Erzählungen, Klassiker, Literatur, Roman

»Es gibt nichts auf- und anregenderes als Sprache«

Mechtilde Lichnowsky ist eine große Unbekannte der deutschen Literatur der 20. Jahrhunderts. Mit der von Hiltrud und Günter Häntzschel sorgfältig editierten »Werke«-Ausgabe kann man gut die Hälfte der facettenreichen und sprachlich herausragenden Texte der adligen »Fanatikerin der Prosa« entdecken. Und mit ihnen eine Stilistin ersten Ranges.

Mechtilde Lichnowsky wurde am 8. März 1879 als Urururenkelin der Kaiserin Maria Theresia von Österreich geboren. Standesgemäß erhält sie im Klosterinternat in Vorarlberg eine strenge Erziehung, lernt neben der französischen auch die englische Sprache. In München fällt die junge Frau aufgrund ihres Kunstverstandes auf, hingezogen fühlt sie sich aber nicht zu ihresgleichen, sondern zu dem jungen britischen Militärattaché Ralph Harding Peto. Auf Drängen ihrer Eltern wird sie aber den deutlich älteren Gutsbesitzer und deutschen Botschafter in London Karl Max Fürst Lichnowsky (nicht zu verwechseln mit Karl Marx) heiraten. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

Lichnowsky interessiert sich aber nicht für Politik, sondern für Kunst und Kultur. Sie unterhielt Freundschaften in die deutsche Kunst- und Kulturszene ihrer Zeit. Hermann Graf Keyserling, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, René Schickele, Max Reinhardt, Carl Sternheim, Annette Kolb, Johannes R. Becher, Kurt Wolff und Karl Kraus sind nur einige Namen, die in ihrem Umfeld (und in ihren Schlössern Grätz und Kuchelna in Mährisch-Schlesien) auftauchen. Ihre Räume sollen mit Kunstwerken von Oskar Kokoschka, Franz Marc und Pablo Picasso ausgestattet gewesen sein. Während ihrer Zeit in London (1912 bis 1914) lernte sie auch George Bernhard Shaw und Rudyard Kipling kennen. In London beziehungsweise auf einer Reise nach Ägypten im Jahr 1913 begann sie, ein facettenreiches, mitunter selbstironisches und in expressionistischen Wendungen verfasstes Reisetagebuch zu schreiben. »Wir sind auf unserer Insel zu jener Nachmittagsstunde angekommen und von jener Beleuchtung umfangen worden, die jegliche Müdigkeit vergessen macht«, lautet der erste Satz aus ihrem Werk.

Mechtilde Lichnowsky: „Werke“. Im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung ausgewählt und herausgegeben von Hiltrud und Günter Häntzschel. Mit einem Vorwort von Eva Menasse. Bibliothek Wüstenrot Stiftung. Autorinnen des 20. Jahrhunderts. 1.872 Seiten, gebunden, vier Bände im Schuber. € 60.- Paul Zsolnay Verlag. Hier bestellen.

Der größte Teil des ersten Bandes dieser Werke-Ausgabe – die auf über 1.800 Seiten immerhin reichlich die Hälfte des Gesamtwerks zur Lektüre anbietet – ist mit den Berichten aus Ägypten gefüllt, mit Eindrücken der Besuche der Königsgräber oder des ägyptischen Museums. Die Ramses-Statuen findet sie an den Berg gelehnt »auf glatten Thronen, ohne andere Beschäftigung als die des Dominierens durch steinerne Milde«. Ihre genauen Beobachtungen hat Lichnowsky nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern festgehalten. In Ägypten hat sie zahlreiche Skizzen angefertigt – hier blitzt ihr Zeichentalent das erste Mal auf – und auch so manchen Kunstgegenstand erworben, wie man den Fotografien entnehmen kann.

