Andere Blicke auf den Nahen Osten
Israels Bevölkerung wählt am Dienstag ein neues Parlament. Vorab ein kurzer Blick auf vier aktuelle Neuerscheinungen, die die Lage im Nahen und Mittleren Osten aus anderen Perspektiven betrachten.
Israels Bevölkerung wählt am Dienstag ein neues Parlament. Vorab ein kurzer Blick auf vier aktuelle Neuerscheinungen, die die Lage im Nahen und Mittleren Osten aus anderen Perspektiven betrachten.
Der chinesische Journalist Yang Jisheng und der ins Exil getriebene Autor Liao Yiwu erinnern uns mit ihren aktuellen Büchern an die gewaltvolle Geschichte ihrer Heimat, die mit dem, was China heute ausmacht, noch eine Menge zu tun hat.
Vor einem Jahr führten Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot ihr »Punk-Gebet« in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale auf. Bei ihrem 40-sekündigen Auftritt protestierten sie gegen die enge Verbindung zwischen dem russischen Staat und der russisch-orthodoxen Kirche. Drei Bandmitglieder wurden wegen »Rowdytums aus religiösem Hass« festgenommen und zu Lagerhaftstrafen verurteilt. Ein Schauprozess erster Güte, das Buch »Pussy Riot! Ein Punkgebet für Freiheit« zeigt.
Kaum einer hat das Grauen eindrucksvoller beschrieben, als Jonathan Littell in seinem preisgekrönten Roman »Die Wohlgesinnten«. Aus der Geschichte ist er in die Gegenwart gegangen, in seinen »Notizen aus Homs« beschreibt er die Schrecken in einer abgeriegelten Stadt.
Der US-amerikanische Kultursoziologe Richard Sennett und der Buchautor Richard David Precht unterhielten sich auf dem 12. Internationalen Literaturfestival in Berlin über bösen Kapitalismus und gelingende Kooperation. Anlass war die Vorstellung des neuen Buches »Zusammenarbeit« von Richard Sennett, das Ende August erschienen ist.
Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat mit seinem Buch »Sua Santità« die Vatileaks-Affäre ausgelöst. Kurz nach dem Erscheinen des Buches in Italien im Frühjahr 2012 wurde der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele festgenommen. Er soll dem Journalisten zahlreiche geheime Dokumente aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI. zugespielt haben und wird sich nun wohl vor Gericht verantworten müssen. Nun erscheint die deutsche Ausgabe von Nuzzis Enthüllungsbuch, das neben Abbildungen der Dokumente auch pikante Details zum Verhältnis des deutschen Papstes zu seiner Kirche in der Heimat enthält. »Seine Heiligkeit« ist für alle Beteiligten eine peinliche Angelegenheit.
Dieses Buch ist eine Warnung. Eine Warnung, die einflussreichste politische Bewegung der letzten Jahre in den USA ernst zu nehmen und ihre Macht nicht zu unterschätzen. Philipp Schläger nennt sie die »Amerikas Neue Rechte« und zeigt, wie sie Amerika eroberte. Auf knapp 300 Seiten analysiert er Entstehung, Motive und politische Agenda, zeigt ihre Protagonisten und ihre Financiers.
Drei aktuelle Publikationen widmen sich in unprätentiöser Manier der Lage der Bürger- und Menschenrechte. Der aktuelle Grundrechte-Report nimmt die Lage in Deutschland in den Blick, das Jahrbuch von Amnesty International ist der weltweiten Lage der Menschenrechte gewidmet und der Katalog zum diesjährigen World-Press-Photo-Award liefert neben aufregenden Fotografien auch die teils bedrückenden Bilder zur Menschenrechtslage weltweit.
Sie hassen Homosexuelle, sind gegen Abtreibungen und die Pille und machen mit religiösem Eifer gegen alles mobil, was fremd scheint. In der so genannten Tea Party versammelt sich der weiße Mob. Die Journalistin Eva C. Schweitzer hat die Bewegung untersucht. In ihrem Buch »Tea Party. Die weiße Wut. Was Amerikas Rechte so gefährlich macht« durchleuchtet sie die Bewegung.
Unsere Wirtschaft ist eine Kulturerscheinung, die es zu gestalten gilt. Wie man das am besten macht, kann man bei den großen Denkern der Menschheitsgeschichte erfahren, zeigt das tschechische Ökonomiewunderkind Tomas Sedlacek.
Maria Luise Knott erklärt in ihrem klugen Essay » Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt«, warum das konventionelle Denken zur Seite gelegt werden muss, um Eichmann als empörend dummen und beliebigen Hanswurst zu identifizieren. Zwei weitere Titel gehen der Rolle von Hannah Arendt in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach.
Was heißt Frieden heutzutage? Reicht die Abwesenheit von Krieg aus? Wenn dem so ist, dann herrscht in Syrien derzeit Frieden. Aber will das tatsächlich jemand behaupten? Rechtfertigt die syrische Situation das aktuelle Stillhalten, weil eine Intervention eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten bedeuten würde? Gerd Hankels kluge Denkschrift »Das Tötungsverbot im Krieg« liefert die Vorlage für eine tiefergehende menschliche Position.
Bilder von ausgemergelten Kindern mit aufgeblähten Bäuchen haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Sie werden sofort abgerufen, geht es um humanitäre Hilfe. Sie öffnen Herzen und Portemonnaies. Dies macht sich eine Branche zu nutzen, die die niederländische Journalistin Linda Polman als »Mitleidsindustrie« bezeichnet.
Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzis legt mit »Vatikan AG« eine fundierte Analyse zur Wirkungsweise der großen Geldwäscheanlage im Vatikan.
Der in Polen geborene und in Großbritannien lehrende Soziologe Zygmunt Baumann zeigt in »Verworfenes Leben«, wie die Moderne ganze Menschengruppen ins Abseits schiebt.