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Über Herbstbücher, Comics und Prachtbände

Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 | © Thomas Hummitzsch

Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse sind da. In den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung sind jeweils fünf Titel nominiert. Nominiert sind Autor:innen wie Anja Kampmann, Katerina Poladjan, Norbert Gstrein oder Ines Geipel. Mit Ulli Lust ist auch wieder eine Comickünstlerin nominiert.

Insgesamt sind zehn Künstlerinnen und fünf Künstler nominiert, in der Belletristik dominieren die Autorinnen mit vier Nominierungen, in den beiden anderen Kategorien konkurrieren jeweils zwei Autoren bzw. Übersetzer und drei Autorinnen bzw. Übersetzerinnen um den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Leipziger Buchmesse.

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse

Von den 15 Nominierten sind die meisten erstmals nominiert, drei Autorinnen standen aber bereits schon einmal auf der Liste. Anja Kampmann war bereits 2018 mit ihrem Debütroman »Wie hoch die Wasser steigen« nominiert, Katerina Poladjan 2022 mit ihrem Roman »Zukunftsmusik« und die Übersetzerin Timea Tankó war bereits 2019 und 2021 nominiert, 2021 gewann sie den Preis der Leipziger Buchmesse für ihre Übersetzung von Miklós Szentkuthys »Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus«.

Gleich drei Nominierungen, verteilt auf alle drei Kategorien, kann der Frankfurter S. Fischer Verlag mit den Büchern von Katerina Poladjan, Ines Geipel und Irene Solà verzeichnen. Jeweils zweimal nominiert sind das Münchener Verlagshaus Hanser mit Anja Kampmann und Norbert Gstrein in der Belletristik, der Suhrkamp Verlag/Insel Verlag mit dem von Tina Flecken übersetzten Roman »Eden« und dem von Timea Tankó übersetzten Roman »Die Aussiedlung« in der Kategorie Übersetzung sowie Matthes & Seitz Berlin mit seinem Imprint Friedenauer Presse mit Jan Jekal im Sachbuch und Ulrich Faures Übertragung von »Das Lied von Storch und Dromedar«.

Ein Drittel der nominierten Titel sind aus einem Indie-Verlag, zwei Drittel aus großen Publikumsverlagen. Das gleiche Verhältnis gilt für die Nominierungen aus dem Frühjahrs- und den Herbstprogrammen. Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in der Wahrnehmung meist als Auszeichnung für Frühjahrstitel wahrgenommen. Richtig ist aber, dass Publikationen seit Abschluss der letzten Leipziger Buchmesse eingereicht werden können.

Mit der Nominierung von Ulli Lusts Comic »Die Frau als Mensch – Schamaninnen« ist nach der Berücksichtigung von Birgit Weyhes »Rude Girl« im Jahr 2023 das zweite Mal ein Comic im Sachbuch nominiert. Für den ersten Band »Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte« hatte Lust im vergangenen Jahr den Deutschen Sachbuchpreis gewonnen.


ÜBERSETZUNG

Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Übersetzungen von Ulrich Faure, Tina Flecken, Manfred Gmeiner, Timea Tankó und Petra Zickmann | © Thomas Hummitzsch
Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Übersetzungen von Ulrich Faure, Tina Flecken, Manfred Gmeiner, Timea Tankó und Petra Zickmann | © Thomas Hummitzsch

In der Kategorie dominiert wie die Vielfalt. Die nominierten Romane führen von einer an die Emily Brontë angelehnten Erzählung, die sich aus dem 19. Jahrhundert kunstvoll bis in die Zukunft schraubt, über die Abgründe der lateinamerikanischen und osteuropäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts bis hinein in Geschichten, die die komplexe Gegenwart abbilden, kommentiert durch katalanische und isländische Mythen. Nominiert sind:

  • Ulrich Faure für seine greifbare Übersetzung des Romans »Das Lied von Storch und Dromedar« von Anjet Daanje.
  • Tina Flecken für ihre wohldosierte Übertragung des Romans »Eden« von Auður Ava Ólafsdóttir.
  • Manfred Gmeiner für seine hier bereits ausführlich gelobte furchtlose Übersetzung des Romans »Unten Leben« von Gustavo Faverón Patriau.
  • Timea Tankó für ihre staunenswert selbstverständliche Fassung von András Viskys Roman »Die Aussiedlung«.
  • Petra Zickmann für ihre sinnliche Übertragung des Romans »Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis« von Irene Solà.