Man kann den tagebuchartigen Texten entnehmen, wie tief beeindruckt die Fürstin von Ägypten war. Der erste Band schließt mit einem lyrischen Aprilscherz (anstelle eines Briefes), den sie 1917 für Karl Krauss geschrieben hat. Darin heißt es:

Klar erspäht sein Falkenauge
alles in Natur und Kunst;
rücksichtslos in scharfer Lauge
legt er Gier, gefälschte Brunst,
Kniet vor Gott, den Geld verhunzt,
rettet, was für’s Herz ihm tauge
aus der Goldlust Feuersbrunst,
und wie gibt aus Herzerbarmen
so viel Liebe er und Gunst.

In diesen Zeilen erkennt man schon die Verehrung, die Lichnowsky dem Wiener Publizisten und Herausgeber der »Fackel« Karl Kraus entgegenbrachte. Beide pflegten über Jahre eine besonders enge Freundschaft, Kraus hat sie im Sommer 1921 gar vor dem Ertrinken in der Moldau gerettet. Die Nestroy-Vorlesungen seines Theaters der Dichtung unterlegte sie musikalisch, in ihrem ersten und umfangreichsten Roman (so man den Prosatext »Der Stimmer« nicht als Roman behandelt) »Geburt. Liebe, Wahnsinn, Einzelhaft« (in der Werkausgabe nur »Geburt« genannt) verewigte sie ihn – »ein Auge höher als das andere gestellt« – in der Figur des Schriftstellers Matthias Lanner.

Jens Malte Fischer: Karl Kraus. Zsolnay Verlag 2020. 1.104 Seiten. 45,00 Euro. Hier bestellen.

Vor knapp zwanzig Jahren ist im Göttinger Wallstein Verlag der Briefwechsel zwischen Kraus und Lichnowsky erschienen, die sich wohl gegen Ende des Ersten Weltkriegs durch die gemeinsame Bekanntschaft zu Kurt Wolff kennengelernt haben. Kraus und Lichnowsky bildeten mit der böhmischen Baronesse und Salondame Sidonie Nádherný von Borutin eine Art avantgardistische Dreierbeziehung, über deren Intensität vielfältig spekuliert wurde. Jens Malte Fischer schrieb in seiner großen Kraus-Biografie, dass der Frauenverehrer und Frauenversteher in der Begegnung mit den beiden Frauen gelernt habe, »dass es Frauen gab, die nicht nur erotische Genusswesen waren, sondern auch geistige, literarische und andere künstlerische Leistungen erbringen konnten.« Kraus selbst schrieb zu seiner Verehrung beider Damen: »Was immer sein mag, bin zwischen Lebens- und Sterbensüberdruß immer für diesen! Aber ich, wenn es S[idonie]M[echtilde] nicht mehr gibt, mache Schluß.« Fast hätte Kraus sein Hauptwerk, »Die letzten Tage der Menschheit«, Sidonie Nádherny und Mechtilde Lichnowsky gewidmet.

Lichnowsky war für den Publizisten Kraus vor allem als Zuträgerin und Impulsgeberin für die Fackel bedeutsam. Dabei bediente er sich allerdings zuweilen so dreist an ihren Berichten und Anekdoten, dass die damals in London lebende Lichnowsky ihn halb-öffentlich des Plagiierens anklagte. Im Mittelpunkt standen ihre gesammelten Sprachdummheiten und Sprachgrausamkeiten, auf die sie erstmals in ihrer Satire »Kampf mit dem Fachmann« (der leider in dieser Ausgabe fehlt) zurückgriff, in dem Lichnowsky ihrem ein »Dünkelkäppchen« tragenden Fachmann eine Sprache in den Mund legt, die nicht der intellektuellen oder emphatischen Verständigung zwischen Menschen dient, sondern der Herrschaft über Menschen. Einige Wendungen aus dem Roman soll Kraus in der Fackel ungefragt übernommen haben. Es heißt, dass es ihn einige publizistische Mühen und besänftigende Worte gekostet haben soll, um Lichnowskys Ärger zu stillen.

