Eisner-Awards 2015 für »Saga« und »Hip Hop Family Tree«

Eisner-2015

In der gestrigen Nacht vom 10. zum 11. Juli wurden auf der Comic-Con in San Diego die renommierten Eisner-Awards vergeben. Einen einzigen großen Gewinner wie in den vergangenen Jahren gab es nicht. Die Serien »Saga« und »Lumberjanes« gewannen zwei Eisners, verschiedene »Little Nemo«-Titel räumten mehrere Preise ab. Einige der mit Amerikas wichtigstem Comicpreis ausgezeichneten Comics liegen auch in deutscher Übersetzung vor.

Was für eine eindrucksvolle Serie. Zum dritten Mal hintereinander sind die Macher des futuristischen Sternenkriegsepos Saga Fiona Staples und Brian K. Vaughan mit zwei Eisner-Awards prämiert worden. Staples wurde wie schon im Vorjahr als Beste Zeichnerin prämiert, gemeinsam mit Vaughan trug sie außerdem die zum Hattrick fehlende Trophäe für die Beste fortlaufende Serie davon. Einmal mehr bestätigt sich damit der Eindruck, dass es sich bei Saga um die aktuell kreativste und eindrucksvollste Comicserie handelt. Im Dezember erscheint im Cross Cult-Verlag der fünfte Sammelband der Serie in der Übersetzung von Marc-Oliver Frisch. Vaughan gewann gemeinsam mit Marcos Martin noch den Eisner-Award für den besten Webcomic. Ausgezeichnet wurde ihre Mystery-Story The Private Eye, die auch in der Kategorie Beste neue Serie nominiert war.

Das Beste Album haben die Cousinen Jillian und Mariko Tamaki mit This One Summer vorgelegt. Sie setzten sich unter anderem gegen Richard McGuires Hier, Stephen Collins Der gigantische Bart, der böse war und Bryan O’Malleys Seconds durch. In Ein Sommer am See – so der Titel der deutschen Ausgabe – erzählen sie von den gemeinsamen Ferienerlebnissen der beiden Freundinnen Rose und Windy, die zum letzten Mal unbeschwerte Wochen am See verbringen, während am Horizont das Unwetter namens Adoleszenz heraufzieht. Die Übersetzung des Comics von Tina Hohl, die gemeinsam mit Heinrich Anders Chris Wares Jahrhundertcomic Jimmy Corrigan. Der klügste Junge der Welt übersetzt hat, erscheint in den nächsten Wochen bei Reprodukt.

Den Eisner-Award für den besten Sachcomic gewann Ed Piskor mit dem zweiten Teil seiner faktenreichen Kulturgeschichte des Hip Hop. Sein bislang zur Trilogie angewachsener Comic Hip Hop Family Tree ist in den USA ein derartiger Erfolg, dass der Independent-Verlag Fantagraphics Comics erstmals in seiner fast 40-jährigen Geschichte ab August ein Comic als Monatsheft mit variierenden Titeln auf den Markt bringen. Der zweite Band in der Übersetzung von Stefan Pannor wird in den nächsten Wochen bei Metrolit erscheinen.

Die Beste Einzelerscheinung haben Evan Dorkin und Jill Thompson mit Beasts of Burden: Hunters and Gatherers vorgelegt. Der fünfte Teil der international erfolgreichen Krimi-Serie um den schwarzen Panther John Blacksad Blacksad: Amarillo von Juan Diáz und Juanjo Guarnido, der im vergangenen Jahr bei Carlsen erschienen ist, wurde als Bester Internationaler Comic ausgezeichnet. Als Bester Asien-Comic wurde Shigeru Mizukis fulminante Japan-Geschichte Showa ausgezeichnet, deren abschließender dritter Band im Herbst bei Drawn & Quarterly erscheint. Als Beste neue Serie wurden die Lumberjanes ausgezeichnet, die auch den Eisner-Award als Bester Teenagercomic erhalten haben. Als Beste Kindercomics wurden The Zoo Box von Ariel Cohn und Aron Nels Steinke sowie El Deafo von Cece Bell ausgezeichnet.

Die beste Short-Story hat die kanadische Webcartoonistin Emily Carroll mit When the Darkness Presses gezeichnet. Ihre mit dem Eisner-Award ausgezeichnete Geschichte kann man hier lesen. Carrolls Comic Through The Woods gewann auch den Preis für das Beste Album Reprint. Als beste Humor-Publikation wurde Richard Thompsons Anthologie The Complete Cul de Sac ausgezeichnet.

Mehrfach prämiert wurde Little Nemo in Slumberland. Die fulminante Nostalgie-Ausgabe Winsor McCay’s Complete Little Nemo des Taschen-Verlags erhielt neben der von Scott Dunbier herausgegebenen Künstleredition von Steranko Nick Fury Agent of S.H.I.E.L.D. den Eisner-Award als Beste Archiv-Sammlung. Die prächtige Ausgabe von Little Nemo: Dream Another Dream, herausgegeben von Josh O’Neill, Andrew Carl und Chris Stevens, erhielt die Eisner-Awards als Beste Anthologie und für das Beste Design. Dazu passte es, dass Eric Shanowers und Gabriel Rodriguez’ Fortschreibung Little Nemo: Return to Slumberland mit dem Eisner-Award für die Beste neue limitierte Serie ausgezeichnet wurde.

Darwyn Cooke, dessen Comicadaptionen der Parker-Kriminalromane von Richard Stark hierzulande eine begeisterte Leserschaft gefunden haben, wurde für seine monatlich wechselnden Titelbilder für DC mit dem Eisner-Award als Bester Cover-Künstler ausgezeichnet. Hellboy-, BPRD- und Baltimore-Inker Dave Stewart wurde als Bester Farbkünstler ausgezeichnet; der erste Teil von Alan Moores Baltimore ist gerade im Cross Cult-Verlag erschienen. Der Eisner-Award für den Besten Autor ging an Gene Luen Yang für seine Avatar-Serie, von der in Deutschland bislang zehn Bände erschienen sind. Die Teile elf und zwölf der Serie über den Herrn der Elemente sind für November 2015 und Februar 2016 im Cross Cult-Verlag angekündigt. Als Beste Künstlerin wurde Raina Telgemeier für ihren internationalen Bestseller Sisters ausgezeichnet Die deutsche Übersetzung Schwestern ist im Februar im Panini-Verlag erschienen. Den Eisner für die Beste Farbgebung trug J. H. Williams für seine Arbeit in The Sandman: Overture davon, den für das Beste Lettering Stan Sakai für seine Arbeit in Senso, Usagi Yojimbo Color Special: The Artist.

Die Website der Comics Alliance wurde mit dem Eisner-Award für die Beste Comic-Berichterstattung ausgezeichnet, die sich unter anderem gegen das renommierte The Comics Journal durchsetzte.

Deutschsprachige Comickünstler waren in diesem Jahr nicht mit im Rennen um die begehrten Comicpreise. Im vergangenen Jahr war Ulli Lust mit der amerikanischen Ausgabe von Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens noch für zwei Eisners nominiert. Im September werden noch die Harvey- und Ignatz-Awards vergeben, bei denen im letzten Jahr ebenfalls Ulli Lust sowie Reinhard Kleist nominiert waren. Die Ausschreibungen für die Preise laufen noch, so dass noch nicht klar ist, ob dort deutsche Künstler mit im Rennen sein werden.

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