Autor: Thomas Hummitzsch

Sandra Hüller in »Anatomie eines Falls« von Justine Triet | © Les Films Pelléas, Les Films de Pierre


Wahrheit und Fiktion

In Justine Triets »Anatomie eines Falls« spielt Sandra Hüller als Schriftstellerin und Mutter unter Verdacht groß auf. In Cannes gewann der Film die Goldene Palme, in London den Bafta für das beste Originaldrehbuch. Bevor der Film Ende des Monats im besten Fall fünf Oscars gewinnen kann, unter anderem auch Sandra Hüller als beste Hauptdarstellerin, startet Justine Triets Justizthriller hier für das Heimkino.

© Wallstein Verlag

»Kafka hat auch Trost zu bieten«

Reiner Stach ist Herausgeber der bahnbrechenden dreibändigen Kafka-Biografie sowie zahlreicher Kafka-Schriften. Kaum jemand ist so tief in den rätselhaften und labyrinthischen Kosmos des Prager Autors vorgedrungen, wie Stach. Nun gibt er im Wallstein-Verlag eine neue Leseausgabe von Franz Kafkas Werken heraus.  Im Interview spricht er über seine Motive und die Zeitlosigkeit von Kafkas Literatur.

Lektionen und Exkursionen zu Franz Kafka

»Irgendwann einmal wird man wissen, warum in unserem Jahrhundert soviel große Künstler so viele unlesbare Werke geschrieben haben. Und warum diese unlesbaren und ungelesenen Bücher wunderbarerweise dennoch Einfluß auf das Jahrhundert ausübten und berühmt sind«, notierte Witold Gombrowicz in seinem Tagebuch nach der Lektüre von Franz Kafkas Roman »Der Prozess«.

Benn Platt und Molly Gordon in »Theater Camp« von Nick Lieberman und Molly Gordon | © 20 Century Studios DE

Theater als Schule des Lebens

Die Bühnen-Komödie »Theater Camp« erzählt von jungen Menschen, die von den Bühnen der Welt träumen. Das fulminante und unterhaltsame Debüt von Nick Lieberman und Molly Gordon, in Sundance mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, ist eine Hommage an die rebellische Alternativkultur, die mehr und mehr verschwindet.

Emma Stone in »Poor Things« von Yorgos Lanthimos | © SearchlightPictures

Feministisch und surreal – »Poor Things« ist ein Meisterwerk

Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos hat mit »Poor Things« eine gleichermaßen poetische wie moderne Frankenstein-Variation gedreht. Der für insgesamt elf Oscars nominierte Film ist vom Drehbuch über die Besetzung und schauspielerische Leistung bis hin zur ästhetischen Bildsprache ein Meisterwerk, das unerschrocken und konsequent für die künstlerische Vision seines Machers spricht.

Johannes Hegemann, Liv Lisa Fries in »In Liebe, Eure Hilde von Andreas Dresen | © Frederic Batier / Pandora Film

Berlinale 2024: Kino in schmerzhaften Zeiten

Nach fünf Jahren ist die 74. Berlinale auch die letzte von Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. Einst trat das Duo mit dem Auftrag an, das von Dieter Kosslik heillos überfrachtete Festival künstlerisch und organisatorisch zu reformieren. Am Ende waren es vor allem die Sparmaßnahmen, die zur Verschlankung des Programms geführt haben, dem auch nach fünf Jahren eine klare Handschrift fehlt.

»Jeder hat sofort ein Bild von Kafka«

Seit einigen Jahren setzt sich der Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler mit der Hochkultur auseinander. Als Freibeuter im Meer der Weltliteratur macht er sich ein Werk nach dem anderen zu eigen. Zum 100. Todestag von Franz Kafka sind gleich zwei Arbeiten von ihm erschienen. Bereits im Vorjahr konnte ich mit ihm über Faszinierendes und Skurriles in Leben und Werk des Prager Schriftstellers austauschen.

Rote Armee Fraktion im Roman | © Thomas Hummitzsch

Dissidentisches Kopfkino

Stephanie Bart begibt sich für ihren bedrückenden Roman »Erzählung zur Sache« in die Gedankenwelt von Gudrun Ensslin. Dabei macht sie die Radikalisierung der RAF aus dem Inneren heraus verständlich, ohne die Taten zu rechtfertigen. In dem Versuch, dem dissidentischen Weltgeist eine Stimme zu geben, lassen sich Parallelen sowohl zu Klassikern wie Peter Weiss »Ästhetik des Widerstands« als auch zu Gegenwartsromanen wie Antone Volodines »Einige Einzelheiten über die Seele der Fälscher« ziehen.

Filmstill aus »Der Junge und der Reiher« von Hayao Miyazaki | Wildbunch Germany

Sagen Graureiher die Wahrheit?

In seinem nun mutmaßlich allerletzten Film führt der Begründer der längst legendären Ghibli-Studios Hayao Miyazaki zu den allerletzten Fragen. In diesem fantasievollen Alterswerk schimmert, schwirrt und wimmelt es in allen Ecken. Es ist gut möglich, dass der Japaner mit »Der Junge und der Reiher« seinen zweiten Oscar gewinnt.

Kafka Originals

Ob in der Schule oder später auf dem Sofa – um Franz Kafka kommen Menschen nicht herum, deren Herz für die Literatur schlägt. Wer verstehen will, wie der in Prag lebende Versicherungsbeamte mit seinen Schriften die Kultur bis heute prägt, muss sich in seine Textwelten begeben. Dazu laden verschiedene Neuerscheinungen ein, die kurz vor dem Kafka-Jahr erschienen sind oder bis zum 100. Todestag in den kommenden Wochen erscheinen.