Die Frage der Sprache und der Sprachkritik lässt Lichnowsky nie wieder los. 1934 schreibt sie: »Es gibt nichts auf- und anregenderes als Sprache und Sprachprobleme […] Die Sprache verlassen zu müssen, das wird der schwerste Abschied sein.« Als sie sich während der Nazizeit weigert, der linientreuen Reichsschrifttumskammer beizutreten, weiß sie, dass das einem Schreibverbot gleichkommt. Aber es wäre ein Verrat an ihrer viel geliebten Sprache, sich dem Nazisprech zu beugen. Statt öffentlich zu schreiben, fertigte sie für sich seitenlange Exzerpte aus Hitlers »Mein Kampf« an, die sich im Marbacher Nachlass befinden. Viele Jahre später, nach dem Ende des Hitlerregimes, wird sie sich in der Tragödie »Gespräche in Sybaris«, dem essayistischen Text »Werdegang eines Wirrkopfs« und der Analyse »Worte über Wörter« damit auseinandersetzen, wie die deutsche Sprache vor und im Dritten Reich vergewaltigt wurde.

1928 stirbt ihr erster Mann Fürst Lichnowsky und die Feuilletonistin zieht an die französische Riviera. Dort findet sie offensichtlich die richtige Atmosphäre, um zu schreiben. In rascher Folge erscheinen neben feuilletonistischen Texten die autobiografischen Romane »An der Leine« (1930) und »Kindheit« (1934), die in dieser Ausgabe enthalten sind, sowie die eher unterhaltsamen Romane »Delaide« (1935) und »Der Lauf der Asdur« (1936), auf die das Herausgeber-Paar Hiltrud und Günter Häntzschel fehlen. 1937 erscheint ihr bislang unveröffentlichter Roman »Der Gärtner in der Wüste«, in dem sie sich emotional von ihrem Garten in Südfrankreich verabschiedet, den sie 1938 endgültig verlässt. Sie zieht erneut nach London und heiratet nun endlich Ralph Harding Peto. Es wird eine kurze Verbindung bleiben, denn als sie 1939 nach Deutschland reist, wird Lichnowsky, inzwischen britische Staatsbürgerin, untersagt ihr die Gestapo die Ausreise. Sie verbringt die Kriegsjahre in ihren schlesischen Schlössern. Erst nach dem Krieg darf sie das Land wieder verlassen. Als sie nach London zurückkehrt, ist ihr zweiter Mann bereits gestorben.

Abbildung von Mechtilde Lichnowsky in Jens Malte Fischers Kraus-Biografie.

Während sie in Deutschland festsitzt, schreibt sie auf der Basis ihrer Mitschriften aus Hitlers Kampfschrift das Buch »Worte über Wörter« – eine Sprach- und Stilkritik der Nazisprache –, das oft mit Victor Klemperers »Lingua Tertii Imperii« verglichen wird. Darin macht sie sich unter anderem über die Sprache Hitlers lustig (»seine Sätze sind geradezu – so als wären sie kranke Zähne – mit diesen Amalgam-Wörtern [wie schlechthin, geradezu, vollends, A.d.A.] schlechthin plombiert« und zeigt, wie die Barbarei der Nazis mit der Verhunzung der Sprache beginnt. Es ist im Gesamtwerk nicht der einzige Text, in dem sie mit den Nationalsozialisten abrechnet. Peter Suhrkamp soll 1939 vergeblich versucht haben, das Buch zu veröffentlichen, es erschien erst zehn Jahre später Wiener Bergland Verlag und ist nun zentraler Teil des vierten Bandes dieser Ausgabe.

