Ein viel zu volles »Scheißleben«
In Emmanuel Carrères fiktiv angereicherter Biografie »Limonow« begegnet man dem russischen Nationalbolschewisten und Schriftsteller Eduard Limonow, einem überaus spannenden und radikalen Protagonisten.
In Emmanuel Carrères fiktiv angereicherter Biografie »Limonow« begegnet man dem russischen Nationalbolschewisten und Schriftsteller Eduard Limonow, einem überaus spannenden und radikalen Protagonisten.
Die verrücktesten Bücher, die ich jemals gelesen habe, stammen aus der Feder von Mark Z. Danielewski. Der amerikanische Autor mit polnischen Wurzeln erzählt nicht nur mit Worten, sondern mit deren Inszenierung. Ob »Das Haus«, »Only Revolutions« oder »Das Fünfzig-Jahr-Schwert« – jedes Buch ist ein Ereignis.
Wolf Haas hat nach fünfjähriger Pause mit »Brennerova« endlich wieder einen neuen Brenner-Roman vorgelegt. In diesem Kriminalmärchen zur Globalisierung verschlägt es den kauzigen Privatermittler bis nach Russland und die Mongolei. Ein Kult erhält eine wohlverdiente und gelungene Fortsetzung.
Im April jährt sich der Völkermord an den Armenien zum 100. Mal. Anlässlich des traurigen Jubiläums veranstaltet das Internationale Literaturfestival Berlin gemeinsam mit dem Lepsiushaus in Potsdam eine weltweite Lesung aus Varujan Vosganians »Buch des Flüsterns«.
Frankreichs Gesellschaft scheint vereint wie nie. Die Solidarität unter dem Motto »Je suis Charlie! Je suis policier! Je suis musulman! Jes suis juif!« überdeckt die Angst vieler Franzosen vor dem Fremden. Während Michel Houellebecq in seinem Roman »Unterwerfung« mit dieser Angst spielt, gelingt Yannick Haenel mit »Die bleichen Füchse« ein treffendes Sittengemälde und revolutionärer Gegenentwurf.
In seinem neuen Roman lässt Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano einmal mehr seine magische Feder durch Zeit und Raum gleiten und ein historisches Bild des Paris wiederauferstehen, das man in seiner Heimat lieber vergessen wissen möchte.
Richard Flanagans Erinnerungsroman »The Narrow Road to the Deep North« setzt der banalen Gewalt des Krieges eine tiefe Menschlichkeit entgegen. Im Oktober gewann er mit dem Roman den Man Booker Prize. Vor der Preisverleihung hatte es intensive Diskussionen um die Änderungen der Regularien des bedeutendsten britischen Literaturpreises gegeben.
Wie sieht in Zukunft die Literatur aus? Welchen Einfluss hat der mediale Wandel auf das Beschreiben der Welt? Plädoyers an der Sollbruchstelle der Moderne oder: Die Reise zum Mond mit fliegender Untertasse.
Mit Eduardo Halfon gibt es einen neuen Stern am südamerikanischen Literaturhimmel. Sein schmaler Roman »Der polnische Boxer« ist ein fesselndes surrealistisches Großereignis, mit dem er sich aus dem Nichts in die Höhen von Jorge Luis Borges und Roberto Bolaño aufschwingt.
Donna Tartts »Der Distelfink« ist eine Hommage an das Schöne und Hässliche im Leben. Ganz nebenbei ist die fulminante Geschichte des Theo Decker herausragend unterhaltsam als Coming of Age- und Gesellschafts- wie auch als Kunst- und Kriminalroman.
Es geht neben vielen anderen Dingen um das Risiko rollender Walkadaver, die artgerechte Haltung von Fahrzeugen und die schreckliche Unglaubwürdigkeit der Wahrheit. Heinrich Steinfests »Der Allesforscher« ist ein vergnüglicher Unterhaltungsroman, in dem sich der Erzähler im Chaos der Globalisierung zu behaupten versucht.
Wenn man an Literatur das Kriterium der Debattenfähigkeit anlegt, dann ist Dave Eggers Roman »Der Circle« zweifelsohne das Buch des Jahres. Sprachlich wenig ambitioniert ist Eggers »Zukunftsvision« jedoch nicht mehr als ein pennälerhaftes Spiegelbild der Gegenwart. Mit »Replay« hat der Münchener Autor Benjamin Stein bereits vor zwei Jahren ein wahrhaft abgründiges Zukunftsbild zum digitalen Fortschritt vorgelegt.
Wenn sich die Wirklichkeit nach Prognosen richten würde, hieße der diesjährige Literaturnobelpreisträger nicht Patrick Modiano, sondern Ngũgĩ wa Thiong’o oder Haruki Murakami. Ein Blick auf das Werk der beiden Ausnahmeautoren, die als Favoriten in aller Munde waren, über die jetzt auf der Messe aber kaum noch jemand redet.
Seine Werke tragen poetische Titel wie »Im Café der verlorenen Jugend«, »Aus tiefstem Vergessen« und »Vorraum der Kindheit«. Der bekannteste Vertreter des französischen magischen Realismus Patrick Modiano erhält in diesem Jahr den Literaturnobelpreis.
Mit psychologischer Tiefe und erzählerischer Lust entblättert die Amerikanerin Meg Wolitzer in ihrem Roman »Die Interessanten« das Leben als Möglichkeit, die es zu nutzen gilt.