Eine Frau sucht sich selbst
Olga Grjasnowa erzählt von einer ganz normalen jüdischen Familie. Das wirkt ein Jahr nach dem 7. Oktober wie ein Echo aus fernen Zeiten.
Olga Grjasnowa erzählt von einer ganz normalen jüdischen Familie. Das wirkt ein Jahr nach dem 7. Oktober wie ein Echo aus fernen Zeiten.
Die Britin Samantha Harvey ist für ihren Roman »Orbital« mit dem wichtigsten Literaturpreis der englischsprachigen Welt ausgezeichnet worden. Damit hat erstmals seit 2019 wieder eine Frau den renommierten Booker Prize gewonnen. Der Roman, der von sechs Raumfahrer:innen erzählt, erscheint in dieser Woche in der Übersetzung von Julia Wolf unter dem Titel »Umlaufbahnen« auch in Deutschland.
Der algerische Autor Kamel Daoud hat für seinen aktuellen Roman »Houris« den renommierten Prix Goncourt erhalten. Darin erzählt eine junge algerische Frau ihre leidvolle Geschichte aus dem Bürgerkrieg der Neunziger Jahre. Die Übersetzung von Celan-Preisträger Holger Fock soll im Herbst 2025 bei Matthes & Seitz Berlin erscheinen.
Drei Menschen. Drei Liebes- und Lebensgeschichten. Drei Abgründe. Eshkol Nevo lässt die Figuren in seinem mitreißenden Roman mit sich selbst und der Welt hadern, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.
Im Jahr der 60. Präsidentschaftswahlen in den USA taucht in der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur vor allem ein Thema immer wieder auf: die Sklaverei. Erzählerisch facettenreich und stilistisch vielfältig gehen einige aktuelle Romane dem langen Schatten der Geschichte auf den Grund.
Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wurden nicht nur der Deutsche Buchpreis, sondern auch zahlreiche andere Preise vergeben. Zu den Ausgezeichneten gehören auch einige Übersetzer:innen. Ein willkommener Anlass, den Blick auf die diesjährigen Übersetzerpreise und ihre Preisträger:innen zu lenken.
Clemens Meyer hat ein Epos über die Brutalität des 20. Jahrhunderts geschrieben. In »Die Projektoren« verdichtet er die grausame Wirklichkeit mit Witz und Fantasie – und bändigt so das Chaos der Welt. Auch ohne Deutschen Buchpreis ist dieser Roman ein Solitär.
»Hey guten Morgen, wie geht es Dir?« von Martina Hefter ist der deutsche Roman des Jahres. Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse wurde die in Leipzig lebende Autorin ausgezeichnet. Hefter wird im November auch mit dem Großen Preis des deutschen Literaturfonds 2024 ausgezeichnet.
Die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang wird mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet, weil sie in ihrem Werk »die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens aufzeigt«. Damit geht der Preis zum ersten Mal überhaupt nach Südkorea. Die Autorin des Weltbestsellers »Die Vegetarierin« ist die achtzehnte Frau, die den Preis erhält.
Saša Stanišic spielt in seinen kaleidoskopisch angeordneten Erzählungen das Leben auf Probe durch und beweist, dass die Literatur ein Ort des Utopischen ist. Wie kaum ein anderer versteht er es, über die existenziellen Fragen des Lebens nachzudenken und dabei seinen Leser:innen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Die Longlist für den Deutschen Buchpreis ist da und zum zwanzigjährigen Jubiläum präsentiert sie sich in einem Kleid, als wären die letzten zwei Jahrzehnte unverändert am Buchmarkt vorbeigegangen. Die Konzern- und Großverlage dominieren, die unabhängigen Verlage kämpfen um Sichtbarkeit.
James Baldwin wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Der Kulturjournalist René Aguigah erschließt sein Werk so greifbar und lebendig wie niemand zuvor. Sein Porträt ist neben der wachsenden Gesamtausgabe die perfekte Einladung, sich in ein Werk zu vertiefen, dass einem immer wieder den Atem nimmt.
Der belarusische Autor Alhierd Bacharevic feiert in seinem Opus Magnum »Europas Hunde« den Eskapismus und die Kraft des freien Worts. Dass seine besten Romane in Belarus verboten sind, spricht für die erzählerische Kraft ihres Schöpfers.
Erstmals in der Geschichte des International Booker Prize gewinnt eine deutschsprachige Autorin den renommierten Booker Prize für internationale Literatur. Die Jury unter dem Vorsitz der kanadischen Schriftstellerin Eleanor Wachtel zeichnet die englische Übersetzung von Erpenbecks letztem Roman »Kairos« aus. Die Hälfte des mit 50.000 Euro dotierten Preises geht an den Übersetzer Michael Hofmann.
Die Französin Constance Debré schmeißt erst ihren Job als Anwältin hin, verlässt dann Mann und Kind und kündigt sogar ihre Wohnung, um neu anzufangen. In ihrem autobiografischen Roman »Love me Tender« schreibt sie über den aufreibenden Kampf, dem bürgerlichen Leben eine Absage zu erteilen und dennoch bei sich zu bleiben.