Poesie ist nie harmlos
Studenten proben in einer der zahlreichen afrikanischen Diktaturen ein Bühnenstück von Beckett, als Unruhen aufkommen. Für den Erzähler in Edem Amuweys kraftvollem Exilroman ist das nur der Anfang einer Odyssee.
Studenten proben in einer der zahlreichen afrikanischen Diktaturen ein Bühnenstück von Beckett, als Unruhen aufkommen. Für den Erzähler in Edem Amuweys kraftvollem Exilroman ist das nur der Anfang einer Odyssee.
Davide Reviatis umwerfender Comic »Dreimal Spucken« erzählt von einer Kindheit in der italienischen Provinz der sechziger Jahre und dem verheerenden Echo der Verbrechen an den Sinti und Roma im Zweiten Weltkrieg.
Die Art, wie wir mit der Natur umgehen, erinnert Prof. Joachim Bauer »an die Flegeljahre eines Pubertierenden«. In seinem Buch »Fühlen, was die Welt fühlt«, beschreibt der Psychologe auf Basis wissenschaftlicher und kultureller Quellen die missratene Emanzipation des Menschen von der Natur und was diese mit der Zunahme von Hassgemeinschaften und politischem Extremismus zu tun haben. Ein Gespräch über das schlechte Verhältnis des Menschen zu seiner Lebensgrundlage und wie jede:r Einzelne etwas dagegen tun kann.
Er bekam den Beinamen »Die Hand Gottes«, dabei war sein linker Fuß der göttliche Teil seines Körpers. Maradona hat selbst Legenden wie Pélé oder Franz Beckenbauer in den Schatten gestellt, er verkörperte Zeit seins Lebens Genie und Wahnsinn. Das belegt die Filmbiografie »Diego Maradona. Rebell. Held. Gott.«, die noch einmal seine besten Jahre als Fussballer in den Blick nimmt.
Der Berliner Verbrecher-Verlag feiert dieser Tage ein Jubiläum. 1995 ging der Verlag mit einem Buch von Dietmar Dath an den Start. Seitdem haben Jörg Sundermeier und Kristine Listau zahlreiche Preisträger hervorgebracht und einige Projekte verwirklicht, die andere für unmöglich gehalten haben. Eine Reise durch 25 Jahre Verbrecher-Verlag mit 25 Fragen.
Die drei nominierten Sachbücher beim Bayerischen Buchpreis hinterfragen Ideologien und Ideologen. Jens Malte Fischer widmet sich in einer voluminösen Biografie dem Kritiker Karl Kraus, Hedwig Richter schreibt über die deutsche Demokratie und Max Czollek legt ein Programm der radikalen Vernunft vor.
Dorothee Elmigers »Aus der Zuckerfabrik« ist ein magisches Gedanken- und Erlebenslabyrinth, in dem selbst souveräne Leser:innen die Übersicht verlieren.
Die USA steht Kopf, kaum einer versteht das Land noch. Wo bleibt die Great American Novel unserer Zeit, die sie uns entschlüsselt? Den einen Roman, soviel kann schon verraten werden, gibt es nicht, dafür ist die Gegenwart zu komplex.
Die koreanischstämmige US-Autorin Steph Cha hat mit »Brandsätze« einen packenden Krimi geschrieben, der auf tatsächlichen Ereignissen beruht. Während im Hintergrund Unruhen infolge rassistischer Polizeimorde ausbrechen, tritt in dieser Erzählung eine Wahrheit in den Vordergrund, die alle Figuren in einen dunklen Abgrund stürzt.
In seinem fulminanten Roman »Homeland Elegien« geht der Dramatiker Ayad Akhtar seinem eigenen Dasein als Amerikaner mit muslimischen Wurzeln auf den Grund. Geduldig und mit Sympathie für die Menschen macht Akhtar sichtbar, wie Amerika zu dem dunklen Ort werden konnte, der er heute ist.
Amerikas größter lebender Romancier Don DeLillo schreibt noch einmal über die Welt am Abgrund. Sein neuer Roman »Die Stille« hält uns in aller Prägnanz die Gegenwart vor Augen.
Sternchen in Buchtiteln zur US-Lage haben derzeit Konjunktur, was angesichts eines Präsidenten, der wie kein anderer seine politischen Gegner beleidigt, eigentlich eine Farce ist. Die neuen Romane von Richard Russo und John Niven sind es nicht.
Amerika steht vor den Wahlen und das ist nicht nur wegen Corona eine besondere Situation. Eine Wiederwahl von Donald Trump scheint keineswegs ausgeschlossen. Dabei hat kein Präsident vor ihm mit Klientelpolitik, Beleidigungen und Lügen so stark zur Spaltung der amerikanischen Gesellschaft beigetragen wie Donald Trump. Zahlreiche Sachbücher zeigen, wohin diese fatale Politik führt.
Ulrike Draesners neuer Roman nimmt die Flucht und die Jahre des Exils des Dadaisten Kurt Schwitters auf faszinierende Weise in den Blick. »Schwitters« spiegelt in der Entstehung und poetischen Gestalt die Existenz außerhalb der Muttersprache.
Fast alles in »Pandemie« ist drastisch überzeichnet. Und dennoch tragen weder das Szenario noch die Tatsache, dass es zufällige Parallelen zwischen Film und Gegenwart gibt, zur Beruhigung bei. Selbst der brennende Höllenschlund im Stadion von Bundang, wo die Leichen der Pandemie verbrannt werden, findet eine Entsprechung in den knapp eine Million Toten weltweit seit Beginn der Corona-Pandemie. Corona-Leugner werden genug Versatzstücke finden, um sich in ihren kruden Theorien bestätigt zu fühlen. Dass in der südkoreanischen Stadt am Ende nicht das Recht des Stärkeren regiert, sondern politische Besonnenheit und wissenschaftliche Vernunft für stabile Verhältnisse sorgen, wird sie nicht interessieren.