Rasante Räuberpistolen
Der chinesische Regisseur Jiang Wen stellt mit »Gone with the Bullets« einen glitzernde Gangsteroperette vor, der Japaner Sabu schließt mit seinem überirdischen Roadmovie »Chasuke’s Journey« den Wettbewerb ab.
Der chinesische Regisseur Jiang Wen stellt mit »Gone with the Bullets« einen glitzernde Gangsteroperette vor, der Japaner Sabu schließt mit seinem überirdischen Roadmovie »Chasuke’s Journey« den Wettbewerb ab.
Auf der Zielgeraden wurde die Berlinale im Wettbewerb noch einmal nachdenklich. Nach der bildgewaltigen Eisenstein-Hommage von Peter Greenaway, der traumtänzerischen Hollywood-Elegie von Terrence Malick und den kraftvollen Jugenderzählungen von Sebastian Schipper oder Andreas Dresen waren an den letzten Tagen mit Beiträgen aus Osteuropa und Südostasien Filme zu sehen, die Identitätsfragen und -konflikte aufgreifen.
Sex war am Mittwoch auf der Berlinale ein großes Thema. Ob in Peter Greenaways spielerischer Hommage »Eisenstein in Guanajuato«, in der restaurierten Fassung von Mark Christophers »54: The Director’s Cut« oder in Sam Taylor-Woods Verfilmung des vermeintlichen SM-Bestsellers »Fifty Shades of Grey«.
In dem hervorragend arrangierten und wunderbar spielerischen Wettbewerbsbeitrag »Eisenstein in Guanajuato« werden vor dem Hintergrund eines Mexiko-Aufenthalts des russischen Regisseurs in den dreißiger Jahren Fragen nach Tod und Leben diskutiert. Ein herausfordernder Genuss für alle Sinne.
Der schmierige Anwalt Saul Goodman aus der erfolgreichen TV-Serie »Breaking Bad« bekommt seine eigene Story. Auf der Berlinale wurden die ersten beiden Episoden des Spin-Offs »Better Call Saul« gezeigt und lösten – nicht nur bei eingefleischten Fans – schiere Begeisterung aus.
Gibt es für die katholische Kirche einen richtigen Umgang mit den Missbräuchen Minderjähriger? Ist jede Schuld sühnbar? Diese Fragen stellt der chilenische Regisseur Pablo Larraín in seinem sehenswerten Wettbewerbsbeitrag »El Club«. Die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska konfrontiert in ihrem Film »Body« Hungerkult mit Spiritismus.
Sebastian Schipper und Andreas Dresen sind beide im Rennen um die Berlinale-Bären. In ihren Filmen »Victoria« und »Als wir träumten« erzählen sie davon, wie es ist, mit vollem Risiko die Hürde der Erwachsenwerdens zu nehmen. Bei Schipper scheitern fast alle Charaktere an dieser Hürde, bei Dresen kommen sie auf verschiedene Weise ins Straucheln.
Ein »Perlmuttknopf« dient als Faustpfand für ein Kind, viele Jahre später ist er der einzige Beweis eines schrecklichen Verbrechens. Patricio Guzmán zieht eine Linie zwischen der Zerstörung der indigenen Völker Chiles und den Verbrechen Pinochets.
Über Terrence Malicks »Knight of Cups« wird bis zum Ende der diesjährigen Berlinale und wahrscheinlich auch noch nach der Verleihung der Bären diskutiert werden. Genialer Scoop oder spirituelles Machwerk – die Meinungen gehen angesichts eines seltsamen Frauen- und Weltbildes auseinander.
Auf jedem Filmfestival gibt es die Beiträge, die nicht viel mehr bieten als Stars im Schlepptau, und jene, die mit unbekannten Gesichtern unglaubliche Geschichten erzählen. Das ist auch auf der Berlinale nicht anders. Und am dritten Tag startet mit dem ersten Wettbewerbsbeitrag aus Guatemala ein Film, der wie ein Schlag in die Magengrube fährt. Außerdem startete die französische Romanverfilmung »Aus dem Tagebuch einer Kammerzofe« im Wettbewerb.
Dem iranischen Regisseur Jafar Panahi ist es einmal mehr gelungen, heimlich einen Film zu drehen und ihn außer Landes zu schaffen. »Taxi« ist das Porträt einer Gesellschaft im ständigen Ausnahmezustand und eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Möglichkeiten.
Am Donnerstagabend wurden mit der Weltpremiere von Isabel Coixets historischem Drama »Nobody Wants the Night« die 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin eröffnet. Es ist bereits der siebente Beitrag von Isabel Coixet, 2009 war die katalanische Regisseurin Mitglied der Internationalen Jury.
Im Programm der 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin, die heute beginnen, verbergen sich spannende Dokumentationen mit Anbindung an Literatur und Kunst. Eine Übersicht der Dokumentarfilme zu Kunst und Literatur auf der 65. Berlinale – von außergewöhnlichen Kochbüchern und Künstlerporträts.
Am Donnerstag starten die 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Deutschlands größtes Filmfestival ist seit Jahren nicht nur Treffpunkt zahlreicher Stars und Sternchen, sondern auch ein Ort für den literarischen Film und die filmische Inszenierung des Autors. Von Franz Kafka über Philip K. Dick und Clemens Meyer bis hin zu E. L. James – eine Übersicht der Spielfilme mit literarischer Vorlage.
Der schwedische Regisseur Roy Andersson schickt in »Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach« sein Protagonisten mit Lachsack und Vampirzähnen in die Schlacht namens Leben. Seine skurrile Komödie erinnert an Meister des Dogma-Kinos wie Lars von Trier und Thomas Vinterberg, aber auch an die Könige der unerträglichen Leichtigkeit des Seins Wes Andersson und den frühen Emir Kusturica.