Comic, Interviews & Porträts

Dialoge zwischen Realität und Imagination

Ausstellung Joann Sfar | Foto: Thomas Hummitzsch

Das größte Rätsel überhaupt scheint mir die Liebe. Sie spielt in all Ihren Comics eine große Rolle, entweder weil ihre Figuren schwer verliebt oder auf der Suche nach diesem Gefühl sind.

Meine Figuren müssen immer auf der Suche nach etwas sein. Das kann auch etwas total Absurdes sein, wie die Liebe einer Frau oder die Bar Mitzwa einer Katze. Aber sie müssen etwas wollen, sonst sind es tote Figuren. Dazu kommt, dass es ein Vergnügen ist, Liebesdinge und Sexualität zu zeichnen. Ich weiß, dass es dabei Grenzen gibt und dass die Zeichnung die Dinge niemals so wiedergibt, wie es bei einem Film der Fall wäre. Ich spiele also mit diesen Grenzen, um Dinge zu zeigen, die ich in einem Film nicht zeigen könnte, weil sie zu roh und zu gewalttätig wären. Für mich ist es wichtig, dass meine Personen irgendetwas wollen. Das muss nicht die Liebe, das kann auch etwas zu essen sein, aber sie müssen etwas wollen.

Was immer noch nicht Ihren Hang zur Erotik und Sexualität erklärt, der sich durch fast alle Ihre Arbeiten zieht. Auch in »Aspirine«, der Fortsetzung von »Vampir«, wird das sichtbar.

Ich bin jemand, der viel über die Gleichheit von Mann und Frau nachdenkt. Es ist gar nicht einfach, diesen Gedanken zu verteidigen, ohne dabei den Charme mancher fast anachronischer Zusammenhänge aufzulösen – man denke nur an den verführerischen Franzosen oder so etwas. Das ist eine sehr interessante Auseinandersetzung, einerseits den Gedanken der Gleichheit von Mann und Frau aufrechtzuerhalten und zugleich Dinge zu bewahren, die andere sympathisch finden.

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Joann Sfar | avant-Verlag