Sebastiao Lelio

Hinreißend und bedrückend

In Sebastiáo Lelios Drama »Eine fantastische Frau« ist mit Daniela Vega eine außergewöhnliche Schauspielerin zu entdecken, die mit großer Würde die Rolle von Marina Vidal ausfüllt. Marina hieß vor Jahren Daniel und sucht nun in der neu gewählten Rolle der Frau ihren Platz in der machistischen chilenischen Gesellschaft.

Malla Hukkanen © Sputnik Oy

Kaurismäki stark, deutschsprachige Beiträge blass

Die Berlinale geht in ihr Abschlusswochenende, 18 Filme konkurrieren um die Bären, die am Samstagabend vergeben werden. Auf einen absolut herausragenden Beitrag wartete man im Wettbewerb bis zum Schluss vergeblich. Dennoch gibt es einen Geheimfavoriten. Der stärkste Film des Festivals lief in der Sektion Panorama.

© Federica Valabrega

Ein Kampf um den eigenen Sohn

Erst verliert er seine Mutter, dann muss der Sohn des jüdischen Verkäufers Menashe aus religiösen Gründen zu seinem Onkel ziehen. Joshua Z. Weinsteins Film »Menashe« erzählt von radikalen Regeln des ultraorthodoxen Judentums und dem Leben in einer Parallelgesellschaft.

Kunst-berlinale-2017

Künstlerbiografien und Bandgeschichten

Die 67. Berlinale eröffnet heute Abend mit Etienne Comars Biopic »Django«. Der Verfilmung des Lebens des französischen Künstlers Django Reinhardt, der als Vorreiter des europäischen Jazz gilt, steht im Wettbewerb eine Dokumentation von Joseph Beuys gegenüber. Andere Beiträge widmen sich dem Schweizer Maler Alberto Giocometti, der kanadischen Künstlerin Maud Lewis, der elektronischen Pionierformation Tangerine Dream…

Fuocoammare | Fire at Sea

Unsere Berlinale-Favoriten

Über 400 Filme wurden auf der diesjährigen Berlinale gezeigt. Auch wenn wir bei weitem nicht alle davon gesehen haben, durften wir doch mehr Filme schauen, als wir besprochen haben. Bevor alle Preise vergeben sind, präsentieren wir unsere Favoriten aus allen Sektionen.

Ejhdeha Vared Mishavad! | A Dragon Arrives! | © Abbas Kosari

Zum Schluss brüllt der Drachen

Der iranische Regisseur Mani Haghighi schließt mit »A Dragon Arrives« den Wettbewerb so fulminant ab, wie er zu keinem Zeitpunkt war. In überwältigenden Aufnahmen erzählt er eine kafkaeske Geschichte des Iran und öffnet für den Zuschauer den Raum der Assoziation.

Kollektivet | The Commune | © Christian Geisnæs

Nackt unter Leuten

Der dänische Regisseur und Dogma-Mitbegründer Thomas Vinterberg hat mit »Kolektivet« die Erinnerungen an seine Kindheit in der Kommune verfilmt.

Chi Raq | © Parrish Lewis

No Sex in Englewood Chicago

Spike Lee präsentiert auf der Berlinale seinen neuen Film »Chi-Raq«, ein ebenso frivoles wie engagiertes Lehrstück für politische Schönheit im Hip-Hop-Score nach antiker Vorlage.

24 Wochen | 24 Weeks | © Friede Clausz

Wenn das Herz zerreißt

Der einzige deutsche Beitrag bei der 66. Berlinale polarisiert, weil er die Abtreibungsdebatte dem gesellschaftlichen Diskurs entzieht und sie dorthin führt, wo sie hingehört: auf die individuelle Ebene. Anne Zohra Berracheds Familiendrama »24 Wochen« wird aller Voraussicht nach der meistdiskutierte Film des Festivals werden.

Barakah yoqabil Barakah | Barakah Meets Barakah | © El-Housh Productions

Shakespeare in Dschidda

Systemkritik geht auch anders, wie die saudi-arabische Romance-Satire »Barakah Meets Barakah« beweist. Der Film ist eine der kleinen Perlen, die man auf der diesjährigen Berlinale entdecken kann.

Fuocoammare | Fire at Sea

Europas träges Auge

Es ist nicht so, als wäre die Flüchtlingssituation bislang nicht auf der Berlinale wahrnehmbar gewesen. George Clooneey traf sich sogar eigens mit Angela Merkel zum Refugee-Talk. Mit Gianfranco Rosis erschütternd-anrührendem Dokumentarfilm »Fuocoammare« ist das Thema nun unmittelbar ins Zentrum dieses noch jungen Festivals gerückt. Außerdem mussten sich am zweiten Wettbewerbstag die Französin Isabel Huppert als Lehrerin neu…

Ja-Olga-Hepnarova-1

Letzte Ausfahrt Rache

Wie viel Verantwortung hat eine Gesellschaft für das Glück und Unglück des Einzelnen? Diese Frage steht nicht nur im Zentrum der diesjährigen Berlinale, sondern auch des Auftaktfilms der Sektion Panorama »Já, Olga Hepnarová« (I, Olga Hepnarova) von Petr Kazda und Tomas Weinreb.

Ein Kino in der nordsyrischen Stadt Aleppo  im Oktober 2010

Berlinale legt Schwerpunkt auf das Kino im Nahen Osten

Das politischste aller Filmfestivals macht sich auch in diesem Jahr auf die Suche nach der Realität im internationalen Filmgeschäft. Die Berlinale erkundet das »Recht auf Glück«, beobachtet die weltweiten Flüchtlingsströme und schaut auf das Kino im Nahen Osten. In zwei Mammutvorführungen wird das Sitzfleisch des Publikums besonders auf die Probe gestellt.

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»I had sex today… Holy shit!«

Das Regiedebüt der US-Amerikanerin Marielle Heller »The Diary of a Teenage Girl« ist ein faszinierend lockerer und zugleich verstörender Coming-of-Age-Film, der vom sexuellen Erwachen eines jungen Mädchens im San Francisco der siebziger Jahre erzählt. Die britische Schauspielerin Bel Powley glänzt in der Rolle der rebellisch-reflektierten Tagebuchautorin Minnie Goetze.

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Das perfide System der Kirche

Gibt es für die katholische Kirche einen richtigen Umgang mit den Missbräuchen Minderjähriger? Ist jede Schuld sühnbar? Diese Fragen stellt der chilenische Regisseur Pablo Larraín in seinem mit einem Silbernen Bären ausgezeichneten Thriller »El Club«. 

Jafar Panahi »Taxi«

Eine Rose und einen Goldenen Bären für die Filmleute

Dem iranischen Regisseur Jafar Panahi ist für seinen Film »Taxi« der Goldene Bär für den Besten Film verliehen worden. Die Jury zeichnet damit ein unter widrigen Umständen gedrehtes Porträt einer Gesellschaft im ständigen Ausnahmezustand aus. Panahi gewann bereits 2006 mit seinem Film »Offside« den Großen Preis der Jury. Auch bei den Silbernen Bären zeigte sich,…

Jiang Weng: Yi-bu-zhi-yao | © Beijing Buyilehu Film & Culture Co., Limited

Rasante Räuberpistolen

Drei chinesische Regisseur Jiang Wen stellt mit »Gone with the Bullets« einen glitzernde Gangsteroperette vor, der Japaner Sabu schließt mit seinem überirdischen Roadmovie »Chasuke’s Journey« den Wettbewerb ab.