Alle Artikel in: Film

Sofia Otero und Patricia López Arnaiz in »20.000 especies de abejas« von Estibaliz Urresola Solaguren | © Gariza Films, Inicia Films

Wieso weißt Du, wer du bist?

Die spanische Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren ist die zweite Debütantin im Wettbewerb. Ihr Film »20.000 especies de abejas« ist ein weiterer Beweis für das feine Händchen von Festivaldirektor Carlo Chatrian. Er erzählt die berührende Geschichte eines Kindes, das mit seiner geschlechtlichen Identität hadert.

Theodora Exertzi, Odysseas Psaras, Nikolas Tsibliaris und Aliocha Schneider in »Music« von Angela Schanelec | © faktura film / Shellac

Komplexe Geschichte

Angela Schanelec präsentiert mit »Music« im Wettbewerb der Berlinale ihre persönliche Variante des Ödipus-Mythos. Gesprochen wird dabei wenig, dafür spielt der Gesang eine wichtige Rolle. Einfacher zugänglich macht das den Film nicht.

Santiago Sandoval Carbajal in »Heroico« von David Zonana | © Teorema

Die Angst haben

Mit dem Krieg in der Ukraine geht auch eine Militarisierung der Welt einher. Der Italiener Giacomo Abbruzzese und der Mexikaner David Zonana gehen in ihren Filmen dieser befremdlichen Entwicklung nach und zeigen, was die Erfahrung von Gewalt mit Menschen macht.

Vicky Krieps in »Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste« von Margarethe von Trotta | © Wolfgang Ennenbach

Rom antwortet nicht

Übermorgen wird die große deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta 81 Jahre alt. Im Wettbewerb der 73. Berlinale ist vorher ihr Spielfilm »Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste« zu sehen, der die Beziehung von Max Frisch und Ingeborg Bachmann in den Blick nimmt.

Mwajemi Hussein in »The Survival of Kindness« von Rolf de Heer | © Triptych Pictures

Den Tod im Nacken

Der australische Filmemacher Rolf de Heer geht mit einem gleichermaßen avantgardistischen wie radikalen Film in den Wettbewerb. »The Survival of Kindness« ist eine nachdenkliche Allegorie auf die rassistischen Verhältnisse der Welt.

Reyhaneh Jabbari: Sieben Winter in Teheran von Steffi Niederzoll | © Made in Germany

Unbeugsamer Widerstand

Steffi Niederzolls bedrückender Dokumentarfilm »Sieben Winter in Teheran« eröffnet die Perspektive Deutsches Kino auf der 73. Berlinale. Er ist ein erster Höhepunkt auf einem Festival, das sich besonders der Situation in der Ukraine und im Iran widmen will.

Jalyn Hall als Emmett Till in »Till – Kampf um die Wahrheit« von Chinonye Chukwu | © Universal

Brutale Wahrheit

Die nigerianisch-amerikanische Regisseurin Chinonye Chukwu setzt in ihrem ebenso bedrückenden wie bewegenden Drama »Till – Kampf um die Wahrheit« der vergessenen Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Mamie Till Mobley ein Denkmal. Parallel zu ihrem Film ist ein mehrfach ausgezeichneter Bildband erschienen, in dem der Fotograf Bob Newman dem langen Schatten des Lynchmords an Emmett Till nachgeht. Auch Percival Everett greift in seinem aktuellen Roman »Die Bäume« die Ereignisse um die Ermordnung von Emmett Till auf.

Vicky Krieps in »Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste« | © Wolfgang Ennenbach

Berlinale 2023: Avantgarde statt Blockbuster

Insgesamt 18 Filme werden bei der 73. Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren, allein fünf Filme kommen von deutschen Filmemacher:innen. Margarethe von Trotta kehrt nach Jahrzehnten zum Festival zurück. Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg wird den diesjährigen Ehrenbären erhalten.

Charlbi Dean, Harris Dickinson in »Triangle of Sadness« von Ruben Östlund | @ Fredrik Wenzel / Alamode Film

»Die Linken haben ihren Marx vergessen«

Der neue Geniestreich des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund führt vom Catwalk auf eine Luxusjacht bis auf eine einsame Insel. Im Mittelpunkt stehen Carl und Yaya, die mit Schönheit reich werden wollen. Echten Reichtum erleben sie auf einer Luxusjacht, wo Waffenhändler, Dotcom-Milliardäre und Oligarchen Spielchen spielen. Bis sie auf einer einsamen Insel stranden. In Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, konfrontiert uns diese Satire über die Dekadenz in der Welt mit den Abgründen der Gegenwart. Ich konnte mit Ruben Östlund über fehlende Gleichstellung, sympathische Reiche und die Bedeutung von Karl Marx sprechen.