internationalen Stimmen der Szene. Sie habe ihn davon befreit, fantastisches Erzählen mit einem sozialen Nutzen zu verbinden. Deshalb solle man auch nicht versuchen, ihre Literatur direkt zu nehmen oder ihre Welten eins zu eins nachzubauen.

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Prix Goncourt 2025 geht an Laurent Mauvignier

Der französische Autor Laurent Mauvignier erhält in diesem Jahr den renommierten Prix Goncourt für sein Buch »La Maison vide«. Dies teilte die Académie Goncourt gestern mit. Sein ausgezeichneter Roman erzählt die Geschichte von vier Generationen in der Kulisse eines alten Landhauses. Zuletzt erschienen in Deutschland seine Romane »Geschichten der Nacht« und »Von Menschen«.

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