Alle Artikel in: Film

Jalyn Hall als Emmett Till in »Till – Kampf um die Wahrheit« von Chinonye Chukwu | © Universal

Brutale Wahrheit

Die nigerianisch-amerikanische Regisseurin Chinonye Chukwu setzt in ihrem ebenso bedrückenden wie bewegenden Drama »Till – Kampf um die Wahrheit« der vergessenen Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Mamie Till Mobley ein Denkmal. Parallel zu ihrem Film ist ein mehrfach ausgezeichneter Bildband erschienen, in dem der Fotograf Bob Newman dem langen Schatten des Lynchmords an Emmett Till nachgeht. Auch Percival Everett greift in seinem aktuellen Roman »Die Bäume« die Ereignisse um die Ermordnung von Emmett Till auf.

Vicky Krieps in »Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste« | © Wolfgang Ennenbach

Berlinale 2023: Avantgarde statt Blockbuster

Insgesamt 18 Filme werden bei der 73. Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren, allein fünf Filme kommen von deutschen Filmemacher:innen. Margarethe von Trotta kehrt nach Jahrzehnten zum Festival zurück. Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg wird den diesjährigen Ehrenbären erhalten.

Charlbi Dean, Harris Dickinson in »Triangle of Sadness« von Ruben Östlund | @ Fredrik Wenzel / Alamode Film

»Die Linken haben ihren Marx vergessen«

Der neue Geniestreich des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund führt vom Catwalk auf eine Luxusjacht bis auf eine einsame Insel. Im Mittelpunkt stehen Carl und Yaya, die mit Schönheit reich werden wollen. Echten Reichtum erleben sie auf einer Luxusjacht, wo Waffenhändler, Dotcom-Milliardäre und Oligarchen Spielchen spielen. Bis sie auf einer einsamen Insel stranden. In Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, konfrontiert uns diese Satire über die Dekadenz in der Welt mit den Abgründen der Gegenwart. Ich konnte mit Ruben Östlund über fehlende Gleichstellung, sympathische Reiche und die Bedeutung von Karl Marx sprechen.

»Atlantis« von Valentyn Vasyanovych | Foto: Mubi

Ukrainische Perspektiven

Die Deutsche Kinemathek bringt »Perspectives of Ukrainian Cinema« auf die Leinwand. Bis zum 30. Juni wird in Berlin, Leipzig und Hamburg ukrainisches Gegenwartskino gezeigt, das ein eindrucksvolles und facettenreiches Bild von Land und Menschen geben. Der Eintritt zu allen Vorführungen ist frei.

Die Zeit steht in »Der schlimmste Mensch der Welt« von Joachim Trier still: Julie (Renate Reinsve) kann es kaum erwarten, ihre große Liebe zu treffen | © Oslo Pictures

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Joachim Trier hat einen grandios lebensbejahenden Film über die Suche nach Erfüllung im 21. Jahrhundert gedreht. Seine Liebeskomödie »Der schlimmste Mensch der Welt« erzählt vom Erwachsenwerden in den 30ern und verhandelt dabei die großen existenziellen Fragen. Getragen von einer umwerfenden Hauptdarstellerin ist dies der schönste Film des Jahres.

Les Années Super 8 | © Majority Production

Cannes zeigt Ernaux-Dokumentation

»Les Années Super 8« hat die französische Autorin gemeinsam mit ihrem Sohn aus privaten Aufnahmen zusammengeschnitten. Der essayistische Film, der ihr umfangreichstes Werk auf die Leinwand überträgt, wird beim Internationalen Filmfestival in Cannes in der kommenden Woche in der Nebenreihe »Quinzaine des Réalisateurs« gezeigt und startet im Dezember in den französischen Kinos. Im Herbst erscheint in Deutschland ein neuer Text der von Annie Ernaux.

Anamaria Vartolomei spielt Anne, die Protagonistin in »Das Ereignis« von Audrey Diwan | © 2021 PROKINO Filmverleih GmbH

Das Gewicht von Stricknadeln

Wie ist es, wenn man als Frau abtreiben will, aber nicht darf? Diese Frage steht hinter dem autobiografischen Roman »Das Ereignis« von Annie Ernaux. Die Verfilmung der 1980 geborenen Französin Audrey Diwan gewann im vergangenen Jahr in Venedig den Hauptpreis und kommt jetzt in die Kinos. Zum Kinostart lohnt sich die parallele Lektüre des Buchs, um zusätzliche Ebenen des Ereignisses zu erschließen.

Apples »Coda« hat bei den 94. Annual Academy Awards in Los Angeles einen historischen Oscar in der Kategorie Bester Film gewonnen. | Filmstill von Apple TV

Umwerfend empathisch, Oscargewinner »Coda«

Es sprachen am Ende zwar alle nur über Will Smith und seine Ohrfeige, die eigentliche Sensation der diesjährigen Oscar-Verleihung war aber der dreifache Oscar-Gewinner »Coda«. Das Remake der französischen Komödie »Verstehen sie die Béliers« ist ein mitreißender Musik-Film, der gehörlose Menschen aus der Anonymität holt und jede Distanz einreißt. Dieser Film macht im besten Sinne sprachlos.