»Worte über Wörter« führt die Deutsche Bibliographie als das »Vermächtnis der Dichterin«. Es ist eine intelligente Sprachwissenschaft, die die Fürstin da auf fast 300 Seiten betreibt und die deutlich macht, dass man auf die Details schauen sollte, wenn es darum geht, wie Gedanken und Taten in Worte gefasst werden. »Eine Sache ist so gut als möglich: das heißt, daß sie so gut ist, als es möglich ist. Eine Sache ist so gut wie möglich, das hieße: daß sie so gut ist wie sie möglich ist, ebenso gut wie möglich, in demselben schon gegebenen Maße, oder gut und möglich zugleich.«

Erst nach dem Ende des Hitler-Regimes erhielt Lichnowsky mit ihrer Prosa, Lyrik und den journalistischen Texten wieder die Aufmerksamkeit, die sie verdiente. Seit 1950 war sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. 1953 erhielt sie den Literaturpreis der Stadt München. Es sind die Jahre, in denen Neuauflagen ihrer Werke erschienen, die das Dritte Reich überdauert haben. »Bis in die Seele verletzt« blieb sie vom Naziterror und der Begeisterung der Massen. Eine Rückkehr nach Deutschland »nach den Zeiten des Ungeists« blieb für sie bis zuletzt unmöglich, wie sie dem Journalisten Otto W. Bechtle kurz vor ihrem Tod am 4. Juni 1958 in London sagte. Da war es längst einsam um sie geworden, aber auch das trug sie mit Würde. »Wer so lange auf der Sonnenseite des Lebens gestanden hat, muss auch die Dunkelheiten aushalten«, ist von ihr übermittelt.

Die von der Literaturwissenschaftlerin Hiltrud Häntzschel und dem Germanisten Günter Häntzschel im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung zusammengestellten Werke-Ausgabe umfasst nicht das Gesamtwerk der Autorin, Feuilletonistin und Sprachliebhaberin Mechtilde Lichnowsky. »Wegen der Fülle und der Vielseitigkeit ihres Werkes waren starke Einschnitte notwendig«, heißt es im knappen Kommentar der Herausgeber:innen. Lichnowskys schriftstellerische Hinterlassenschaft umfasst 18 Bücher und über 100 Veröffentlichungen in Zeitschriften und Magazinen. Es erstreckt sich von geradezu naiv-romantischen Beschreibungen der behüteten Kindheit in der Idylle des bayerischen Schlosses Schönburg bei Pocking nebst Liebesleid einer Tochter aus gutem Hause bis hin zu gestochen scharfen Sprach- und Stilkritiken – zum Teil in eindrucksvolle satirische Romane gegossen –, in denen sie die Abgründe ihrer Zeit im blindwütigen Gegröle der Massen einer genauen Analyse unterzieht.

Ihre Bücher – Romane, Erzählungen, Reiseberichte, Gedichte – sind verteilt in zahlreichen, oft renommierten Verlagen erschienen. Das ändert sich nun zum Teil mit dem Erscheinen dieser Ausgabe, die viele zentrale Texte der »Fanatikerin der Prosa« (Hiltrud Häntzschel an anderer Stelle) versammelt und in chronologischer Folge vorlegt. Sie zeigt eine unkonventionelle, streitlustige sowie stil- und sprachbewusste Autorin ersten Ranges, Sie enthält darüber hinaus den bisher unpublizierten Roman »Der Gärtner in der Wüste« aus dem Nachlass der entschiedenen NS-Gegnerin.

Es fehlt nicht an prominenten Zeitgenossen, die lange nicht verstanden haben, dass Fürstin Lichnowsky nicht nur als Förderin der Künste, sondern auch als Autorin ernst zu nehmen war. Bereits in Weimarer Zeiten war sie eine gefragte Stimme im Feuilleton, dennoch stand lange Zeit nur ihr auffallend attraktives und fürstliches Erscheinungsbild im Vordergrund. René Schickele sprach von einer »majestätische Erscheinung … mit großen blauen, neugierigen Augen«, der Berliner Schriftsteller und Journalist Alfred Kerr bemühte sich immerhin, das Werk mit ihrer strahlenden Erscheinung zu verbinden: »Ihr Können scheint gar nicht entwickelt im Sinne der Fertigkeit, der Glättung, des Gekämmtseins sondern sie ist ein Blühen; ein reiches Stück Natur; ein Bündel Daseinsmusik; ein Glanz auf zwei Beinen. Sie bedeutet ein Kunstwerk mehr, als sie Kunstwerk schafft aber von ihrem Sein fällt ein Strahl glückselig auf ihr Geschaffenes.«

