Alle Artikel in: Film

Emma Stone in »Poor Things« von Yorgos Lanthimos | © SearchlightPictures

Feministisch und surreal – »Poor Things« ist ein Meisterwerk

Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos hat mit »Poor Things« eine gleichermaßen poetische wie moderne Frankenstein-Variation gedreht. Der für insgesamt elf Oscars nominierte Film ist vom Drehbuch über die Besetzung und schauspielerische Leistung bis hin zur ästhetischen Bildsprache ein Meisterwerk, das unerschrocken und konsequent für die künstlerische Vision seines Machers spricht.

Johannes Hegemann, Liv Lisa Fries in »In Liebe, Eure Hilde von Andreas Dresen | © Frederic Batier / Pandora Film

Berlinale 2024: Kino in schmerzhaften Zeiten

Nach fünf Jahren ist die 74. Berlinale auch die letzte von Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. Einst trat das Duo mit dem Auftrag an, das von Dieter Kosslik heillos überfrachtete Festival künstlerisch und organisatorisch zu reformieren. Am Ende waren es vor allem die Sparmaßnahmen, die zur Verschlankung des Programms geführt haben, dem auch nach fünf Jahren eine klare Handschrift fehlt.

Filmstill aus »Der Junge und der Reiher« von Hayao Miyazaki | Wildbunch Germany

Sagen Graureiher die Wahrheit?

In seinem nun mutmaßlich allerletzten Film führt der Begründer der längst legendären Ghibli-Studios Hayao Miyazaki zu den allerletzten Fragen. In diesem fantasievollen Alterswerk schimmert, schwirrt und wimmelt es in allen Ecken. Es ist gut möglich, dass der Japaner mit »Der Junge und der Reiher« seinen zweiten Oscar gewinnt.

Maïwenn, Johnny Depp in »Jeanne du Barry« von Maïwenn | © Stéphanie Branchu - Why Not Productions

Das ist Versailles

Der strittige Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes erzählt von Moral und Befindlichkeiten am französischen Hof. Als Kostümfilm kann Maïwenns »Jeanne du Barry« überzeugen, als zeitgemäßer Kommentar kaum.

Ausgelassene Stimmung am Pool und Drinks: Tara (Mia McKenna-Bruce) flirtet in »How To Have Sex« von Molly Manning Walker mit den Jungs vom gegenüberliegenden Hotelbalkon. | © capelight pictures / Nikolopoulos Nikos

Umwerfend authentisch

Drei Teenager-Girls fliegen nach Kreta, um dort den Sommer ihres Lebens zu verbringen. Sie trinken, tanzen und haben Sex, aber nicht für jede läuft es wie geplant. »How To Have Sex«, das Debüt der britischen Regisseurin Molly Manning Walker, überzeugt in seinen Zwischentönen und ist von verblüffender Reife.

Hong Sang Soo-Filmbox | © Thomas Hummitzsch

Pures Kinoglück für Zuhause

Der südkoreanische Regisseur Hong Sang-soo ist längst kein Geheimtipp mehr, auch wenn Filmkritiker:innen das gern behaupten. Das Geheimnis des Erfolges seines leisen Kinos liegt in der genauen Beobachtung seiner Figuren. An ihnen zeigt er, wie nah Komödie und Tragödie im Leben beieinander liegen. Eine prächtige Blu-ray Filmbox versammelt einige seiner wichtigsten Filme.

Berlin-Gropiusstadt im Rekordsommer 2003. In den Parks stinkt es nach Hundescheiße, überall Scherben, in den Ecken stehen Dealer. Wer hier lebt, ist in »Sonne und Beton« von David Wnendt Gangster oder Opfer | © Constantin Film Verleih

Sackgasse Ghetto

David Wnendt zeigt in seinem Berlin-Film »Sonne und Beton« schonungslos und realistisch die ganze Härte des Lebens in der Neuköllner Gropiusstadt. Zugleich ist der vierte Film des in Berlin lebenden Filmemachers ein mitreißender Film über Freundschaft und das Erwachsenwerden.

Mina Hasanlou in »Critical Zone« von Ali Ahmadzadeh | © counterintuitive film / Luxbox Films

Der Freiheitsdealer

Der Hauptpreis des Filmfestivals in Locarno geht an den deutsch-iranischen Spielfilm »Critical Zone« von Ali Ahmadzadeh. Im Mittelpunkt steht der Dealer Amir, der in Teherans Untergrund High Society und Junkies mit Drogen versorgt.

Signe (Kristine Kujath Thorp) in »Sick of Myself« von Kristoffer Borgli | © Oslo Pictures / Garagefilm / Film i Väst 2022

Von Posern und Impostern

Kristoffer Borglis schwarze Komödie »Sick of Myself« geht dahin, wo es weh tut. Seine skurrile Heldin will ihre Mittelmäßigkeit hinter sich lassen und geht dafür radikale Wege. Ein satirischer Genre-Mix, der keine Angst hat, den Body-Horror unserer Zeit im Schaufenster des Kinos bloßzustellen.

Belmondo-Collection | © Thomas Hummitzsch

Ein Meister seines Fachs

Anderthalb Jahre nach seinem Tod ist im Frühjahr eine »Belmondo Collection« mit einigen der wichtigsten Filme des Franzosen erschienen. Sie zeigt die Wandlungsfähigkeit der Schauspiel-Ikone Jean-Paul Belmondo, der die Nouvelle Vague ritt wie kein anderer, um schließlich auf dem Pferd des Unterhaltungskinos dem Sonnenuntergang entgegen zu reiten.

Filmstill aus »EO« von Jerzy Skolimowski | © Aneta&Filip Gębscy

Eine traurige Gestalt

Um das seltsame Wesen namens Mensch zu verstehen, kann es nicht schaden, neue Perspektiven einzunehmen. Der mehrfach ausgezeichnete polnische Regisseur Jerzy Skolimowski beweist das in seinem in Cannes prämierten Film »EO« eindrucksvoll.