Emanzipation reloaded
Zadie Smiths fünfter Roman handelt einmal mehr von der Bedeutung von Herkunft und Hautfarbe. Zuweilen gerät die Autorin von »Zähne zeigen« und »London NW« dabei ins Straucheln.
Zadie Smiths fünfter Roman handelt einmal mehr von der Bedeutung von Herkunft und Hautfarbe. Zuweilen gerät die Autorin von »Zähne zeigen« und »London NW« dabei ins Straucheln.
Der Deutsche Buchpreis geht in dieser Woche in die nächste Runde. Unabhängig davon, wer es mit seinem aktuellen Werk auf die Shortlist schafft, steht eines schon von vorneherein fest: die Vielfalt der deutschen Gesellschaft bildet auch dieser Buchpreis nicht ab. Dabei gibt es einige ausgezeichnete Werke, denen es gelingt, mehr Vielfalt in die deutsche Literatur zu bringen und aus der eingefahrenen deutschen Perspektive zu führen. Ihren Autoren gehört die Zukunft.
Was heißt es, ein Iraner in Deutschland zu sein? Shida Bazyar wagt in ihrem Debüt »Nachts ist es leise in Teheran« einen großen Sprung, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Er führt ihre Helden von der iranischen Revolution zu den Protesten gegen die schlechte Bildungspolitik in Deutschland. Dabei erzählt sie die Geschichte einer Familie, die in zwei Generationen Flucht, Heimweh, Ankommen und Aufbruch erlebt.
Mit 86 Jahren erzählt Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison noch einmal brillant vom Rassismus in den USA. Größer, kraftvoller und poetischer als ihr Roman »Gott, hilf dem Kind« kann Literatur nicht sein.
Rudolph Herzogs fantastische Berlin-Erzählungen konfrontieren die Leser mit »Truggestalten« und lassen sie zwischen Gegenwart und Vergangenheit wandeln.
Die amerikanische Autorin Molly Antopol gastiert noch bis zum Sommer an der American Academy in Berlin. Ein Gespräch über das Leben in der Hauptstadt der Hoffnung, die USA unter Donald Trump und darüber, was es heißt, amerikanisch zu sein.
Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017, verheißt schon der Titel von Brigitte Kronauers neustem Roman »Der Scheik von Aachen« sowohl eine interessante Lektüre als auch versierte Einbettung in die deutsche Literatur und Geschichte. Doch weder die durchaus überraschende Wahl des Handlungsortes Aachen – der Krönungsstadt deutscher Könige und Kaiser – noch der intertextuelle Verweis auf Wilhelm Hauffs Märchenalmanach »Der Scheik und Alessandria und seine Sklaven« oder das literarische Zusammenspiel von Handlung und Erzählweise können dieser Verheißung ausreichend gerecht werden. Schade, denn Kronauers Wortwitz und komische Bosheiten rücken dadurch in den Hintergrund.
Der Berliner Schriftsteller und Bühnenautor Jakob Nolte hat mit »Schreckliche Gewalten« einen aufwühlenden und surrealen Roman über ein Geschwisterpaar in den siebziger Jahren geschrieben. Wir sprachen mit ihm über literarische Hegemonialketten, den Einfluss von Fernsehserien auf das Schreiben sowie das verführerische Angebot der Literatur.
Es geht ein Gespenst um in der Literaturwelt. Es ist das leseroptimierte Buch. eBook-Lesende sollten vorsichtig sein, denn sie werden längst intensiver analysiert, als sie ahnen. Die Zukunft des Buches war auch Thema bei der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse und des Kurt Wolff Preises für besondere Leistungen unabhängiger Verlage. Ein Augen- und Ohrenzeugenbericht von der Leipziger Buchmesse.
Journalismus, politische Intrigen und Aufklärung stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander. Ohne investigative Recherche würde so mancher politische Skandal unentdeckt bleiben, wie der Journalist und Drehbuchautor Achim Zons in seinem verblüffend realistischen Kunduz-Medien-Thriller »Wer die Hunde weckt« zeigt.
Hanya Yanagiharas aufwühlendes Freundschaftsepos »Ein wenig Leben« ist ein Extremfall der Literatur. In seiner postmodernen, post-migrantischen, post-sexuellen und Post-Gender-Form nötigt er zur permanenten Grenzüberschreitung.
Am 28. März wird die Berliner Kritikerin und Autorin Gisela von Wysocki mit dem Heinrich-Mann-Preis 2017 der Akademie der Künste ausgezeichnet. Damit wird nicht nur Wysockis umfangreiches essayistisches Werk geehrt, sondern dezidiert auch ihre Romane, in denen es der Schriftstellerin gelungen sei, „den poetisch durchleuchteten Lebensmoment zum Element einer Großform zu machen, in der das Romanhafte und Autobiographische ineinanderschwingen”, so die Jury. Doch bedeutet literarische Virtuosität nicht zwangsläufig eine lohnende Lektüre, sondern manchmal auch verpasste Chancen, wie sich an Wysockis zweitem Roman »Wiesengrund« ablesen lässt.
1979 beginnt der amerikanische Autor James Baldwin ein Buch über eine Reise zu schreiben, »von der ich immer wusste, dass ich sie eines Tages antreten werde«. Über 30 Seiten ist er nie hinausgekommen, Raoul Peck hat sein Manuskript nun verfilmt. Der Dokumentarfilm »I’m not your Negro« ist ein bewegender Beitrag zum Rassismus in den USA und ein Meisterwerk des politischen Kinos.
Die Berlinale geht in ihr Abschlusswochenende, 18 Filme konkurrieren um die Bären, die am Samstagabend vergeben werden. Auf einen absolut herausragenden Beitrag wartete man im Wettbewerb bis zum Schluss vergeblich. Dennoch gibt es einen Geheimfavoriten. Der stärkste Film des Festivals lief in der Sektion Panorama.
Über zwanzig Jahre, nachdem Danny Boyle seine neuen schottischen Helden durch den Drogensumpf von Edinburgh begleitet hat, gibt es nun ein Wiedersehen. Es lebe der Punkrock!