Derlei Aussagen hatten auch ihre Folgen, wie Eva Menasse in ihrem Essay zur Ausgabe zeigt. »Hier war sich eine der begabtesten und gebildedsten Frauen ihrer Zeit offenbar ihr Leben lang nicht ganz sicher, ob sie dem wirklich trauen konnte, was sie täglich wahrnahm – nämlich sich selbst im qualitativen Vergleich zu intellektuellen Männern.« Und: »Die Ungerechtigkeit, als begabte Frau auf die Welt gekommen zu sein – das war das große Lebensthema dieser ungewöhnlichen Schriftstellerin.«

Erst nach ihrem Tod erkannte Erich Kästner als einer der ersten seiner Generation Lichnowskys Bedeutung. »Wir Glücklichen besaßen drei bedeutende Schriftstellerinnen, drei im Naturell eigenwillig weibliche, drei im Charakter entschlossene männliche Frauen«, schrieb er Ende der 50er über Ricarda Huch, Annette Kolb und Mechtilde Lichnowsky.

Statt Lichnowskys Zeitgenossen liest man dennoch besser den umwerfenden Essay von Eva Menasse, der der Werkausgabe vorangestellt ist (hier eine gekürzte Fassung). »Ihr unerschrockener Zugriff auf das Wesentliche und ihr unprätentiöser Humor können einem nur Vorbild sein«, schreibt die Wahlberlinerin, deren Texte selbst von sprachlicher Sensibilität und feinsinnigem Humor durchzogen sind. Es ist aber vor allem der Bilderreichtum von Lichnowskys Sprache, die Menasses Begeisterung weckt. »So sehr kitzelt die Sprache der Autorin den eigenen Sprach- und Vorstellungsapparat und regt ihn an, ein Genuss, der sich von banaler Anschauung nicht stören lassen möchte. Lesen, denken und formulieren spielen eben auf einer weit höheren geistigen Ebene als passives Glotzen.«

Mit dem Erscheinen dieser mit Liebe zum Detail editierten, prächtigen Ausgabe wird Mechtilde Lichnowsky in einigen Buchregalen eine Lücke füllen, von der bislang kaum jemand Kenntnis genommen haben dürfte. In ihr begegnen wir einer unkonventionellen, intelligenten, wachen und sprachbewussten Autorin, die sich trotz aller aristokratischen Vorteile nicht vom Blendwerk des Faschismus hat beeindrucken lassen. Die in der Sprache der Nazis genau das erkannt hat, was viele nicht sehen wollten: das die Worte den Taten unweigerlich vorangehen und die Taten ohne Worte nicht vorstellbar sind. Diese Sensibilität für die Sprache musste zu ihrer klaren antifaschistischen Haltung führen.

»An eine Heilige« adressierte Karl Kraus seinen Sechszeiler, mit dem er sich respektvoll vor Mechtilde Lichnowsky verneigte.

Mutig trägst du die Last, daß sie die andern nicht drücke.
Liebend leihst du dein Licht allem was finster um dich.

Immer gibst du, als ob dein Sein allein nicht genügte;
dich zu wissen, beglückt mich mit dem herrlichsten Lohn,

Nimmer gibst du dich aus und einst wird selbst nicht im Himmel
so viel Huld für dich sein, wie du hienieden vergabst.


Am 4. Juli ist Eva Menasse im Gespräch mit Günter und Hiltrud Häntzschel im Literaturhaus Berlin.