BELLETRISTIK

Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Romane von Helene Bukowski, Norbert Gstrein, Anja Kampmann, Katerina Poladjan und Elli Unruh | © Thomas Hummitzsch
Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Romane von Helene Bukowski, Norbert Gstrein, Anja Kampmann, Katerina Poladjan und Elli Unruh | © Thomas Hummitzsch

Die Kategorie ist vor allem von der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt. Die nominierten Romane tauchen aus unterschiedlichen Positionen ein in die brutale Gewaltgeschichte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, nehmen mit Ausflügen nach Kasachstan und Bulgarien, Moskau und Rom die europäische Wanderungsgeschichte in den Blick und reflektieren die Existenz in der DDR aus ungewöhnlicher Warte. Nominiert sind:

  • Helene Bukowski mit ihrem geisterhaften Wunderkind- und DDR-Roman »Wer möchte nicht am Leben bleiben«.
  • Norbert Gstrein mit seinem Jahrhundertepos »Im ersten Licht«.
  • Anja Kampmann mit ihrem Hamburger Milieu- und Gesellschaftsroman »Die Wut ist ein heller Stern«.
  • Katerina Poladjan mit ihrem imaginativen Künstlerroman »Goldstrand«.
  • Elli Unruh mit ihrem faszinierenden Mennoniten-Roman »Fische im Trüben«.

SACHBUCH/ESSAYISTIK

Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Sachbücher von Marie-Janine Calic, Ines Geipel, Jan Jekal, Ulli Lust und Manfred Pfister | © Thomas Hummitzsch
Die fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Sachbücher von Marie-Janine Calic, Ines Geipel, Jan Jekal, Ulli Lust und Manfred Pfister | © Thomas Hummitzsch

Die in der Kategorie nominierten Titel streifen in großzügigen Sprüngen durch die Menschheits- und Kulturgeschichte, nehmen aber auch das finstere 20. Jahrhundert noch einmal aus neuen Perspektiven in den Fokus. Mit ihnen blickt man anders auf die Frau in der Steinzeit oder die Epoche der Renaissance, befasst sich noch einmal neu mit dem Schicksal des Exils oder erinnerungspolitischen Manipulationen. Aus den historischen Stoffen ergeben sich dabei immer Bezüge zur Gegenwart. Nominiert sind:

  • Marie-Janine Calic mit ihrer akribischen Recherche »Balkan-Odyssee, 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler«.
  • Ines Geipel mit ihrer erinnerungspolitischen Intervention »Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung«.
  • Jan Jekal mit seiner filmreifen Geschichte zur »Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten 1941–1953«.
  • Ulli Lust mit ihrem bahnbrechenden Comic »Die Frau als Mensch – Schamaninnen«.
  • Manfred Pfister mit seinem hier bereits ausführlich besprochenen Prachtband und epochalen Wunderkammer »Englische Renaissance«.

Insgesamt haben 177 Verlage die Chance genutzt, bis zu zwei ihrer Titel pro Kategorie einzureichen. Aus den 485 Titel eingereichten Titeln hat die Jury die 15 nominierten Bücher ausgewählt. Der Preis der Leipziger Buchmesse 2026 wird am 19. März um 16 Uhr in der Glashalle der Leipziger Buchmesse vergeben.

Preisträger 2025

Im vergangenen Jahr wurde Kristine Bilkaus einfühlsamer Roman »Halbinsel«, Irina Rastorguevas vielschichtige Annäherung an die »Pop-up-Propaganda. Epikrise der russischen Selbstvergiftung« und Thomas Weilers ebenso mündliche wie tastende Übersetzung der Geschichte der »Feuerdörfer. Wehrmachtsverbrechen in Belarus – Zeitzeugen berichten« von Ales Adamowitsch, Janka Bryl und Uladsimir Kalesnik ausgezeichnet.