Alle Artikel in: Sachbuch

Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 | © Thomas Hummitzsch

Über Herbstbücher, Comics und Prachtbände

Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse sind da. In den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung sind jeweils fünf Titel nominiert. Nominiert sind Autor:innen wie Anja Kampmann, Katerina Poladjan, Norbert Gstrein oder Ines Geipel. Mit Ulli Lust ist auch wieder eine Comickünstlerin nominiert.

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Zukunftslabor oder Zone der Niedertracht?

Steffen Mau bezeichnete Ostdeutschland kürzlich als Laboratorium der Demokratie. Angesichts der anstehenden Wahlen in diesem Jahr lohnt es sich, auf das gesellschaftliche Klima zu schauen. Der Sammelband »Extremwetterlagen« versucht das als offene Feldforschung im Osten Deutschlands, der Essay »Mentalitäten« scheitert daran, die Spaltungstendenzen auf einen Begriff zu bringen.

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Die Zumutung der Fülle

Der deutsche Anglist Manfred Pfister ermöglicht mit seinem Prachtband »Englische Renaissance« etwas selten gewordenes: einen Raum zum Selberdenken. Auf 480 verspielt gesetzten Seiten führt er eindrucksvoll und facettenreich vor Augen, wie die britische Nationwerdung, die Reiseliteratur, der Religionsstreit und der Kolonialismus, wie Wissenschaft, Kriege, Buchdruck und (Bühnen)Kunst, wie der Blick auf die Frau, auf Arbeitswelten, Gesundheit und Klassenlagen die englische Renaissance geprägt haben.

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Implementierte Erneuerung

Zu einem gelingenden gesellschaftlichen Leben gehört die Frage, inwieweit sich Gesellschaften sich gegen ein Übergreifen dieser ökonomischen Kälte schützen können. Der deutsche Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe zerstörte 2019 in seinem Opus Magnum »Das kalte Herz« die Mythen des heilbringenden Kapitalismus. Michael Knoll legt eine Re-Lektüre dieser eindrucksvollen Geschichte des Kapitalismus dringend ans Herz.

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»Grausamer, als alles, was ich bisher übersetzt habe«

Larissa Bender übersetzt seit Jahrzehnten Literatur aus dem arabischen Raum, gerade ist sie für ihre Übertragung von Mustafa Khalifas »Das Schneckenhaus« mit dem renommierten Scheich-Hamad-Preis ausgezeichnet worden. In diesen Tagen erscheint die Übersetzung von mehr als zwei Dutzend Überlebensberichten aus Gaza, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Leonie Nückell übersetzt hat. Ein Gespräch über die psychische Belastung dieser Arbeit, strukturellen Rassismus im System und die Faszination der arabischen Literatur.

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Liebe dich selbst… und andere

Über Sex redet man nicht, Sex hat man, hieß es früher im Volksmund. Inzwischen ist zum Glück beides möglich. Die Bücher von Christopher Ryan und Cacilda Jethá, von Deepa Paul und Susann Rehlein bieten nicht nur eine gute Gesprächsgrundlage, sondern haben das Potential, die Sexualität ihrer Leser:innen nachhaltig zu verändern.

Postkoloniale Wirklichkeit

Der Journalist und Fotograf Issio Ehrich zeichnet in »Putsch. Der Aufstand gegen Europas Kolonialismus in Afrika« die jüngere (gesellschafts-)politische Entwicklung in Ländern wie Mali, Mauretanien, Senegal, Burkina Faso, Niger oder dem Tschad nach und zeigt, warum der Westen in der Region immer weniger Anhänger findet.

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Deutscher Sachbuchpreis geht an Comic

Mit Ulli Lusts »Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte« war erstmals überhaupt ein Comic für den seit fünf Jahren bestehenden Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Die Jury hat den mit 25.000 Euro dotierten Preis an Lusts essayistischen Comic vergeben, weil er »die starke Frau als Mensch« präsentiere. Ulli Lust schriebt damit ihre einmalige Erfolgsgeschichte fort, zum ersten Mal wurde mit ihrem Album ein Comic mit einem der großen deutschen Literaturpreise ausgezeichnet.

Kinder, Kriege, Kolonialismus

Für den fünften Deutschen Sachbuchpreis sind acht Titel nominiert, die aktuelle gesellschaftspolitische Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Dabei geht es um die im Titel genannten, aber auch um Jahrhundertmenschen, Erinnerungspolitik, Pflanzenkräfte, Technikglauben und die prähistorische Geschichte aus weiblicher Perspektive. Gesucht wird der Nachfolger von Christina Morinas Studie »Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren«.

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»Ich kann doch nicht sein, ohne zu schreiben«

Dass die Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel überhaupt in Vergessenheit geraten konnte, war für viele ein Skandal, die 2021 ihre Erzählungen gelesen haben. »Fern von hier« lautete damals der Titel des voluminösen Sammelbands. Nun kann man mit dem Band »Nah bei Dir« ihre Briefe lesen. Erst mit ihnen begreift man, unter welch beklagenswerten Umständen sie der Wirklichkeit ihre Prosa abgerungen hat.

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Herzhafte Buchstabensuppe

Ulrich Holbeins Kompendium »Jenseits im Nahbereich« versammelt Texte aus dem Leben eines Viellesers – Vom Aufsatz über Serienkiller in und außerhalb der Literatur über Erkundungen von Künstler:innengärten bis hin zur Kritik unentdeckter Wortschätze.

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Die Französische Theorie im Club Med

Der Berliner Kulturwissenschaftler Onur Erdur untersucht in »Schule des Südens«, was es heißt, in Zeiten kolonialen Unrechts zu philosophieren. Dabei legt er die kolonialen Wurzeln der französischen Theorie frei. Der Politikwissenschaftler Yascha Mounk vermutet dort die Ursprünge »einer gefährlichen Idee«.